So war das Reisen und Leben auf der Alb vor mehr als 100 Jahren

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 Reisen mit dem Dampfzug auf der Alb wie anno dazumal war vom Münsinger Bahnhof aus angesagt. Das 125-jährige Bestehen der Bahn
Reisen mit dem Dampfzug auf der Alb wie anno dazumal war vom Münsinger Bahnhof aus angesagt. Das 125-jährige Bestehen der Bahnstrecke von Honau nach Münsingen ist groß gefeiert worden. (Foto: Marion Schade)
Marion Schrade

Groß ist die Alb-Bahn am Wochenende gefeiert worden: Es war ein Fest für alle Eisenbahnromantiker und Mobilitäts-Visionäre, Alb-Liebhaber und Ausflugsfahrer. Mit einem vielfältigen Programm und zahlreichen Zügen unter Dampf zog die Schwäbische Alb-Bahn Tausende Besucher an. Das dreifache Jubiläum krönte ein besonderer Moment: Die Zahnrad-Lok 97 501 kehrte auf die Strecke zurück, für die sie einst vor 125 Jahren gebaut worden war.

Die Schwäbische Alb-Bahn feierte am Sonntag „150 Jahre“ und damit die Summe dreier Jubiläen: Die Bahnstrecke Honau-Münsingen wurde am 1. Oktober 1893 vor 125 Jahren eröffnet. Auf die Glanzzeiten der königlich-württembergischen Staatseisenbahn folgten Jahrzehnte, in denen die Militärstandorte Engstingen und Münsingen den Schienenverkehr dominierten. Mit dem Abzug der Bundeswehr stand auch die Bahn vor dem Aus. Der Verkehr auf der letzten Zahnradstrecke der Deutschen Bundesbahn zwischen Honau und Kleinengstingen war 1969 stillgelegt worden.

Die verbliebene Strecke zwischen Engstingen über Münsingen nach Schelkingen zu retten, war das erklärte Ziel der Eisenbahnbegeisterten, die vor 15 Jahren den Verein Schwäbische Alb-Bahn gründeten. Die im Jahr 2008 daraus hervorgegangene Betriebsgesellschaft, die SAB GmbH, schreibt seit zehn Jahren die Erfolgsgeschichte weiter: auf der modernen Schiene im Schülerverkehr genauso wie bei nostalgischen Dampfzugfahrten.

Wieviel Fachwissen und vor allem Herzblut im Projekt Schwäbische Alb-Bahn steckt, ließen die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter am Sonntag beim Jubiläumsfest in Münsingen bei einem rauschenden Fest miterleben und spüren. Neben Sonderfahrten mit und ohne Dampf, Musik und Mittagessen gab es viele Einblicke in die Technik der Eisenbahn von anno dazumal. Das Team um Alb-Bahn-Chef Bernd Weckler informierte.

Zurück ins Jahr 1893: Die Schwäbische Alb-Bahn schickte 200 Ehrengäste mit dem Dampfzug auf Zeitreise. Anlässlich des Jubiläums der Bahnstrecke Honau-Münsingen, die ziemlich genau vor 125 Jahren eröffnet wurde, begab sich die Alb-Bahn aufs historische Gleis. Bei der Jubiläums-Reise wurde, wie damals zur Eröffnung der Strecke, an jeder Station Halt gemacht und gefeiert. Ehrenamtliche Akteure griffen historisch verbürgte Begebenheiten auf und ergänzten sie um liebevoll inszenierte Anspiele, die den „Zeitreisenden“ einen lebendigen Eindruck vom Reisen und Leben auf der Alb anno dazumal vermittelten.

Echt steil: Wer mit dem Rad da hoch will, braucht Puste. Die Zahnradstrecke vom Echaztal auf die Alb war mit einem Steigungsgrad von zehn Prozent einst die steilste der Deutschen Bundesbahn. 1969 stillgelegt und abgebaut, verläuft an ihrer Stelle heute der Radweg von Honau hoch auf den Traifelberg. Strampeln müssen die Ehrengäste nicht – zum Festtag dürfen historische Busse die eigens gesperrte Strecke in gemächlichem Tempo in Angriff nehmen. Die Passagiere bekommen einen Eindruck davon, wie es sich angefühlt haben muss, in einem Waggon zu sitzen, den ein schnaufendes Dampfross bergauf schob.

Ständchen: Das Volk schwenkt Fahnen mit dem Wappen des württembergischen Königshauses, Krämer und Marktweiber bieten aus Bauchladen und Körben Süßes und Äpfel feil: Als der erste Zug vor 125 Jahren, bis auf den letzten Platz mit piekfeinen Honoratioren und Ehrendamen besetzt, in Engstingen ankam, fanden sich die Bewohner in Massen und staunend am neuen Bahnhof ein. Am Jubiläumstag tun sie’s wieder: Im Sonntagshäs der damaligen Zeit singen die Engstinger den Zugreisenden ein Ständchen: Sie „preisen mit viel schönen Reden“ den reichsten Fürsten, der nicht der von Sachsen oder der vom Rhein, sondern ganz klar Eberhard, „der mit dem Barte“, ist.

Zwischenstopp: Alb-Bahn-Chef Bernd Weckler nennt ihn ein „kleines Wunder“, womit womöglich nicht nur der Kohlstetter Bahnhof, sondern auch sein Besitzer gemeint ist, der jenes Wunder vollbracht hat. Ulrich Globuschütz hat das heruntergekommene Gebäude zwei Jahre lang restauriert und ein Gasthaus eingerichtet. Wirt Franzis Binder bringt die Landschaft, durch die die Strecke führt, auf einem Stückchen Brot unter: Alblinsencreme, Wacholdermayonnaise und Echaz-Forelle.

