Personelle Not beim Höhlenverein

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Schwäbische Zeitung

Der Höhlenverein Sontheim ist auf der Suche nach einem neuen Vereinsvorsitzenden. Der Grund: Der bisherige Amtsinhaber Hans Kastner stellte sich bei der Jahresversammlung nicht mehr zur Wahl und ein Nachfolger konnte nicht gefunden werden. Kastner wird als kommissarischer Vorsitzender für ein weiteres Jahr den Verein führen – so wie es die Satzung vorschreibt. Doch nicht nur auf der Suche nach einem neuen Vereinschef ist der Höhlenverein Sontheim: Dringend benötigt werden Höhlenführer. Sie erhalten künftig eine Aufwandsentschädigung, in der Hoffnung, dass diese dem Verein erhalten bleiben und weitere hinzukommen.

20 wahlberechtigte Mitglieder und einige Gäste waren am Samstagabend zur Jahresversammlung des Höhlenvereins ins Rasthaus gekommen. Etliche Aufgaben und Herausforderungen sind im neuen Vereinsjahr zu lösen: Nicht nur ein neuer Vorsitzender ist zu finden, auch eine neue Schriftführerin: Denn während ihrer Amtszeit legte die Schriftführerin Gerlinde Knoblauch ihr Tätigkeit nieder, eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger konnte bei der Versammlung nicht gefunden werden. Das Amt bleibt vorläufig vakant.

Manfred Hirning zurückgetreten

Bei den turnusgemäßen Wahlen musste für den ebenfalls das Jahr über zurückgetretenen Beisitzer Manfred Hirning Ersatz gefunden werden, was kein Problem darstellte. Für diesen Posten gab es gar zwei Bewerber, Helga Labensch konnte sich in geheimer Wahl durchsetzen und wurde mehrheitlich gewählt. Kassiererin bleibt weiterhin Sabine Bayer und Alfred Bayer ist weiterhin im Vereinsausschuss tätig. Das Amt des Forschungsleiters übt wie gehabt Andreas Scheurer aus. Bestätigt wurden die Kassenprüfer Raimund Pantel und Herbert Keifer. Die Wahlen fanden teilweise in geheimer Abstimmung statt, als Wahlleiter fungierte der stellvertretende Bürgermeister Rudolf Weberruß.

„Ein klares Nein“, betonte Hans Kastner als es um seine Wiederwahl ging. Er ließ sich nicht überreden, den Vorsitz erneut zu übernehmen, den er nach dem Ausscheiden von Manfred Hirning als Vorsitzender vor zwei Jahren übernommen hatte. „Die Geschäftsführung ist für ein Jahr sichergestellt“, erklärte Weberruß und riet dem Verein, sich intensiv um einen Nachfolger zu kümmern. Im extremsten Fall, so warnte er, erfolge durch das Amtsgericht eine Zwangsüberführung und dann die Vereinsauflösung. Doch noch blieben dem Verein ausreichend Zeit und zusätzliche Übergangsfristen.

Dass sich im Verein das Jahr über viel getan hat und zahlreiche Arbeitseinsätze zu tätigen waren, das ging aus dem Bericht des Höhlen- und Forschungsleiters hervor. Er wartete mit Zahlen zum Höhlenbesuch auf: Infolge der Sanierung und Schließung der Sontheimer Höhle haben diese 2016 gerade mal 613 Gäste besucht, was eine Umsatzeinbuße von 6000 Euro bedeutete, so Scheurer. Umso erfreulicher sei der Besuch im vergangenen Jahr verlaufen, als die „gewohnten Besucherzahlen“ mit 2893 Gästen erreicht wurden.

Im vergangenen Jahr seien gleich eine Woche lang Reparaturarbeiten an der LED-Beleuchtung angestanden. Vor den Arbeiten sei es sogar zu einem Totalausfall eines Stromkreises „aufgrund unsachgemäßer Installation und Reparaturversuchen gekommen“, was trotz Vereinsunterstützung letztendlich 6956 Euro an Kosten bedeutete, so Andreas Scheurer. Auch das geöffnete Geländer in der Schlusshalle sei wieder verschlossen worden. Ferner sei die defekte und nicht genehmigte LED-Installation in der Hinteren Kohlhaldenhöhle ganz ausgebaut worden, informierte er.

„Die jährliche Begehung mit dem Bergamt ergab keinerlei Beanstandungen“, sagte der Abteilungsleiter. Und noch auf weitere Arbeitseinsätze verwies er: Der sich bei der Sitzgruppe gesenkte Untergrund neben dem Höhleneingang sei mit einer Stahlbetonplatte versehen worden, um ein weiteres Absenken zu vermeiden. An dem Platz sollen künftig Infotafeln des Geoparks Schwäbische Alb installiert werden. Auch Instandhaltungs- und Reparaturarbeiten am Rasthaus seien erfolgt, meist aber nur von zwei Mitgliedern.

451 Fledermäuse gezählt

Wie den Berichten zu entnehmen war, bildeten die Hauptveranstaltungen des Höhlenvereins Sontheim das gut besuchte Höhlenfest am Pfingstsonntag und die erfolgreiche Bat-Night Ende August, bei der die Fledermausexperten Alfred Nagel und Elke Wunsch für die Gäste mit vielen Zahlen und Fakten aufwarten konnten. 451 überwinternde Fledermäuse wurden im vergangenen Jahr in der Sontheimer Höhle gezählt.

Ordentlich fiel der Kassenbericht von Sabine Bayer aus. Die von Bürgermeister-Stellvertreter Rudolf Weberruß beantragte Entlastung der Vorstandschaft erfolgte bei drei Enthaltungen. Bei elf Nein-Stimmen und sieben Ja-Stimmen lehnte die Versammlung den Kauf einer neuen Registrierkasse ab, die von 2020 an EU-weit vorgeschrieben ist. Den Antrag hatte Wilhelm Hirschle gestellt.

Dank und Lob sprach Rudolf Weberruß dem Sontheimer Höhlenverein aus. „Ich weiß um die Wichtigkeit der Arbeit des Höhlenvereins für unsere Gemeinde“, sagte er an die Adresse der Vereinsmitglieder und weiter: „Der Verein kümmert sich engagiert um unser Kulturgut Sontheimer Höhle und um die Hintere Kohlhaldenhöhe. Er setzt sich für den Natur- und Fledermausschutz ein.“

Er dankte den Vereinsmitgliedern für ihren Wirtschaftsdienst, die Höhlenführungen und die Veranstaltungen, die eine Bereicherung für die Gemeinde darstellten. Weberruß dankte allen Funktionären und Helfern und wünschte dem Verein für die Zukunft alles Gute. Mit weiteren Fragen endete die nicht immer harmonische Jahresversammlung.

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