Unternehmen klagt über Fachkräftemangel: „Können nicht mithalten“

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Zwei Fachmänner unter sich: Geschäftsführer Martin Opfholter (r.) zeigte dem Ulmer Landtagsabgeordneten und studierten Elektroin
Zwei Fachmänner unter sich: Geschäftsführer Martin Opfholter (r.) zeigte dem Ulmer Landtagsabgeordneten und studierten Elektroingenieur Martin Rivoir eine CNC-Fräsmaschine in seinem Unternehmen Okutec. (Foto: SZ- jon)

Der Ulmer Landtagsabgeordnete Martin Rivoir (SPD) hat am Mittwochmorgen die Kunststoffverarbeitung Okutec in Erbach besucht und sich über das Unternehmen informiert. Dabei hat er sich mit den Geschäftsführern Martin und Holger Opfholter über die drängensten Probleme in der verarbeitenden Industrie ausgetauscht.

Von weitem sind die Lettern am Firmengebäude von Okutec in Erbach schon zu lesen: „Wir stellen ein: CNC-Fräser!“ Was auf den ersten Blick auch als Eigenwerbung verstanden werden kann, ist inzwischen bitterer Ernst. „Vor allen Dingen bei den mittelständischen und kleineren Betrieben“, sagt Geschäftsführer Martin Opfholter. Es herrscht akuter Fachkräftemangel, die Betriebe im Südwesten sind inzwischen in arge Bedrängnis geraten, passendes und vor allen Dingen gut ausgebildetes Personal zu finden. „Die großen Firmen locken mit attraktiven Gehältern und Sozialleistungen, da können wir teilweise einfach nicht mithalten“, beklagt Opfholter, der das Unternehmen in Erbach seit dem vergangenen Frühjahr 2017 gemeinsam mit seinem Bruder Holger leitet.

Handwerk nicht mehr attraktiv

Hinzu komme, dass das Handwerk in der Vergangenheit nicht gerade unter Attraktivität gelitten habe und die jungen Menschen kaum noch Interesse an einer handwerklichen Ausbildung hätten. In diesem Zusammenhang beklagt Martin Opfholter vor allen Dingen den Wegfall der Hauptschule in den vergangenen Jahren, von denen sie häufig ihre Auszubildenden gehabt hätten. „Viele gehen jetzt eher aufs Gymnasium.“ Und wenn ein Abiturient etwa eine Ausbildung zum Zerspannungsmechaniker mache, sei davon auszugehen, dass der nach Abschluss der Ausbildung schnell weg sei, um ein Ingenieursstudium anzuschließen. Im Zuge dessen forderte Opfholter ein besseres Ansehen der Meisterausbildung, die in seinen Augen in den vergangenen Jahren in der Gesellschaft arg gelitten habe. Auch verwies er auf die Kosten für eine Meisterausbildung, die in der Regel durch die Meisterschüler selber getragen werden müssten.

Weiter bereitet den Unternehmen die Situation von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt Probleme. Derzeit arbeitet bei Okutec seit rund anderthalb Jahren ein junger Mann aus Gambia, der trotz Arbeitsstelle immer noch keinen geklärten Aufenthaltsstatus hat. „Es kann einfach nicht sein, dass diese Menschen so lange warten müssen und in der Schwebe gelassen werden. Es werden gut integrierte und ausgebildete Menschen nach fünf bis sechs Jahren einfach abgeschoben. Die müssten eigentlich spätestens nach einem halben Jahr Bescheid wissen“, sagt Opfholter. Das sei vor allen Dingen auch ein Problem in Sachen Motivation der Mitarbeiter. „Wenn die nicht wissen, wie es weitergeht, gibt es verständlicherweise auch kaum Motivation etwa die Sprache zu lernen“, so Opfholter, und die sei der Schlüssel.

Breitbandausbau dauert zu lange

Darüber hinaus beklagt Opfholter die fehlende Infrastruktur am Standort. Er könne nicht verstehen, warum die Breitbandanbindung so lange dauere, während etwa die nahegelegene Ferienanlage schon länger mit schnellem Internet versorgt sei.

Rivoir nahm sich eine gute Stunde Zeit für die Besichtigung des Erbacher Unternehmens. In Bezug auf den Fachkräftemangel und die Schwierigkeiten bei Flüchtlingen zeigte er durchaus Verständnis für die Probleme, verwies aber beispielsweise auch darauf, dass in Deutschland bereits 300 000 Flüchtlinge eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen hätten. Auch die Meisterausbildung sei in der Vergangenheit durchaus gefördert worden, etwa durch die Erhöhung des Meister-BAföGs.

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