Acht Bücher, fürs Laichinger Publikum kuratiert

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 Rita Graf und Jutta Kounovsky bei ihrer Buchvorstellung in Laichingen.
Rita Graf und Jutta Kounovsky bei ihrer Buchvorstellung in Laichingen. (Foto: Bücherei)
Schwäbische Zeitung

Vielleser wissen: Den Überblick im Dschungel der Buchneuheiten zu behalten, ist schwer. Beim „Bücherherbst“ in der Laichinger Stadtbücherei haben Rita Graf und Jutta Kounovsky ihre literarischen Höhepunkte des Jahres 2018 vorgestellt. Rund 70 Literaturliebhaber hatten sich zur gemeinsamen Veranstaltung der Stadtbücherei, der Volkshochschule und der Frauengruppe der evangelischen Kirche eingefunden.

„Es ist bereits Tradition, dass wir acht Bücher vorstellen“, so leitet Rita Graf ein und ergänzte: „Wir lesen beide sehr, sehr viel, beginnen bereits im Frühjahr mit unserer Auswahl. Und der Stapel der geeigneten Bücher wird immer größer. Bis zum Herbst schaffen wir es, den Bücherberg wieder zu reduzieren.“ In die persönliche Bestenliste hatten es dann schließlich Romane geschafft, die teilweise bereits bei der Buchmesse von sich reden machten – darunter anspruchsvollere und leichtere Kost, Bücher ausländischer Autoren, Spannendes, Gegenwärtiges und Vergangenes. Die beiden stellten Bücher vor, die auf eine Geschenkeliste für Weihnachten oder die eigene Wunschliste gehören.

Genuss pur war angesagt, denn die mit einer besonderen Erzählgabe ausgestatteten Frauen verstanden es, die wesentlichen Inhalte der Bücher in wenigen Minuten vortrefflich zu vermitteln. Abwechselnd präsentierten Rita Graf und Jutta Kounovsky ihre Buchauswahl.

Für jeden Geschmack was dabei

Los ging’s mit einer Geschichte, „die eine Schatzkammer ist“, so Jutta Kounovsky. In dem Buch „Nonna“ von Thomas de Padova beschreibt der Autor gemeinsame Tage mit der Großmutter, seiner Nonna, in einem kleinen italienischen Dorf. Nur zögerlich gibt sie dem Enkel einige Begebenheiten aus ihrer Welt preis, die sich zu einem berührenden Lebensbild fügen.

Weiter ging’s mit dem Debüt von Laetitia Colombani. „Der Zopf“, mit einem schönen Cover ausgestattet, erzählt von drei Frauen, deren Schicksale auf magische Weise verbunden sind. „Wie in einem Zopf schlingen sich die einzelnen Stränge umeinander und ergeben gemeinsam ein Bild, das Mut vermittelt“, verrät Rita Graf.

„Die Donau habe schon viele Menschen inspiriert“, so auch Carmen Rohrbach. Mit dem Rad folgt die Autorin der Donau in ihrer ganzen Länge – von der Quelle im Schwarzwald bis zum riesigen Delta im schwarzen Meer. Und sie zeichnet dabei unterschiedliche Natur- und Landschaftsporträts, die durch Begegnungen und Gespräche mit Menschen aufgelockert werden. „Radeln sie mit der Autorin mit an der schönen blauen Donau“, ermutigt Kounovsky das Publikum, „und lesen Sie ,Am blauen Fluss’, eine wunderschöne Erzählung“.

„Beim nächsten Buch treffen wir auf unseren alten Freund Dengler“, sagt Rita Graf. Am neunten Krimi „Der große Plan“ von Wolfgang Schorlau kämen politisch Interessierte nicht vorbei, ergänzt sie. Das Buch sei exzellent recherchiert: Das Auswärtige Amt beauftragt Georg Dengler, nach der verschwundenen Mitarbeiterin Anna Hartmann zu suchen. Sie hat der Troika zugearbeitet, die die Rettung Griechenlands mit Milliardenkrediten überwacht.

In das Buch „Kleine Feuer überall“ packe die Autorin Celeste Ng viel zu viel rein, kritisiert Kounovsky. Es gehe um eine Bilderbuchfamilie mit vier Kindern und ihre unkonventionellen Nachbarn. Eine Künstlerin mit ihrer Tochter steht im Fokus und repräsentiere doch nur ausschnittartig das gesamte Spannungsfeld der US-amerikanischen Gesellschaft der 1990er-Jahre: die Kluft zwischen arm und reich, Rassismus, falsch verstandene Wohltätigkeit, Abtreibung, Adoption und Leihmutterschaft..

Das Ende des nächsten Romans „Ein unvergänglicher Sommer“ von Isabel Allende gebe Hoffnung, so Graf: Drei Menschen treffen bei einem Unfall aufeinander, wo sie ihre Vergangenheit verarbeiten. Evelyn aus Guatemala, die Chilenin Lucía und den Amerikaner Richard. Sie alle haben in ihrer Vergangenheit Schreckliches erlebt. Nach und nach entfaltet sich eine fein gesponnene Geschichte, in deren Mittelpunkt die Liebe genauso breiten Raum einnimmt wie jede Art von Gewalt.

Ein Buch mit Happy End sei die Geschichte von Sofia Lundberg „das rote Adressbuch“, erzählt Kounovsky. „Tot“ steht hinter fast allen Namen im Adressbuch der 96-jährigen Doris, als sie mit einem gebrochenen Hüftgelenk ins Krankenhaus eingeliefert wird. Sie hat nur noch ihre Großnichte Jenny in den USA. Und sie würde in diesem Leben gerne noch erfahren, was aus ihrer großen Liebe Allan geworden ist. Durch den schön gestalteten Schutzumschlag falle das Buch auch optisch ins Auge..

Mit einem persönlichen Highlight von Rita Graf endete der Abend: „Ein herrlich opulentes Bilderbuch für Erwachsene“ ist „Heimat“ von Nora Krug. Auf der Suche nach ihrer Herkunft reist die in New York lebende Illustratorin zurück in ihre Heimat nach Karlsruhe. Wie in vielen deutschen Familien kreist auch Krugs Recherche vor allem um die Frage, ob die Großeltern in der Nazizeit Schuld auf sich geladen haben. Krug verwandelt den Prozess ihrer Recherche in eine Text-Bild-Collage, in der Zeichnungen und Faksimiles von Dokumenten zu einem Kunstwerk verbunden werden.

Wer dabei war, konnte über 90 Minuten genießen, wie zwei Literaturbegeisterte mit Durchblick Neuerscheinungen präsentierten, deren Wichtigkeit sich nicht unbedingt an Bestsellerlisten orientiert. Rita Graf und Jutta Kounovsky machten Appetit, sich näher mit den acht Büchern zu befassen. Das Publikum wünschte sich eine Fortsetzung des Veranstaltungsformates für den Herbst 2019.

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