Land schaut auf Hohenstadter Bahn-Streit

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Etwa vier Minuten widmete der SWR in seiner Sendung „Zur Sache Baden-Württemberg“ dem Streit über ausstehende Entschädigungszah (Foto: Ilja Siegemund)
Ilja Siegemund

Als überaus wichtiges Projekt für die Infrastruktur der Bundesrepublik bezeichnet die Deutsche Bahn AG die 3,3 Milliarden Euro teure ICE-Neubaustrecke Wendlingen-Ulm. Doch was am Donnerstagabend im SWR-Fernsehen zu sehen war, dürfte den Verantwortlichen der Bahn nicht gefallen haben: In der Sendung „Zur Sache Baden-Württemberg“ kamen Menschen aus Hohenstadt zu Wort, die zu den Leidtragenden des Megaprojekts zählen.

Wie die SZ am Donnerstag berichtete, hatte ein SWR-Kamerateam auch den Landwirt Daniel Buck besucht. Die Reporter filmten ihn unter anderem auf seinem Hof, der nur wenige hundert Meter von der Baustelle des 4,8 Kilometer langen Steinbühltunnels entfernt ist. Der 38-Jährige erzählte, dass er Risse in seiner Halle entdeckt habe. Diese führt er auf die Sprengungen für den Tunnel zurück. Auch ein Gutachter der Versicherung der Bahn habe sich die Risse angesehen. Dessen indirekte Aussage sei gewesen, dass die Risse nicht von den Sprengungen kommen, sagte der Hohenstadter in die Kamera.

Tunnel unterm Haus

Die Zuschauer erfuhren außerdem, dass der Steinbühltunnel nur 90 Meter unter dem Haus von Bernd Weißinger verläuft. Er äußerte die Sorge, dass sich Risse im Gemäuer bilden oder gar das gesamte Haus einstürzen könnte. Natürlich könnte er das Haus verkaufen und wäre so die Sorgen los, sagte Weißinger. Doch diese Versuche seien gescheitert. „Das Haus ist unverkäuflich.“

Geschädigte sollen Schäden nachweisen

Und die Deutsche Bahn? Deren Sprecher Wolfgang Dietrich lehnt einen Vertrag über Entschädigungszahlungen bei entstandenen Schäden ab. Wer einen Schaden habe, solle ihn nachweisen, sagte er in dem Fernsehbeitrag. Dann werde der Konzern dafür bezahlen. Die Bahn, die öffentliche Gelder erhalte, müsse jedoch verantwortungsvoll mit den Steuergeldern umgehen. Das Unternehmen habe daher keinen Spielraum bei den Entschädigungszahlungen.

Dieses Vorgehen bezeichnete Jurist Dieter Weiblein, der die betroffenen Hohenstadter juristisch vertritt, als Zermürbungsstrategie. Dadurch sollen die Kosten minimiert werden, kritisierte er im SWR-Fernsehen. Der Jurist befürchtet einen jahrelangen Rechtsstreit.

Dass sich der Protest gegen das bundeseigene Unternehmen lohnen kann, machte Hohenstadts Bürgermeister Günter Riebort auf SZ-Nachfrage deutlich. Am Donnerstag trafen er und ein Anwalt der Gemeinde Hohenstadt Vertreter des Konzerns. Wie berichtet, gibt es auch zwischen der Gemeinde und der Bahn Ungereimtheiten, was die Verträge und Entschädigungszahlungen anbelangt. „Das Gespräch war wirklich konstruktiv“, sagte Günter Riebort. Was die ausstehenden Entschädigungszahlungen betrifft, werde die Bahn hoffentlich ihre Hausaufgaben machen. „Wenn angesichts des entstandenen Wirbels etwas dabei herauskommt, bin ich zufrieden.“

Ob Daniel Buck in absehbarer Zeit auch zufrieden sein kann, wird sich zeigen. Der Landwirt hat nun immerhin einen Termin beim zuständigen Regierungspräsidium Stuttgart, das die Höhe der Entschädigungszahlung in seinem Fall überprüft.

Wer die Sendung verpasst hat, kann das Video im Internet sehen: http://bit.ly/1jEWB5f

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