Mit Knallfarben gegen Ostblock-Grau

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 Großes Gedränge in der Galerie Kunsthaus Frenzel in Heroldstatt: Andrei Krioukov beim Signieren seiner Werke. Neuestes Motiv: F
Großes Gedränge in der Galerie Kunsthaus Frenzel in Heroldstatt: Andrei Krioukov beim Signieren seiner Werke. Neuestes Motiv: Formel-1-Rennfahrer. Wer die Vernissage verpasst hat, kann die Bilder zu den üblichen Öffnungszeiten besichtigen. Die Ausstellung im Kunsthaus Frenzel in Heroldstatt in der Lange Straße 6 dauert bis zum 7. Dezember. (Foto: Kriegler)
Jutta Kriegler

Die Galerie Kunsthaus Frenzel hat mit Andrei Krioukov einen Künstler auf die Alb geholt, der etwas zu sagen hat – nicht mit Worten, sondern mit Bildern. Deutlicher als alle Buchstaben zeigen seine Motive und Pinselstriche, was das Ende des Eisernen Vorhangs im Ostblock für die Menschen dort bedeutet hat: eine Chance auf Freiheit, ein neues Lebensgefühl. Diese Stimmung war auch auf der Vernissage am Freitagabend in der Lange Straße zu spüren.

Knallbunte Werbung mit kräftigen Farben, im Westen häufig Anlass für Konsum-Kritik, hatten im Osten eine völlig andere Wirkung. Es ist die ungewöhnliche Perspektive des russischen Künstlers, die Cola-Flaschen, zertretene Getränkedosen und zerknüllte Zigarettenschachteln in ein neues Licht rückt.

Um das zu verstehen, muss man zurückschauen in die Kindheit des Künstlers. Zu dieser Zeit war im Osten alles grau. Die Häuser, die Kleidung, die Läden, in denen es nur eine spärliche Auswahl an Waren gab. Mode-Getränke wie Cola gehörten nicht dazu. Als Krioukov als junger Mann erstmals eine Cola-Dose in der Hand hielt, hatte sich die Welt für ihn von einem Moment auf den anderen verändert: Die Zukunft war bunt.

Das war die Initialzündung für seine Art von Kunst. Aus dem russischen Grafiker, der in Moskau Malerei und Lehramt studiert hatte, wurde ein Künstler, der mit seinen farbenfrohen Öl- und Acryl-Gemälden, Drucken, Radierungen und Skulpturen inzwischen international bekannt geworden ist. Heute lebt Krioukov in Berlin. Seine Ausstellungen und Vernissagen finden hauptsächlich in Großstädten statt. Dass es Vera und Dietmar Frenzel gelungen sei , den Künstler nach Heroldstatt zu locken, sei ein Glücksfall, der auch dem hervorragenden Ruf der Galerie zu verdanken sei, die mit lebensfroher Pop-Art-Kunst einen Schwerpunkt in ihrem Sortiment gesetzt habe, darunter namhafte Künstler wie Rizzi oder Thizz.

Auch Krioukow passt gut in diese Stilrichtung, die auch den Stammgästen der Galerie Frenzel gut zu gefallen scheint, darunter Kunden aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz. Neben diesen Stammkunden war bei der Vernissage auch jede Menge lokale Prominenz zu sehen, darunter Bürgermeister Michael Weber und Alt-Bürgermeister Karl Ogger mit Ehefrau Lisa, bis vor Kurzem viele Jahre lang Leiterin der Gemeindebücherei Heroldstatt.

Doch auch Kunstinteressierte aus der kleinen Albgemeinde ohne öffentliche Ämter und Funktionen erfreuten sich an den farbenfrohen Werken – auch diejenigen, die sich den Kauf solcher Kunstwerke nicht leisten konnten oder wollten. Schon das Betrachten der großformatigen Bilder war eine sichtliche Freude für die Gäste, die zahlreich zur Vernissage erschienen waren.

Nach der Begrüßungsrede von Dietmar Frenzel und Kiroukov-Manager Manuel Moosherr wanderten die Gäste staunend durch die Ausstellungsräume – Anlass für anregende Gespräche an den Stehtischen. Ein echter Hingucker waren die großformatigen, grellbunten Portraits von Formel-1-Rennfahrern. Ihre Helme sind überzogen mit den Werbeaufschriften in Signalfarben und scheinen optisch mit dem Hintergrund zu verschwimmen, geprägt von Werbeflächen im gleichen Stil.

Durch den Überfluss der überbordenden Farben wird der Blick des Betrachters jedoch auf etwas ganz anderes gelenkt: Auf die Augen der jungen Rennfahrer hinter dem offenen Visier, nachdenklich, ernst, angespannt, erwartungsvoll – genau weiß man es nicht. Aber irgendwie erinnern diese Augen an die freundlichen, aber scheuen Augen von Andrei Krioukov. Ein sympathischer Künstler, dem der Erfolg auf jeden Fall zu gönnen ist.

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