Schüler beleben Sanitätsdienst wieder

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Das neue Sanitäter-Team der Erbacher Realschule bestehend aus Tobias Werner, Selina Simon, Tamara Alt, Noah Killmann, Lasse Mich
Das neue Sanitäter-Team der Erbacher Realschule bestehend aus Tobias Werner, Selina Simon, Tamara Alt, Noah Killmann, Lasse Michaelis, Manuel Reutter und Atilla Atal (Lea Müller und Georgios Pavlidis nicht auf dem Bild) mit ihrer Lehrerin Janne Trunz h (Foto: sz- dkd)

Die meisten Unfälle geschehen im Haushalt, heißt es. Aber auch im Schulalltag lauern Gefahren. Neun engagierte Jugendliche der Realschule Erbach kümmern sich daher als Schulsanitäter um verletzte Mitschüler. Nach rund vier Jahren hauchen sie, unter der Leitung ihrer Lehrerin Janne Trunz, dem eingeschlafenen Projekt, das an der Realschule eigentlich eine lange Tradition hat, wieder Leben ein.

Michael Wekenmann, stellvertretender Schulleiter der Realschule, freut sich über das Engagement von Schülern und Lehrkraft: „Das macht die Schule ein Stück weit sicherer und fördert die persönliche Entwicklung der Schulsanitäter.“ Dass das Projekt zwischenzeitlich eingestellt war, lag daran, dass die betreuende Lehrerin in den Ruhestand gegangen ist und niemand mit entsprechender Qualifikation übernehmen konnte.

Lehrerin Janne Trunz ist seit diesem Schuljahr in Erbach tätig. Zwischen ihrer eigenen Schulzeit und dem Studium absolvierte sie erfolgreich die Ausbildung zur Rettungssanitäterin. „Ich freue mich, dass es mit Hilfe der Schulleitung gelungen ist, den Sanitätsdienst wieder zu starten“, sagt Janne Trunz, die Mitte des Jahres die Fortbildung zur Ausbilderin für Schülersanitäter absolvieren wird. Damit das Projekt aber schon jetzt starten konnte, hat der erste Jahrgang den zweitägigen Lehrgang bei einem Ausbilder gemacht, der extra dafür an die Schule gekommen ist.

Ähnlich, wie bei einem großen Erste-Hilfe-Kurs, haben die Schüler alles über die Stabile Seitenlage, Wiederbelebungsmaßnahmen und Verbandstechniken gelernt. Das erlernte Wissen vertiefen die neun Nachwuchssanitäter einmal pro Woche in einer Gruppenstunde. „Meist geht ein Team aus zwei, drei Leuten vor die Tür, überlegt sich ein Szenario, wie beispielsweise einen Fahrradunfall oder einen Sonnenstich, und die anderen müssen dann richtig reagieren“, erklärt Lasse Michaelis eine der typischen Gruppenübungen. Neben der Vorbereitung für den Ernstfall, bereiten die Jugendlichen in dieser Zeit auch Infoveranstaltungen für Fünft- und Sechstklässler zum Thema Erste Hilfe vor oder planen eigene Ausflüge, bei denen sie beispielsweise den Rettungshubschrauberdienst besuchen wollen. Janne Trunz ist schon jetzt stolz auf ihre Truppe. Die Schüler sind wissbegierig und bereit, Verantwortung zu übernehmen.

Jeden Tag haben drei Schüler Sanitätsdienst

Die Schulsanitäter haben jeweils tageweise zu dritt Dienst. Wenn jemand sich verletzt, wird Janne Trunz benachrichtigt, die dann über Handy-App die diensthabenden Schüler alarmiert. Ein Privileg, denn eigentlich sind Handys an der Schule verboten. Doch die Schüler kennen ihre Verantwortung und halten sich daran, es nur für den Ernstfall zu nutzen. „Die App informiert wo und was passiert ist“, erklärt Janne Trunz. Die Schüler verlassen ihren jeweilige Unterrichtsstunde, holen ihren Sanitätsrucksack den sie vom DRK bekommen haben, und helfen dem Verletzten. Sitzt ein Schulsanitäter in einer Klassenarbeit, müssen andere übernehmen. Bei bewusstlosen Personen oder schweren Verletzungen alarmieren sie zudem den Rettungsdienst.

Einsätze gab es schon einige, sogar aus den eigenen Reihen hatten sie schon einen Patienten. Prellungen, Übelkeit und Kreislaufschwäche haben sie bisher versorgt. Manche haben wie Tobias Werner viele Vorkenntnisse vom Jugendrotkreuz oder wie Selina Simon und Tamara Alt von der DLRG, manche hatten bisher auch keine Vorkenntnisse.

Manuel Reutter hat sich schon länger für das Thema Sanitätsdienst interessiert und Atilla Atal hat über Klassenkameraden von dem Projekt erfahren. „Es ist schon aufregend, wenn ein Notfall ist und man Mitschülern helfen kann“, sagt Atilla, der als Siebtklässler einer der jüngsten ist. Der Kurs sei eine gute Mischung aus Spaß und Ernst gewesen. Angst vor einem Notfall hat er keine. Für Noah Killmann bringt das Projekt noch einen zusätzlichen Vorteil. „Weil ich den Kurs jetzt schon gemacht habe, kann ich ihn auch für mein anstehendes Sozialpraktikum nutzen“, sagt Noah.

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