So lief die erste Gemeinderatssitzung des neuen Bürgermeisters

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 Bürgermeister Michael Weber vor Beginn der ersten von ihm geleiteten Gemeinderatssitzung in Heroldstatt am Montag.
Bürgermeister Michael Weber vor Beginn der ersten von ihm geleiteten Gemeinderatssitzung in Heroldstatt am Montag. (Foto: Rauneker)
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Um Wald und Gehalt des neuen Heroldstatter Bürgermeisters ist es bei der ersten Gemeinderatssitzung unter der Führung von Michael Weber gegangen. Sie dürfte nach seinem Geschmack verlaufen sein. Die Gemeinderäte folgten in allen Punkten den von der Verwaltung gemachten Beschlussvorschlägen.

++ So kommentiert SZ-Redakteur Johannes Rauneker die erste Sitzung ++

Die Stimmung: Es war zu spüren – diese Sitzung am Montagabend im Sitzungssaal des Rathauses ist etwas Besonderes. War sie ja auch: Erstmals seit vielen, vielen Monaten wurde sie wieder von einem echten, weil gewählten, Bürgermeister geleitet. Bis zuletzt war in der bürgermeisterlosen Zeit Stellvertreter Rudolf Weberruß in die Presche gesprungen. Zunächst begrüßte Weber die Runde sowie die Zuhörer, rund zehn Bürger waren zu Webers Premiere als Leiter einer Gemeinderatssitzung gekommen.

Dann bedankte er sich öffentlich für die „schöne Einsetzungsfeier“ die Woche zuvor. „Die werde ich in ganz toller Erinnerung behalten“, sagte Weber und schickte einen Wunsch los: „Dass wir gemeinsam in den kommenden acht Jahren, die wir hier zusammen sind, viel gestalten – mindestens so viel wie in den letzten Jahren.“

Die erste Amtshandlung: Weber eröffnete die offizielle Tagesordnung mit dem Einstieg in Beratungen zur Entwicklung des Heroldstatter Waldes. Dazu hatte er zwei Fachmänner zu seiner Rechten und Linken sitzen. Thomas Herrmann, den Fachdienstleiter Forst und Naturschutz beim Landratsamt, sowie den für Heroldstatt zuständigen Forstamtmann Ferdinand Menholz. Diese berichteten vom aktuellen Waldjahr, mit dem man – was Erlöse sowie Verfassung des Gemeindewaldes – unterm Strich zufrieden sein könne. Dies habe auch eine externe Zwischenprüfung durch die beim Regierungspräsidium Freiburg angesiedelte Forstdirektion bestätigt.

Hitze und Trockenheit des Sommers hätten aber auch in Heroldstatt Spuren hinterlassen. 1000 Buchen seien gepflanzt worden, von denen 400 das Jahr womöglich nicht überstehen. 2019 soll noch mehr Waldschutz betrieben werden, so Herrmann. Vor allem, um dem Borkenkäfer das Wasser abzugraben. Die Einschlagmenge soll auch nächstes Jahr im Bereich des Mittels der vergangenen Jahre liegen, zwischen 2500 und 2600 Festmeter sollen 2019 eingeschlagen werden. Unterm Strich sollen damit rund 35 000 Euro Gewinn erwirtschaftet werden. Diesen Planungen gab der Rat ebenso einstimmig statt wie einer Erhöhung des Brennholzpreises (wie von der Verwaltung und ihrem neuen Chef vorgeschlagen). Dieser steigt von 62 auf 63 Euro je Festmeter. 500 Festmeter verkauft Heroldstatt im Schnitt jährlich an die Bürger.

Rudolf Weberruß wollte noch wissen, welche Bäume empfindlicher auf Trockenheit reagierten. Antwort Herrmann: die Nadelhölzer; weil deren Wurzeln flacher im Boden lägen. Der Heroldstatter Wald besteht mehrheitlich aus Laubholz (63 Prozent, vor allem Buche) und deutlich weniger Nadelholz (37 Prozent, vornehmlich Fichte).

 Michael Weber übernimmt die Amtsgeschäfte.
Michael Weber übernimmt die Amtsgeschäfte. (Foto: Steidle)

Die Bürgermeister-Besoldung: Schon in der Vergangenheit zeigte sich der Heroldstatter Rat, der die Besoldungsstufe für den Bürgermeister festlegen muss, in diesem Punkt großzügig. Und macht bei Weber keine Ausnahme. Der neue Bürgermeister, der hier befangen war und nicht abstimmen durfte, wurde vom Rat in die Klasse A16 eingeteilt. Dies macht nach dem Landeskommunalbesoldungsgesetz brutto 7306 Euro, netto 4755. Auch Webers Vorgänger waren schon in dieser Gehaltsstufe eingruppiert. Deshalb empfand es das Gremium nur als logisch, auch den neuen Schultes entsprechend zu entlohnen. Argument: Die Aufgaben eines Heroldstatter Bürgermeister würden tendenziell ja auch zu- als abnehmen.

Der Rat hätte aber auch kleinere Brötchen backen können. Laut Vorgabe können Bürgermeister von Gemeinden mit 2000 bis 5000 Einwohner auch nach A15-Tarif bezahlt werden (brutto 6558, netto 4364 Euro). Und Heroldstatt liegt hier mir 2836 Einwohnern eher im unteren Bereich. Rudolf Weberruß kommentierte die einstimmig getroffenen Entscheidung für A16 damit, dass trotzdem „keine Geschenke verteilt werden“. Die Besoldung gilt für die gesamte Wahlperiode, acht Jahre. Weber bedankte sich und versprach, sich „mit vollem Engagement“ für Heroldstatt einzusetzen.

Rücklagen schrumpfen: Auch die Feststellung der Jahresrechnung 2017 sowie der Finanzzwischenbericht fürs laufende Jahr standen auf der Agenda. Lobend hob Michael Weber für die vergangenen Monate die Arbeit vor allem von Rudolf Weberruß sowie dem gesamten Rat und der Verwaltung um Kämmerer Werner Zimmermann hervor. Ihnen sei es neben der guten Konjunktur zu verdanken, welche hohe Steuerzuwendungen in die Gemeindekasse spült, dass Heroldstatt weiter schuldenfrei bleiben könne (seit 2005 der Fall). Auch Ratskollege Hans Barth zollte Rudolf Weberruß Respekt für dessen Arbeit. Was diesen freute: „Das tut auch mal gut.“

Immer noch gut, aber nicht mehr glänzend, stellt sich die finanzielle Rücklage Heroldstatts dar. Lag diese 2017 noch bei fast einer Million Euro, wird die Rücklage zum Ende des laufenden Jahres nur noch den vorgeschriebenen Mindestbestand von 165 000 Euro aufweisen. 770 000 Euro wurden entnommen. Allerdings, so Zimmermann, seien damit auch Grundstücke gekauft worden. Und diese Investition zahle sich später wieder, auch finanziell, aus; wenn die Flächen wieder veräußert werden, an Bauherren zum Beispiel.

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