Rainer Wieland regt zum Denken über Europa an

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Mit einem schwäbischen Vesper verabschiedeten Schriftführerin Maria Bösch, Vorsitzende Elisabeth Jeggle und ihre Stellvertreteri
Mit einem schwäbischen Vesper verabschiedeten Schriftführerin Maria Bösch, Vorsitzende Elisabeth Jeggle und ihre Stellvertreterin Waltraud Frensch (v.l.) Vizepräsident Rainer Wieland nach Brüssel. (Foto: SZ- ef)
Kurt Efinger

Im Dellmensinger Hotel-Gasthof Hirsch hat am Montag die Mitgliederversammlung des Bezirksverbands Württemberg-Hohenzollern in der Seniorenunion der CDU getagt. Rainer Wieland, Landesvorsitzender der Seniorenunion und Vizepräsident des Europäischen Parlaments, sprach zum Thema „Europa – Denkpause am Scheideweg“.

Rainer Wieland ist seit 1997 Mitglied des Europäischen Parlaments und seit 2009 einer seiner 14 Vizepräsidenten. Seit 2011 ist Wieland zusätzlich Präsident der Europa-Union Deutschland. Diese ist die deutsche Sektion der Union der Europäischen Föderalisten (UEF) und der größte pro-europäische Bürgerverein in Deutschland. Die 1946 gegründete UEF versteht sich als überparteiliche, überkonfessionelle und unabhängige politische Nichtregierungsorganisation für ein föderales Europa. Sie setzt sich für eine weitreichende europäische Integration und einen Europäischen Bundesstaat ein.

Wettbewerbsfähige, staatliche Einheit

Als Vorsitzender der Europa-Union Deutschland weiß Rainer Wieland genau, in welche Richtung Europa sich bewegen sollte. Nicht der Austritt einzelner Mitgliedsländer oder die Zersplitterung einer bewährten Organisation ist das Ziel, sondern eine wettbewerbsfähige staatliche Einheit. „Dagegen reden wir kleinkariert“, erinnerte Wieland an die am 9. September 1962 im Hof des Ludwigsburger Schlosses von Charles de Gaulle, Präsident der französischen Republik, in Gegenwart des deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer an 20 000 vorwiegend jugendliche Zuhörer gerichteten Worte: „Sie alle beglückwünsche ich! Ich beglückwünsche Sie zunächst, jung zu sein. Man braucht ja nur die Flamme in Ihren Augen zu beobachten, die Kraft Ihrer Kundgebungen zu hören, bei einem jeden von Ihnen die persönliche Leidenschaftlichkeit und in Ihrer Gruppe den gemeinsamen Aufschwung mitzuerleben, um überzeugt zu sein, dass diese Begeisterung Sie zu den Meistern des Lebens und der Zukunft auserkoren hat.“ Diese Begeisterung als Kraft zur Überwindung nationaler Überheblichkeit vermisst Rainer Wieland heute. „Abstieg für Deutschland“ buchstabiert er AfD.

Als schwäbische Europäer deutscher Nation definiert er die Bewohner der hiesigen Region. „Wir brauchen eine gemeinsame Außen- und Entwicklungspolitik“, plädiert der leidenschaftliche Europäer für effektives und wirtschaftsverträgliches Handeln im Raum der EU. „Mit den Leuten reden, nicht über sie“ lautet seine Devise für den Umgang mit den Vertretern anderer Erdteile. Um gegenwartsfähig zu bleiben, müsse Europa zukunftsfähig werden. Dabei gehe es darum, verstehen zu lernen, warum in den europäischen Mitgliedsländern von verschiedenen historischen Standpunkten aus argumentiert werde.

Abkehr vom Brexit nicht ausgeschlossen

„Ich hoffe, dass es ein zweites Referendum gibt“, schloss er eine Abkehr vom Brexit nicht aus. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Volk so dumm sein kann, die EU zu verlassen“, gab der frühere Bundestagsabgeordnete und Landrat Heinz Seiffert seine Meinung dazu kund.

„Rainer Wieland fährt jetzt nach Brüssel und kann dort schwäbisch vespern“, sagte die vormalige Europa-Parlamentarierin Elisabeth Jeggle bei der Überreichung des Abschiedsgeschenks und dankte für die klare Stellungnahme.

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