Albaufsteiger im Visier

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Zu Sehen ist der Bohrkopf der Bohrmaschine „Käthchen“, auch wenn sie eher zu den Kleineren der großen Bohrer zählt, folgen ihm
Zu Sehen ist der Bohrkopf der Bohrmaschine „Käthchen“, auch wenn sie eher zu den Kleineren der großen Bohrer zählt, folgen ihm doch vier Waggons unter anderem mit Vermessungs- und Sicherungstechnik. (Foto: baz)
Daniel Baz

Am Anstieg zum höchsten Punkt der ICE-Neubaustrecke beim Merklinger Weiler Widderstall liegt das Portal Hohenstadt. Die Volkshochschule Laichingen hat es 25 Menschen ermöglicht, die Bauarbeiten am Planungsabschnitt 2.2 der Neubaustrecke Wendlingen-Ulm zu begutachten. Bei einer Einführung im zentralen Baubüro am Albaufstieg bei Aichelberg, erfuhren die Teilnehmer der Tour Grundlegendes zu dem Abschnitt von Stuttgart 21.

Die 14,6 Kilometer lange Strecke des Planungsabschnitts von der Baustelle Aichelberg bis zum Portal Hohenstadt erklimmt die beträchtliche Steigung der Schwäbischen Alb.13,5 Kilometer davon seien Tunnel, sagte Baustellenführerin Gabi Leicht. Die größte Steigung bewältigt dabei der 8806 Meter lange Boßlertunnel. Der Abschnitt beinhaltet zwei Tunnel und eine Brücke. Auf der Filstalbrücke sollen die Züge 485 Meter lang das Licht erblicken, um dann wieder in den Steinbühltunnel abzutauchen. Dieser zweite Tunnel des Planungsabschnittes ist 4847 Meter lang und beginnt beim Portal Hohenstadt. „Der Albaufstieg ist technisch anspruchsvoll und das ingenieurstechnische Herzstück der 60 Kilometer langen Neubaustrecke Wendlingen-Ulm“, hieß es zu Beginn des Abschnittes 2013 im projekteigenen Magazin.

Frisch informiert und frischluftbedürftig begann die Baustellenbesichtigung, alle nahmen sich einen Helm und eine Weste. Dann fuhr ein Bus zur Baustelle Pfaffenäcker/Steinbühltunnel bei Hohenstadt. „Links wohnen die Mineure“, sagte die ausgebildete Stadtführerin Leicht im Bus und verwies auf die Kunststoffcontainer in staubigem weiß.

Zehn Stunden am Stück arbeiten

Hier arbeitet eine Arbeitsgemeinschaft aus Kärnten, Oberösterreich und Polen unter der Firma Porr. Die Arbeiter arbeiten zehn Tage lang zwölf Stunden am Tag und haben dann fünf Tage frei. Die Teams kennen sich und verstehen sich.

Eine Firma ist nur dafür zuständig, den Aushub aus dem Steinbühltunnel zu sortieren. Dieser stammt aus dem bergmännischen Vortrieb, eine Mischung aus Sprengen, Bohren und Einbringen von Spritzbeton in Richtung Filstalbrücke. Das Material kann für Wälle und Autobahnen weiterverwendet werden. Der Erdaushub wird wiederaufbereitet. Die Bahn versprach den Landwirten, die ihre Äcker zur Verfügung stellen mussten, dass sie diese in gleicher Bodenqualität wie vor dem Baubeginn erhalten würden.

Der Osttunnel in Richtung Ulm und der Westtunnel nach Stuttgart sind zu Sicherheitszwecken alle 500 Meter miteinander verbunden. Hier gibt es ein eigenes Betonwerk, vor dem tausende Tübbinge stehen – elf Tonnen schwere Kreisabschnitte aus Beton. Sechs Tübbinge fertigt Tunnelbohrmaschine „Käthchen“ zu einem Tunnelabschnitt zusammen.

Bei „Käthchen“ handelt es sich um eine 120 Meter lange und 2000 Tonnen schwere Tunnelbohrmaschine. Ihren Namen erhielt sie von der Gattin des Projektleiters für den Albaufstieg – Matthias Breidenstein. 2018 soll der Rohbau des Steinbühltunnels, nachdem 950000 Kubikmeter Gestein abgetragen wurden, fertig sein. Aber nicht überall kann mit „Käthchen“ gearbeitet werden: „Die braucht sehr viel Platz und kann keine großen Kurven fahren“, erklärte Gabi Leicht. Die Firma Porr aber zeigte sich zuversichtlich: „Geht nicht, gibt’s nicht“. Für zwei Meter Vortrieb in den Berg benötigt „Käthchen“ etwa 3000 KW/h – so viel wie zwei Drei-Personen-Haushalte im Jahr an Strom, den sie durch eine an ein Förderband angeschlossene Transportschraube abführt.

Ein gewisses Hindernis beim Albaufstieg stellt das Karstgestein, mit kleinen Höhlen darin, dar. In Widderstall hatten die Bauarbeiter gar eine größere Höhle auf der Strecke entdeckt. Der Landesverband für Höhlen- und Karstforschung Baden-Württemberg hatte diese untersucht und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass sie nichts Besonderes sei. Solche Höhlen müssen dann mit Beton aufgefüllt werden.

Im Jahr 2020 soll die Strecke ein wichtiger Abschnitt der Magistrales von Paris nach Budapest sein. Dabei liege der Schwerpunkt auf dem Personenverkehr, berichtete Gabi Leicht. Denn die Neubaustrecke sei nur für leichte Güterzüge bis 1000 Tonnen ausgelegt. Schwere Güter würden über die Strecke bei Geislingen an der Steige transportiert werden.

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