Umbrüche im Blickpunkt

Lesedauer: 5 Min
Klaus von Altrock erläuterte unter anderem die vertauschte und dadurch irreführende Anordnung der Figuren im Hauptaltar.
Klaus von Altrock erläuterte unter anderem die vertauschte und dadurch irreführende Anordnung der Figuren im Hauptaltar. (Foto: SZ- Appenzeller)
Marielle Appenzeller

Innerhalb des bundesweiten „Tag des offenen Denkmals“ am vergangenen Sonntag konnte auch die Franziskuskirche in Ersingen am Mittag besucht werden. Im Fokus standen dabei die Erläuterungen eines erfahrenen und ausgebildeten Kirchenführers.

Klaus von Altrock besitzt seit dem Jahr 2005 das Zertifikat seiner kirchenpädagogischen Ausbildung, bot aber schon vorher einige Kirchenführungen an. In Württemberg sei diese Ausbildung einzigartig, da diese ökumenisch ausgerichtet sei, so von Altrock. Sein Interesse an Geschichte und Theologie sei schon immer sehr groß gewesen. „Außerdem hält mich das Lesen und Nachforschen von historischen Neuerkenntnissen da oben fit“, meinte von Altrock und tippte sich dabei an die Schläfe.

Etwa 25 Interessierte kamen am Sonntagnachmittag, viele kannten von Altrock und seine Führungen schon. Jede seiner Kirchenführungen sei aber anders, er stimme diese immer auf die Zielgruppe oder das jeweilige Motto ab. Der diesjährige Tag des offenen Denkmals stand ganz im Zeichen von: „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur!“. Aus diesem Grund standen zunächst die Begriffe des Mottos im Vordergrund seiner Kirchenführung. Leitfragen wie „Was sind Umbrüche und was führt dazu?“ lenkten die Führung inhaltlich. Gerade zu Martin Luthers Zeiten gab es nicht nur den Umbruch von der Gotik zur Renaissance, sondern auf allen Gebieten wie Kunst, Architektur und auch auf dem geistigen Gebiet kam es zu fundamentalen Veränderungen.

Einzigartiges Wandbild

In der eigentlichen Führung standen diese Begriffe immer als Bezugspunkt im Raum. Gerade beim Bild der Stigmatisation des Franziskus an der Nordostwand des Chores konnte man dies erkennen. Das auf den trockenen Putz aufgebrachte Wandbild, eine sogenannte Seccomalerei, wurde durch Zufall im Jahr 1948 entdeckt und freigelegt. Dieses Bild sei nördlich der Alpen einzigartig und ein Beweis dafür, dass schon der gotische Kirchenbau unter das Patronat des Franziskus gestellt wurde.

Ein weiterer Aspekt, den von Altrock bei seiner Kirchenführung beleuchtete, waren, wie er es nannte, die „Verschlimmbesserungen“, die in der Franziskuskirche vorgenommen wurden. Ein Beispiel für die unkoordinierte Bergung nach dem Bildersturm im Jahre 1531 sei die Anordnung der Figuren im Hauptaltar. In der Mitte steht Maria mit dem Kind als beherrschende Figur, links und rechts neben ihr je zwei Märtyrerinnen. Eigentlich sollten diese in ihrer Anordnung zur Erhöhung der himmlischen Macht im Zentrum hinführen. Das heißt, die äußeren Figuren tragen jeweils ein Häubchen, während die weiter innen stehenden eine Krone aufweisen. Schon vor der Reformation vertauschte man aber die Figuren links von Maria, sodass der Figur der Katharina eine Beziehung zu dem Kind zugeschrieben werden konnte. „Dies bedeutet, dass das Retabel von seiner ursprünglichen Bestimmung zugunsten einer Katharina umgewidmet wurde“, erklärte von Altrock.

Die ins Detail gehenden und interessanten Informationen zur Geschichte des Kirchengebäudes ließen die Führung sehr kurzweilig erscheinen. Insgesamt war dies ein sehr gelungener Tag des offenen Denkmals aus Sicht der Kirchengemeinderätinnen, die die Besucher mit Gebäck, Kaffee und Kaltgetränken verköstigten.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen