Albwerk Geislingen mit zwei neuen Windkraftanlagen bei Drackenstein

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Schwäbische Zeitung
Warum die Generalversammlung verlegt werden muss – Zwei Laichinger werden im im Aufsichtsrat der der Alb-Elektrizitätswerk Geislingen bestätigt

Bei der 104. ordentlichen Generalversammlung der Alb-Elektrizitätswerk Geislingen eG ist Hubert Rinklin, Vorstandsvorsitzender der Albwerk-Genossenschaft, von Roman Glaser, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV), mit der der Ehrennadel in Silber des Verbands ausgezeichnet worden. Die Corona-Pandemie wirkte sich auch auf die Albwerk-Genossenschaft aus, denn erstmals fand ihre Generalversammlung nicht in Geislingen, sondern in der größeren Ankenhalle in Kuchen statt.

Klaus Kaufmann bliebt stellvertretender Vorsitzender

Wahlen gehörten zur Generalversammlung: Aus dem Aufsichtsrat schieden Holger Scheible, Geschäftsführer der Scheible Bad & Heizung Haustechnik GmbH in Geislingen, Claudia Hannusch, Geschäftsführerin Hannusch Industrieelektronic in Laichingen, Marius Hick, Bürgermeister von Gingen, Klaus Kaufmann, Bürgermeister von Laichingen, und Jochen Ogger, Bürgermeister von Lonsee, turnusgemäß aus. Alle standen für eine Wiederwahl zur Verfügung und wurden von der Generalversammlung einstimmig erneut in das Gremium gewählt. In der anschließenden konstituierenden Sitzung des Aufsichtsrats wurden Holger Scheible als Aufsichtsratsvorsitzender und Klaus Kaufmann als sein Stellvertreter in ihren Ämtern bestätigt.

Coronavirus kann Auswirkungen auf Strompreis haben

„Die lückenlose Versorgung mit Energie ist wesentlich für das Funktionieren unserer modernen, technisch geprägten Gesellschaft“, so begann Vorstandsvorsitzender Hubert Rinklin seinen Geschäftsbericht und ging zunächst auf die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise ein, wie aus einer Pressemitteilung zu entnehmen ist. Wie sich die Corona-Pandemie kundenseitig auf die Strompreise auswirken, lasse sich derzeit noch nicht sagen. „Selbstverständlich wird die Senkung der Mehrwertsteuer zwischen dem 1. Juli 2020 und dem 1. Januar 2021 in allen Beteiligungsgesellschaften an die Kunden weitergegeben“, versicherte Rinklin. Zudem sind im Konjunkturpaket der Bundesregierung Mittel zur Stabilisierung der EEG-Umlage vorgesehen.

Wegen Corona-Pandemie weniger Strom verkauft

Bei den Energieversorgungsunternehmen, die unter dem Dach der Albwerk-Genossenschaft tätig sind, werde sich die Pandemie deutlich niederschlagen. „Die gedrosselte industrielle Produktion und der weitreichende gesellschaftliche Stillstand in den vergangenen Monaten, führt zu einem geringeren Stromabsatz und damit vertrieblich zu geringeren Einnahmen“, berichtete Rinklin.

Trotz aller Schwierigkeiten und Herausforderungen, die die Corona-Pandemie nach sich zieht, sprach sich der Albwerk-Chef dafür aus, den Blick auch nach vorne zu richten und die gesteckten Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Dies gelte sowohl für das Albwerk als auch für die Bundesrepublik Deutschland. Beide haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Energiewende voranzutreiben.

Nur 325 neue Windkraftanlagen in Deutschland in 2019

Damit dies gelingen kann, braucht es, so Rinklin, im zweiten Halbjahr 2020 eine umfassende Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) mit konkreten, technologiespezifischen Ausbaupfaden. Dabei sei eine Beschleunigung, Vereinfachung und länderübergreifende Angleichung von Planungs- und Genehmigungsverfahren unerlässlich. Gerade bei Windkraftanlagen an Land stocke der Ausbau massiv, meinte Rinklin. Im Jahr 2019 seien bundesweit gerade einmal 325 neue Anlagen mit insgesamt 1078 MW-Leistung gebaut worden – dies ist der niedrigste Stand seit dem Jahr 2000.

