Als die Städter auf der Alb um Essen baten

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Die Gottesdienstbesucher ließen sich „Hungerwecken“ im Laichinger Kirchgarten schmecken.
Die Gottesdienstbesucher ließen sich „Hungerwecken“ im Laichinger Kirchgarten schmecken. (Foto: Buck)
Schwäbische Zeitung

Die evangelische Kirchengemeinde hat ihren Erntebittgottesdienst am Sonntag zum ersten Mal mit neuer Anfangszeit gefeiert, um 10.30 Uhr. Auch Pfarrer Michael Buck ging auf veränderte Zeiten ein: in der Landwirtschaft, bevor sich drei Landwirte (Hans Sautter, Jo Länge, Daniela Frank) über den Ursprung der Erntebittgottesdienste unterhielten und sich erinnerten, wie Hunger viele Städter nach dem Zweiten Weltkrieg auf die Alb geführt hatte, wo sie um Lebensmittel baten.

Berührende Bilder von Konrad Lamparter über die Land(wirt)schaft auf der Alb zeigten sodann die Schönheit, „die uns jeden Tag umgibt und die für den Glaubenden Zeichen der Treue und der Liebe Gottes sind“. In seiner Predigt erläuterte Pfarrer Buck den lebensfreundlichen Rhythmus von Saat und Ernte, Tag und Nacht, Sommer und Winter in Gottes Schöpfung, der auch im Wechsel von Sonntag und Werktag, Beten und Arbeiten „Gutes für jeden Menschen“ bereithalte. Der Kirchenchor unter Leitung von Hartmut Rommel sang „Bewahre uns Gott, behüte uns Gott, sei mit uns auf unseren Wegen“, bevor Walter Eiben vom Verein „Credo“ zum Kirchenkaffee mit „Hungerwecken“ einlud. Den Verein gibt es seit Dezember, er arbeitet mit dem Kirchengemeinderat zusammen. Ziel sei es, die knapper werdenden Budgets der Landeskirche durch Spenden für die eigene Gemeinde auszugleichen und den Gemeindediakon oder andere Gemeindedienste mitzufinanzieren. Damit soll die lebendige Gemeindearbeit „langfristig erhalten werden“. Ziel von Credo ist es, weitere Förderer für die Kirchengemeinde zu gewinnen. So unterhielten sich dann Landwirte und Gottesdienstbesucher bei Kaffee und Hungerwecken angeregt im Kirchgarten (Foto). Die Hungerwecken waren aber nicht wie in schlechten Zeiten mit Sägemehl gestreckt, sondern mit Wurst oder Käse gefüllt.

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