Er malt an für die Einigkeit in Europa

Lesedauer: 4 Min
 Claus Schrag aus Heroldstatt engagiert sich bei einem Europa-Projekt für Künstler in Göppingen.
Claus Schrag aus Heroldstatt engagiert sich bei einem Europa-Projekt für Künstler in Göppingen. (Foto: Kriegler)
Jutta Kriegler

Die europäischen Länder als bunte Kreisel, verbunden durch feine Fäden auf einer blauen Spule: Das ist die Europa-Vision von Kunstmaler Claus Schrag aus Heroldstatt. Sein Bild ist ein Beitrag zu einem Kunstprojekt für Europa in Göppingen mit Vernissage und Interaktion am 10. Mai ab 19 Uhr. Ein Versuch, eine „neue Flamme der Begeisterung für Europa zu entfachen“ – und gleichzeitig ein weiteres Beispiel für die künstlerische Bandbreite von Claus Schrag, der sich auch an vielen Aktionen in der Region beteiligt, weit über Heroldstatt hinaus.

In seinem Bild, das er extra für das Göppinger Projekt gemalt hat, drehen sich alle Länder um sich selbst, mit eigenem Tempo, in ihre eigene Richtung – wie kleine Kreisel, bunt und lebendig, in den Farben und Mustern ihrer Landesflaggen. Manche Kreisel rotieren schnell und dynamisch um ihre eigene Achse, andere schlingern und sind kurz vor dem Kippen oder verharren im Stillstand. Eine gelungene Darstellung von Unterschieden und Gemeinsamkeiten. Gemeinsam ist ihnen die räumliche Nähe – und die Verbindung zu der große blaue Fadenspule mit den gelben Sternchen, die über allem schwebt, ein Symbol für die Einheit Europas.

Doch diese Gemeinsamkeit bröckelt. England ist momentan noch dabei, aber vielleicht nicht mehr lange. Andererseits ist der Brexit mit seinen vielen Ungewissheiten auch eine Chance. Andere Länder erleben am Beispiel Englands, wie schwierig es sein kann, sich aus den „Fäden“ Europas wieder herauszulösen und dass ein Austritt hohe Risiken birgt. Auch wenn beim Brexit die wirtschaftlichen Themen dominieren, ist das nicht das Hauptthema: Europa ist sehr viel mehr. Eine Verbindung verschiedener Kulturen, die im Vergleich zum Rest der Welt trotz aller Unterschiede eng miteinander verwoben sind – mit Werten wie Demokratie, Solidarität und Menschenwürde.

„Brauchen eine neue Flamme“

„Genau das war mir wichtig bei meinem Bild. Das ist der Kern der Aussage“, meint Claus Schrag. „Die Veranstalter haben das mit einem Zitat von Dieter Heidtmann, evangelischer Pfarrer und Politikwissenschaftler, auf den Punkt gebracht: „Wir brauchen eine neue Flamme der Begeisterung, eine neue Leidenschaft. Wir müssen Europa eine Seele geben.“ Und, so meint auch Claus Schrag: „Wir müssen uns darüber bewusst werden, was wir zu verlieren haben. Frieden, Freiheit und Demokratie sind für viele Menschen zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Aber wir dürfen das nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.“

Ein wichtiger Gedanke, mit dem sich Gerhard Hauptmann (1862 bis 1946) intensiv beschäftigt hat – einer der wichtigsten deutschen Dramatiker und Schriftsteller, der 1912 den Literatur-Nobelpreis erhalten hat. Sein Gedanke könnte kaum aktueller sein: „Ich war Europäer ebenso selbstverständlich, wie ich Deutscher war, und vielleicht war man kein richtiger Deutscher, wenn man sich nicht gleichzeitig als Europäer fühlte.“

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen