Segelflug-Mekka lockt Deutschlands Beste

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Über dem Raum Ehingen starten Ende Mai rund 70 Piloten.
Über dem Raum Ehingen starten Ende Mai rund 70 Piloten. (Foto: pr)
Schwäbische Zeitung
Dennis Rother

Aus ganz Deutschland strömen Ende Mai Segelflieger und Segelflug-Enthusiasten nach Erbach. Dort stehen dann die Deutschen Meisterschaften an, die Sieger qualifizieren sich automatisch für die EM und WM. Rund 70 Piloten haben sich angekündigt, 180 Teilnehmer sind es insgesamt. Warum der Wettbewerb überhaupt am Fuße der Schwäbischen Alb stattfindet? „Das ist ein Mekka, das wohl meist genutzte Segelflugrevier Europas, denn die Thermik ist sehr gut“, erklärt Stefan Brehm vom ausrichtendem Sportfliegerclub (SFC) Ulm.

Drei Faktoren sind für den Auftrieb hierzulande verantwortlich: „Erstens halten die Alpen die feuchtwarme Luft in Italien. Zweitens bekommen wir aus dem Westen Kaltluft – und drittens ist das Relief sehr hügelig.“ Das heißt: Die Sonne strahlt auf mehr Fläche als in flachen Gegenden, ist intensiver – und lässt Segelflieger geradezu frohlocken. „Nicht ohne Grund gibt es hier etwa alle 15 Kilometer einen Flugplatz“, sagt Brehm.

Rund zwei Wochen lang kommt es über dem Raum Ehingen, aber auch weit darüber hinaus zum Rennen hoch in der Luft. Geflogen wird in der sogenannten Standard- und in der Rennklasse. Mit acht Schleppmaschinen werden die Segelflugzeuge in den Himmel gezogen und ausgeklinkt. „Dann kommt es auf die Rahmenbedingungen an“, sagt Brehm. Fliegerisches Können sei ein Faktor, das Wetter aber ein nicht minder wichtiger. In der Nacht vor dem Wettbewerb werden die Regeln justiert, damit alle Teilnehmer die gleichen Voraussetzungen haben.

Auch die abzufliegende Strecke wird erst kurz vor dem Startschuss festgelegt. Sind die Flieger erst einmal oben, geht das Rennen gegen die Uhr 15 bis 30 Minuten danach los. „Es wird eine virtuelle Startlinie geben, etwa zwischen dem Wasserturm in Donaurieden und dem Tower in Erbach“, sagt Brehm.

Dort beginnt die Zeitmessung. Für die Piloten gelte es, landschaftliche Orientierungspunkte abzufliegen. „Entweder sie fliegen direkt drüber oder sie bekommen einen größeren Radius, der berührt werden muss, je nach Wetterlage“, erklärt Brehm. Ob die Piloten tatsächlich die Route einhalten, ist von unten logischerweise nur ganz grob zu sehen. „Die Flugzeuge haben GPS-Geräte eingebaut. Alle drei Sekunden wird die Position geloggt“, sagt Brehm. Zu sehen sein werden die Flugzeuge im Himmel über dem Raum Ehingen aber wohl nicht allzu lange. „Die Piloten legen rund 500 bis 600 Kilometer zurück,“ sagt Brehm. Als zuletzt die DM in Bayreuth in Bayern anstand, waren die Teilnehmer sogar weit nach Tschechien geflogen.

Sowas dauert. Rund vier Stunden Flugzeit stehen im Wettbewerb durchschnittlich zu Buche, sagt Brehm, Start und Landung nicht eingeschlossen. Gemessen wird aber nicht nur die Zeit, es kommt womöglich auch – einmal mehr je nach Wetterlage – auf die Geschwindigkeit an. „Die liegt im Schnitt bei 110 Kilometern pro Stunde“, sagt Brehm.

In den Flugzeugen sitzt jeweils eine Person, die Zweier-DM werde nicht ausgetragen, so Brehm. Die meisten sind Eigentümer der Maschinen. „In der Standardklasse kosten sie zwischen 30000 und 50000 Euro, in der Rennklasse 50000 bis 70000 Euro“, sagt Brehm. Er selbst besitzt kein Flugzeug, der SFV hat aber vereinseigene, die Mitglieder nutzen können. Ein Sport ausschließlich für die, die Geld haben, sei das Segelfliegen nicht, betont Brehm.

Vom 26. Mai bis 5. Juni messen sich die Piloten im Segelfliegen, die Gesamtveranstaltung auf dem Flugplatz geht vom 21. Mai bis 7. Juni.

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