Dennoch sei es dem Albwerk seit der Generalversammlung im Sommer 2019 gelungen, eine Vielzahl von regenerativen Erzeugungsprojekten voranzubringen: Der Windpark Drackenstein mit fünf Windkraftanlagen befindet sich im Bau und wird im August 2020 ans Netz gehen. Das Albwerk wird zwei der Anlagen übernehmen. Insgesamt wird der Windpark genügend Strom produzieren, um rechnerisch 14 300 Haushalte zu versorgen.

Wasserkraftwerk an der Fils bei Kuchen gekauft

Zudem hat das Albwerk vor kurzem das Wasserkraftwerk Siechenwehr an der Fils zwischen Kuchen und Geislingen gekauft und mit verschiedenen Kommunen in der Region Photovoltaik-Projekte umgesetzt. Beispielsweise wurde in Lonsee in eine Freiflächen-Solaranlage mit über 2000 Modulen investiert. Die Fläche dafür, ein Teil des ehemaligen Steinbruch-Areals, hat die Gemeinde für 20 Jahre an das Albwerk verpachtet. Vor Kurzem wurde die Anlage an das Stromnetz angeschlossen. Insgesamt produzieren die Solarmodule bei einer Spitzenleistung von 749 kWp rund 710 000 kWh Strom jährlich – genug, um rechnerisch 200 Haushalte zu versorgen und 330 Tonnen CO2 zu vermeiden.

Region mit Vorreiterrolle bei der Energiewende

„Insgesamt betrachtet nimmt unsere Region in Sachen Energiewende und Erzeugung nach wie vor eine Vorreiterrolle ein“, betonte Rinklin: „Denn 4675 Erzeugungsanlagen produzierten 2019 insgesamt 277 Millionen kWh Strom, die in das Albwerk-Netz eingespeist wurden. Das sind 46 Prozent des Bedarfs. Zählt man die 155 Millionen kWh hinzu, die von 28 weiteren Windkraftanlagen direkt ins Hochspannungsnetz einspeist werden, werden in der Region sogar 71 Prozent des Bedarfs produziert. Der Landesdurchschnitt liegt lediglich bei 28,2 Prozent.“

Neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien sind jedoch auch der Ausbau der Netze und die Kopplung der Sektoren Energie, Verkehr und Gebäude wichtig, damit die Energiewende erfolgreich vollzogen werden kann. „Wir brauchen technologieoffene und sektorenübergreifende Lösungen, die ein integriertes Handeln auf Gebäude- und Quartiersebene verfolgen. Effiziente und intelligente Energie- und Gebäudetechnik werden deshalb immer wichtiger“, fasste Rinklin zusammen. Dies sei einer der Gründe, warum sich das Albwerk zum 1. Januar 2019 an der EGT AG mit Sitz in Triberg mit 33 Prozent der Aktien beteiligt hat.

Zahlen und Fakten des Albwerk-Konzerns

Die Bilanz des Albwerk-Konzerns weist eine Bilanzsumme von 254,6 Millionen Euro (Vorjahr 232,3 Millionen) aus. Der Anteil des Eigenkapitals liegt bei 59,2 Prozent. Insgesamt erwirtschaftete der Albwerk-Konzern Umsatzerlöse von 249,7 Millionen Euro (Vorjahr: 228,2 Millionen). Das Ergebnis vor Steuern liegt bei 12,7 Millionen Euro und damit um rund 4,1 Millionen Euro über dem Vorjahr. Der Konzernjahresüberschuss beträgt 8,9 Millionen Euro. Die Entwicklung des Konzerns im Jahr 2019 war gut. Der Jahresüberschuss der Genossenschaft selbst liegt bei 2,9 Millionen Euro. An die Mitglieder der Genossenschaft wird insgesamt eine Dividende in Höhe von rund 193 000 Euro ausgeschüttet. Die Generalversammlung stellte diesen einstimmig fest und erteilte Vorstand und Aufsichtsrat Entlastung.

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