Bauernschlauer Schultes: In Gomadingen angekommen, war Freiherr von Mittnacht als Vertreter der Majestät an jenem 1. Oktober 1893 offenbar der vielen Reden müde, die er auf dem Weg hatte hören müssen. Vom damaligen Gomadinger Schultes, der hieß wie der heutige Münsinger Bürgermeister – Münzing nämlich – wollte der Freiherr wissen, ob er etwa auch noch huldigende Worte loswerden wolle. Die Reaktion seines Amtsvorgängers hat Gomadingens Bürgermeister Klemens Betz so gut gefallen, dass er die legendäre Szene gemeinsam mit dem Münsinger Kreissparkassen-Direktor Frank Bob auf die Verlade-Rampen-Bühne brachte.

Was der coole Schultes damals auf des gelangweilten Freiherrn Frage geantwortet hat? „I kah’s ao bleiba lau.“ Statt Geschwätz gab es in Gomadingen Schnaps – in der Neuzeit-Variante serviert von Wacholderkönigin Anja.

Zeiten ändern sich: Seine Gemeinde sei, rechnet Klemens Betz – offenbar nicht weniger knitz als sein legendärer Amtsvorgänger – stolz vor, mit vier Stationen diejenige mit den meisten Bahnhöfen im Kreis Reutlingen: Gomadingen, Offenhausen, Grafeneck – und Marbach, wo sich für die Jubiläums-Reisenden erneut ein Fenster in die Vergangenheit auftut. Sie werden Zeuge, wie der letzte Postkutscher seine Passagiere verliert, die eilig nach ihrem Gepäck verlangen und mit wehenden Röcken zum Zug eilen. Der Zugführer tröstet den Kutscher: „Das Posthorn sinkt, die Dampfpfeif klingt – das ist’s, was der Wandel bringt.“

Im Hier und Jetzt: Fast wär’s der Bahn etwa 100 Jahre später genauso gegangen wie dem armen Kutscher: Der Zug war „out“, die – bereits beschlossene – Stilllegung der Strecke von Schelklingen nach Engstingen verhinderten Landrat und Alb-Bürgermeister in letzter Sekunde. Daran erinnert Bürgermeister Münzing – in der Münsinger Variante von 2018 und mit Vornamen Mike – beim gemütlichen Abschluss der Jubiläumsreise im Lokschuppen des Alb-Bahn-Heimatbahnhofs Münsingen. „Der politische Wille ist nichts ohne den Willen vor Ort“, stellt der CDU-Bundstagsabgeordnete Michael Donth fest, der, wie Beate Müller-Gemmeke von den Grünen, den Bundestag beim Fest repräsentiert.

„Menschen bewegen, wieder um- und einzusteigen“: Das sei nicht nur Ziel vieler Politiker auf allen Ebenen, sondern den engagierten Alb-Bahnern bereits gelungen, lobt Münzing. „Die Eisenbahn“, gibt Bernd Weckler das Erfolgsgeheimnis der Alb-Bahn preis, „transportiert nicht nur Personen und Güter, sondern auch Historie und Werte. Es sind nicht nur die Gleise, die uns miteinander verbinden“, spricht er allen Wegbereitern und -begleitern seinen Dank aus. Es war eine rundum gelungene Jubiläumsfahrt.

Groß ist die Alb-Bahn am Wochenende gefeiert worden: Es war ein Fest für alle Eisenbahnromantiker und Mobilitäts-Visionäre, Alb-Liebhaber und Ausflugsfahrer. Mit einem vielfältigen Programm und zahlreichen Zügen unter Dampf zog die Schwäbische Alb-Bahn Tausende Besucher an. Das dreifache Jubiläum krönte ein besonderer Moment: Die Zahnrad-Lok 97 501 kehrte auf die Strecke zurück, für die sie einst vor 125 Jahren gebaut worden war.

Die Schwäbische Alb-Bahn feierte am Sonntag „150 Jahre“ und damit die Summe dreier Jubiläen: Die Bahnstrecke Honau-Münsingen wurde am 1. Oktober 1893 vor 125 Jahren eröffnet. Auf die Glanzzeiten der königlich-württembergischen Staatseisenbahn folgten Jahrzehnte, in denen die Militärstandorte Engstingen und Münsingen den Schienenverkehr dominierten. Mit dem Abzug der Bundeswehr stand auch die Bahn vor dem Aus. Der Verkehr auf der letzten Zahnradstrecke der Deutschen Bundesbahn zwischen Honau und Kleinengstingen war 1969 stillgelegt worden.

Die verbliebene Strecke zwischen Engstingen über Münsingen nach Schelkingen zu retten, war das erklärte Ziel der Eisenbahnbegeisterten, die vor 15 Jahren den Verein Schwäbische Alb-Bahn gründeten. Die im Jahr 2008 daraus hervorgegangene Betriebsgesellschaft, die SAB GmbH, schreibt seit zehn Jahren die Erfolgsgeschichte weiter: auf der modernen Schiene im Schülerverkehr genauso wie bei nostalgischen Dampfzugfahrten.

Wieviel Fachwissen und vor allem Herzblut im Projekt Schwäbische Alb-Bahn steckt, ließen die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter am Sonntag beim Jubiläumsfest in Münsingen bei einem rauschenden Fest miterleben und spüren. Neben Sonderfahrten mit und ohne Dampf, Musik und Mittagessen gab es viele Einblicke in die Technik der Eisenbahn von anno dazumal. Das Team um Alb-Bahn-Chef Bernd Weckler informierte.

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