Kabel zerbissen: Steinmarder knipsen Licht in Sontheimer Höhle aus

Lesedauer: 5 Min
Schwäbische Zeitung

Drei große Sorgen plagen derzeit den Höhlenverein Sontheim: Da ist der drastische Fledermausschwund in der Sontheimer Höhle. Dann wünscht sich die Vorstandschaft mehr aktive Mitglieder und Höhlenführer in ihren Reihen. Und jetzt sind da noch die Verbisse durch Nager (vermutlich Steinmarder) – und Kabelschäden. Diese haben ein weit größeres Ausmaß als ursprünglich angenommen.

Stellten die Heroldstatter „Höhlenbären“ bei der Fledermauszählung Mitte März zunächst drei und dann zehn Verbissstellen fest, so kamen sie bei genaueren Untersuchungen auf immer mehr Beschädigungen an den Stromkabeln für die neuen LED-Lampen. „Inzwischen haben wir 21 Reparaturstellen, und ein Ende der Kabelschäden ist immer noch nicht in Sicht“, erklärt Gunter Pantel, Vorstandsmitglied im Höhlenverein.

Mitglieder des Höhlenvereins reparieren derzeit die Kabel notdürftig, allen voran Werner Thierfelder. Er war mit Helfern fast jeden Tag eine bis zwei Stunden in der Höhle, um die dreiphasigen Kabel zu flicken. Viel länger hält er es in dem Erdloch nicht aus, da es kalt und die Arbeit anstrengend ist und er meist kriechend zu Werke gehen muss – mit Unterstützung eines Helfers, der mit Strahler oder Taschenlampen für ausreichend Licht sorgt.

Unter Zeitdruck stehen die „Höhlenbären“, denn zum 1. Mai sollten in der Sontheimer Höhle wieder die neuen LED-Lampen leuchten. Dann ist üblicherweise Saisonstart und gerade dann suchen viele Wanderer die Schauhöhle mit ihren Tropfsteinen auf. Knapp drei Wochen später – am Pfingstsonntag, 19. Mai – lädt der Verein zu seinem Höhlenhock ein, zu dem hunderte Besucher erwartet werden. Aufgrund der inzwischen 21Flickstellen sind sogar Überlegungen angelaufen, ob nicht die komplette LED-Verkabelung von der Fachfirma Germtec aus Herbron ersetzt werden soll, die die LED-Beleuchtung in der Sontheimer Höhle vor zwei Jahren installierte. Denn Thierfelder verweist auf ein zusätzliches Problem bei seinen Flickarbeiten: Die Kabel werden langsam zu kurz. Denn die Nager haben die Zu- und Ableitungen vor den LED-Leuchten angeknabbert, so dass er kaum noch ausreichend Länge hat, um die Kabelteile einander zuführen zu können.

Eigenartig ist, dass die Nager in der Höhle nur Interesse an dem neuen Kabel der LED-Lampen zeigen und die Stromleitungen für die alte Beleuchtung in Ruhe lassen. Bei dem neuen Kabel handelt es sich um ein Lappkabel Ölflex Robust 210, das derzeit robusteste Kabel „für eine erhöhte mechanische und chemische Beständigkeit“, wie Höhlenführer Thierfelder als Elektroexperte erläutert. Dieses schmecke den Nagern wohl besonders, wie Pantel und Thierfelder trotz allen Ernstes schmunzelnd meinen. Für sie ist ein Komplettaustausch ganzer Zuleitungen unentbehrlich. „Was wir machen können, ist nur eine Notreparatur und Schadensbegrenzung.“

Um einem weiteren Verbiss entgegenzuwirken, werden die Kabel mit sogenanntem Marderspray eingesprüht, das die Tiere abhalten soll. „Das Spray stellt aber keine Dauerlösung dar. Es wirkt nur befristet“, weiß Pantel. Auf Dauer müsse eine Ummantelung der Kabel her, sind sich die Höhlenmitglieder einig. Angedacht im Verein war, auch die hintere Kohlhaldenhöhle mit der energiesparenden LED-Beleuchtung auszustatten. Doch das müsse zunächst zurückgestellt werden. Vorrang besitze jetzt die Instandsetzung der Beleuchtung in der Sontheimer Höhle. Zudem müssten einige Sicherungskästen ausgewechselt werden. Dies verlange der TÜV.

Noch sei kein Licht in Sicht – zumindest über die LED-Beleuchtung. Doch Gunter Pantel weiß die Lösung, sollten bis zur Eröffnung der Höhle die Zuleitungskabel nicht intakt sein: „Dann muss als allerletztes Mittel die alte Beleuchtung herhalten. Licht ins Dunkel bringen wir.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen