30 Tage ohne Unfall, Glück auf!

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Schwäbische Zeitung
Daniela Baisch

Der „Barbaratag“ am vergangenen Sonntag (4. Dezember) ist für viele Berufsgruppen ein besonderer Tag. Die Heilige Barbara ist die Schutzpatronin von Architekten, Glöcknern, Feuerwerkern, Sprengmeistern, Steinhauern und Geologen – aber auch der Bergleute. Deshalb ruhten an diesem Tag die Arbeiten auf den Baustellen des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm. Gefeiert wurde aus diesem Grund in Aichelberg beim Albaufstiegstunnel – unter Beteiligung der Laichinger Stadtkapelle.

Schwierig sei es gewesen, für die diesjährige Barbarafeier einen geeigneten Platz zu finden, sagt Kurt Joham von der österreichischen Porr AG und technischer Geschäftsführer der Arge ATA (Arbeitsgemeinschaft Tunnel Albaufstieg). Im Steinbühltunnel sei es zu eng und im Boßlertunnel ließen die Bauarbeiten eine solche Feier nicht zu – wegen des Baufortschritts.

Deshalb wurde im Eingangsbereich der „Krawattenburg“, so nennt Joham die Bürocontainer der Projektleitung in Aichelberg nahe dem Portal zum Boßlertunnel, ein gut beheiztes und festlich geschmücktes Zelt aufgestellt. Es bot Platz für rund 600 geladene Gästen, darunter auch viele Mineure und deren Familien. Mitten unter ihnen: die Musikerinnen und Musiker der Laichinger Stadtkapelle.

Für die Laichinger kein unbekanntes Terrain, schließlich haben sie bereits 2013 die Barbarafeier im Steinbühltunnel bei Hohenstadt sowie die Maschinentaufe am Boßlertunnel ein Jahr später musikalisch begleitet. Daher war die erneute Einladung für Dirigent Gerhard Engler und seine Musiker eine große Ehre.

Ein „gutes Nebeneinander“

Gegen 14.30 Uhr am Sonntagnachmittag trafen die ersten Gäste ein. Sie wurden von der Stadtkapelle mit flotten Märschen und Polkas begrüßt. Um 15Uhr begann die eigentliche Barbarafeier mit dem Bergmannslied „Glück auf“. Lang war die Liste der Gäste, die Kurt Joham begrüßte. Darunter die Tunnelpatin des Boßlertunnels, Gabriele Breidenstein, die CDU-Landtagsabgeordnete Nicole Razavi, Bernd Sievers, der kaufmännische Projektleiter der Deutschen Bahn, der ehemalige technische Projektleiter Matthias Breidenstein, der „Vater“ der Tunnelbohrmaschine „Käthchen“, Martin Herrenknecht, sowie die Bürgermeister und deren Stellvertreter aus Aichelberg, Gruibingen, Merklingen, Mühlhausen und Wiesensteig.

Deren Kommen wertete er „als Zeichen für gutes Nebeneinander“. Viele Arbeitnehmer der Tunnelbaustelle seien mittlerweile Wahlberechtigte in manchen Gemeinden. Sie würden nach Abschluss der Bauarbeiten nicht nur ein, sondern zwei „Löcher“ hinterlassen, „es sei denn, man macht gleich mit dem Autobahntunnel weiter“, fügte er mit einem Schmunzeln hinzu.

Erfreut zeigte sich Joham auch über den Besuch einer uniformierten Abordnung des Zolls. „Es muss auf unserer Baustelle wohl alles in Ordnung sein, sonst wären der Zoll heute nicht gekommen.“

Besonders begrüßt wurde das Team um Familie Ramminger vom Gasthof Sonne aus Hohenstadt, das für die Bewirtung gesorgt hat. Mit einem Zwinkern meinte Joham: „Seit wir auf der Alb sind, und das sind immerhin schon vier Jahre, ist oben auf der Alb die Sonne noch nie untergegangen.“

Nach der Begrüßung blickte Kurt Joham auf ein Jahr mit „herausragenden Leistungen“ zurück, die den Anspruch auf die „Champions League“ im Tunnelbau rechtfertigen. So wurde am 22. November der Durchschlag des Albabstiegstunnels bei Ulm gefeiert. Bereits am 6. November erblickte die 110 Meter lange und rund 2500 Tonnen schwere Tunnelbohrmaschine „Käthchen“ im Filstal wieder das Tageslicht, nachdem sie im April 2015 am Portal Aichelberg an den Start ging.

In der nun vollständig vorgetriebenen Oströhre des Boßlertunnels, in der später das Streckengleis Stuttgart-Ulm verläuft, wurden rund 4400 Tunnelringe verbaut. Das sind insgesamt 30 660 einzelne Betonfertigteile. Diese „Tübbinge“ werden in einer eigens errichteten Fabrik im Bereich des Tunnelportals Aichelberg hergestellt.

23 glimpfliche Unfälle

Kurt Joham dankte der Heiligen Barbara für ein Jahr ohne schwere Unfälle auf der Baustelle. 23 Unfälle seien glimpflich verlaufen. 30 Tage ohne Unfall waren es am Sonntag, der Rekord liegt bei 61. Joham hofft, dass die Heilige Barbara auch im kommenden Jahr nicht zu sehr beansprucht wird.

Bernd Sievers, der kaufmännische Projektleiter der Bahn, würdigte die Arbeit der Mineure, die trotz der Tunnelbohrmaschine harte Arbeit leisten und Gefahren im Berg ausgesetzt sind. Er bekannte, dass er den Albaufstieg im Herzen trage und „richtig, richtig stolz“ sei, „auf das, was bisher geschafft wurde“. Ein Grußwort sprach auch Nicole Razavi (CDU). Die Bedeutung dieses Projekts sei „riesig für Baden-Württemberg und Europa“.

Die anschließende Messfeier wurde vom Generalvikar der Diözese Rottenburg/Stuttgart, Prälat Clemens Stroppel und Peter Maile, Betriebsseelsorger bei Stuttgart 21, in Anlehnung an die „Deutsche Messe“ von Franz Schubert zelebriert und von der Stadtkapelle Laichingen begleitet.

Peter Maile versprach in seiner lockeren, lustigen Art: „Keine Angst, der Gottesdienst dauert nicht so lange.“ Der Seelsorger freute sich, dass auch einige Kinder „in unserer Mitte sind“ und ist sich sicher: „Sie fahren durch den Boßlertunnel, wenn wir schon am Krückstock gehen.“ Die Schriftlesung übernahm Tunnelpatin Gabriele Breidenstein. Einige Mineure und andere Mitarbeiter trugen Fürbitten und weitere Gebete vor.

Willkommene Abwechslung

Nach dem Festakt erklärte Kurt Joham das Buffet für eröffnet. Danach ließ er es sich nicht nehmen, schließlich war er selbst jahrelang Musiker, den gemütlichen Teil der Feier mit dem von ihm dirigierten „Radetzky-Marsch“ einzuläuten.

Die Musiker der Stadtkapelle Laichingen unterhielten anschließend die Gäste mit moderner und traditioneller Blasmusik – was für sie und Dirigent Gerhard Engler eine willkommene Abwechslung zur derzeitigen Konzertvorbereitung war. Nicht fehlen durften an diesem Tag natürlich die Barbarazweige – jeder Besucher durfte einen mit nach Hause nehmen. Wenn sie an Weihnachten blühen, bedeutet dies Glück im kommenden Jahr.

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