EnBW bricht historisches Windrad bei Heroldstatt ab

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Die zwei historischen Windräder im Nordwesten von Heroldstatt. Das Windrad mit horizontaler Drechachse soll im Februar abgerisse (Foto: Hansjörg Steidle)
Schwäbische Zeitung

Überall im Lande spießen die Windräder aus dem Boden – so will es die Landesregierung zur Energiewende. Doch in Heroldstatt ist das Gegenteil der Fall. Dort wird in zwei Monaten eine der beiden Windkraftanlagen abgebaut, das Windrad mit horizontaler Drehachse, die Enercon EN-17. Einen entsprechenden Abbruchantrag hat die EnBW Erneuerbare Energien GmbH in Stuttgart gestellt. Der Hauptgrund: Ein Schaden am Generator liegt vor, das Windrad erzeugt keinen Strom mehr. Der Heroldstatter Gemeinderat billigte einstimmig das Vorhaben der EnBW.

Die zwei Windräder in Ennabeu- ren im Gewann „Ober dem Rauchbucher Häule“ unweit der Kreisstraße nach Feldstetten waren mit die ersten im Lande, der sogenannte Darrieus-Flügel sogar der erste in ganz Deutschland. Sie wurden Ende der 80er-Jahre für Versuchszwecke unter der Federführung des damaligen EVS-Geschäftsführers Hermann Ensle errichtet, um die Energieerträge der unterschiedlich gebauten Windräder zu testen. Sie galten Jahre lang als die Prototypen der Windenergie, Fachleute und Besucher aus dem In- und Ausland pilgerten Anfang der 90er-Jahre nach Heroldstatt, um die die technischen Neuheiten in Augenschein zu nehmen.

Jetzt nach 23 Jahren kommt das Aus des Windparks der EnBW Erneuerbare Energien GmbH im Nordwesten Heroldstatts. Über Jahre wurden die zwei Windenergieanlagen unterschiedlicher Bauart getestet. Im Oktober 1989 hat Hermann Ensle für die EVS (als Vorgängerunternehmen der heutigen EnBW) die Windkraftanlage mit horizontaler Drehachse, den sogenannten Propellertyp, in Betreib genommen. Es handelte sich dabei um eine kommerzielle Serienanlage mit einer elektrischen Leistung von 80 kW der Firma Enercon vom Typ E-17. Die Anlage hat ein konventionelles Antriebskonzept mit einem Dreiblattrotor bei einem Durchmesser von 17 Metern bei einer Nabenhöhe von 28 Metern.

„Eine Reparatur des schadhaften Generators ist teuer und rechnet sich nicht“, sagt EnBW-Pressesprecherin Friedericke Eckstein. Reparatur- und Wartungskosten des seit Anfang des Jahres stillstehenden Windrades würden in keinem Verhältnis zur Energiegewinnung stehen. Die Windräder von heute würden 25 Mal mehr Strom erzeugen. Der technische Fortschritt hindere die Instandsetzung der 23 Jahre alten Anlage.

Die Errichtung einer neuen Anlage bei einer Nabenhöhe von 138 Metern – wie in Berghülen vor wenigen Monaten geschehen – sei in Heroldstatt an dem Standort nicht möglich, da der vorgeschriebene Abstand zur Wohnbebauung nicht ausreiche. Dies erklärte auch Bürgermeister Karl Ogger, als sich der Gemeinderat mit dem Antrag auf Abbruch befasste: „Der Standort liegt zu nahe am Ort. Der Abstand zum Wohngebiet ist zu gering“, sagte Ogger mit dem Hinweis, dass in Heroldstatt keine weiteren Standorte für Windräder geplant seien. So sei es auch im Regionalplan Donau-Iller vorgesehen.

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