Verjagen Pestizide Fledermäuse aus Höhle?

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Noch am häufigsten in die Sontheimer Höhle verschlägt es das Große Maushor. (Foto: dpa)
Hansjörg Steidle

Ein weniger erfreuliches Ergebnis haben Mitglieder des Höhlenvereins Sontheim notieren müssen, als sie unlängst die Fledermäuse in der Sontheimer Höhle zählten. Denn gerade mal 283 Flugtiere machten sie in der Sontheimer Höhle und der angrenzenden Kohlhaldenhöhle ausfindig, als sie diese systematisch absuchten.

„Diese Zahl hat uns gar nicht gefallen“, erklärt Gunter Pantel, der mit neun weiteren Vereinsmitgliedern die Höhle ausleuchtete, jede Fledermaus zählte und notierte. Im Vorjahr waren die „Sontheimer Höhlenbären“ noch auf 471 Fledermäuse gekommen, so dass sie bei der diesjährigen Zählung einen Rückgang von 188 Tieren hinnehmen mussten. 279 Fledermäuse entdeckten sie in der Sontheimer Höhle, vier in der Kohlhaldenhöhle.

Rekord von 471 gezählten Tieren halbiert sich nahezu

„In den vergangenen Jahren war die Zahl schön steigend und erfreulich, bis wir 2012 die Rekordzahl von 471 Fledermäusen erreichten. Der deutliche Rückgang schockiert uns schon“, sagt Gunter Pantel. Für den Schwund weiß er keine genaue Begründung, vielleicht hätten die Tiere in diesem Jahr anderweitig Unterschlupf gefunden.

Werner Thierfelder macht die Pestizide, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, für den Rückgang verantwortlich. Er glaubt, dass chemische Substanzen, die lästige oder schädliche Lebewesen töten sollen, über die Nahrungskette die Fledermäuse aufnahmen, als sie auf Insektenjagd waren. Thierfelder verweist in diesem Zusammenhang auch auf das massive Bienensterben, das in Deutschland zu beklagen sei.

„Vor allem im Eingangsbereich der Sontheimer Höhlen konnten wir diesmal mehr Fledermäuse entdecken“, berichtet Gunter Pantel, der genau die Arten von Fledermäuse notiert hat: Die 279 in der Sontheimer Höhle gezählten Flugtieren gliedern sich nach Arten wie folgt: Mausohr (196), Frunsen (52), Langohr (3), Bartfledermaus (16), Wasserfledermaus (6) und Bechstein (2). Vier Fledermäuse konnten nicht genau identifiziert werden.

Die jährliche Zählaktion hat Fledermausexperte Dr. Alfred Nagel geleitet, der von den Vereinsmitgliedern Dieter Damke, Frank Schüler, Andreas Scheurer, Herbert Keifer, Werner Thiefelder, Mark Oertel, Michael Thierfelder, Wolfgang Siegel sowie Gunter Pantel begleitet wurde. Ziemlich genau vier Stunden dauerte die Suche nach den Fledermäusen, wobei die „Höhlenbären“ mit guten Lampen ausgestattet waren, um die Tiere zwischen den Steinritzen oder hinter den schönen Tropfsteinen auch zu sehen.

Die Sontheimer Höhle gilt als größtes natürliches Fledermausquartier der Schwäbischen Alb. Die im Mai 2011 in Betrieb genommene energiesparende LED-Beleuchtung sollte dem Naturschutz, aber auch dem Fledermaus-Schutz dienen. Durch den Einsatz der Hochleistungs-LEDs kann die Wärmeabstrahlung auf ein Minimum reduziert werden. Der in Schauhöhlen bekannte Moos- und Algenbewuchs, die sogenannte Lampenflora, soll bei der neuen Beleuchtung ausbleiben. Herkömmliche Energiesparlampen sind zwar auch sparsam, benötigen aber ein Vorschaltgerät, das Frequenzen ausstrahlt, durch die die vom Aussterben bedrohten Fledermäuse in ihrem Lebensraum gestört werden können. Das war mit ein Grund, die teuren LED-Lampen in der Höhle zu installieren.

Marder oder Mäuse knabbern Kabel für Lichter an

Bei ihrer Fledermauszählung stießen die Mitglieder des Höhlenvereins auf ein weiteres Problem: An 15 Stellen hatten Steinmarder oder Mäuse Kabel der Lichtanlage angefressen, die nun geflickt werden müssen. „Das ist mühsam und kostspielig“, erklärt Günter Pantel. Der Schaden ist beachtlich. An einer Stelle müssen wir ein Kabel komplett neu einziehen.

Die Schauhöhle ist von Mai bis Oktober samstags von 14 Uhr bis 17 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 10 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Das nächste große Fest des Höhlenvereins Sontheim bildet der Pfingsthock am Sonntag, 19.Mai.

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