Nach Stellenabbau: Bader-Gruppe hat sich wieder stabilisiert

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 Kann die drohende Insolvenz doch abgewendet werden? Laut Rechtsanwalt Matthias Krämer ist eine Lösung zumindest in Sicht.
Kann die drohende Insolvenz doch abgewendet werden? Laut Rechtsanwalt Matthias Krämer ist eine Lösung zumindest in Sicht. (Foto: Alexander Kaya)
Schwäbische Zeitung

Das Sendener Unternehmen war in Schwierigkeiten geraten. Es wird trotz Problemen weiter gearbeitet. Der Sanierer gibt sich optimistisch.

Der Geschäftsbetrieb bei den in einem Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung befindlichen Gesellschaften des Maschinenbaukonzerns Bader-Gruppe ist bis auf Weiteres stabilisiert.

„Damit haben wir eine wesentliche Voraussetzung für die weitere Restrukturierung der Gruppe erreicht“, wird Rechtsanwalt Matthias Krämer, Sanierungsexperte der bundesweit tätigen Sozietät Wellensiek, in einer Mitteilung zitiert. Er unterstützt als Generalbevollmächtigter die Gesellschaften der Gruppe in der Eigenverwaltung.

Im September vergangenen Jahres gab es noch schlechte Nachrichten aus Senden: Firma Bader baut 30 Stellen ab.

Firma Bader baut in Senden 30 Stellen ab
Die Unternehmensgruppe Bader will an ihrem Hauptsitz in Senden rund 30 Stellen abbauen. Bei den Mitarbeitern herrscht jetzt Unsicherheit.

Mit Zustimmung der Vertreter des vorläufigen Gläubigerausschusses hat Krämer gemeinsam mit den Verantwortlichen der Bader-Gruppe einen Investorenprozess eingeleitet. Krämer will so einen geeigneten Investor finden, der mit einem überzeugenden Gesamtkonzept bei den Gesellschaften der Gruppe einsteigt und sie auf dem weiteren Weg einer nachhaltigen Anpassung an die Märkte unterstützt.

„Wir haben schon kurz nach unseren Anträgen auf Durchführung einer Sanierung in Eigenverwaltung Interessensbekundungen sowohl von strategischen Investoren als auch von Finanzinvestoren bekommen“, sagt Krämer. „Wir sehen Chancen, dass uns eine gute Lösung für alle Beteiligten gelingen kann.“

Die Unternehmen hätten einen guten Ruf, hochwertige Produkte und motivierte Beschäftigte, die auch während der Sanierung voll mitziehen und die Unternehmen voranbringen möchten. Das sieht auch der vom Gericht bestellte vorläufige Sachwalter Professor Martin Hörmann von Anchor Rechtsanwälte so.

„Das Zusammenspiel der Beteiligten klappt auf allen Ebenen sehr gut.“ Auch die Verantwortlichen wie Generalbevollmächtigter, Geschäftsführung und Führungskräfte arbeiteten eng zusammen.

Eine juristische Neuheit in Deutschland

Ein juristisches Novum in Deutschland sei Krämer mit seinem Team für die ungarische Tochtergesellschaft HB-Kapcsolószekrénygyártó Kft. mit rund 500 Beschäftigten gelungen. Auch für diese Gesellschaft haben die Verantwortlichen kurz vor Weihnachten einen Sanierungsantrag in Eigenverwaltung gestellt.

Allerdings nicht in Ungarn, sondern auf Grundlage der Europäischen Insolvenzverordnung (EUInsVO) in Deutschland beim Amtsgericht Neu-Ulm. Es ist das gleiche Gericht, das auch die vorläufige Eigenverwaltung bei allen deutschen Gesellschaften der Bader-Gruppe angeordnet hat. Der zuständige Richter Christof Herrmann hat dem Antrag stattgegeben.

„Nach unserem Kenntnisstand ist es erstmalig, dass eine Unternehmensgruppe aus Deutschland für ihre ausländische Tochtergesellschaft den Antrag auf eine Eigenverwaltung bei einem deutschen Gericht beantragt und genehmigt bekommen hat“, sagt Krämer.

Das vereinfache die Restrukturierung, weil sie unter anderem konzentriert bei einem Gericht, mit einem personenidentisch besetzten Gläubigerausschuss und damit denselben Ansprechpartnern wie in den anderen Gesellschaften und demselben vorläufigen Sachwalter abläuft. „Das wird Zeit, Geld und Aufwand sparen“, ist sich der Generalbevollmächtigte Krämer sicher.

Unternehmen muss sich den Märkten anpassen

Die Bader-Gruppe befindet sich seit einiger Zeit in einem umfangreichen Restrukturierungsprozess und wollte sich so den Veränderungen der Märkte anpassen. Aufgrund der schwierigen Lage der globalen Wirtschaft blieb die Gruppe in 2019 jedoch hinter den Umsatzerwartungen zurück.

Die Verantwortlichen der Bader-Gruppe aus Senden haben deshalb im vergangenen Dezember beim Amtsgericht in Neu-Ulm einen Antrag auf ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung für die in Senden beheimateten Gesellschaften der Bader-Gruppe gestellt. Dazu gehören: Bader Holding GmbH (49 Beschäftigte), Bader GmbH (137 Beschäftigte), Bader GmbH Gehäusebau, Babenhausen (87 Beschäftigte), Alvo GmbH, Kamen und Wachau (135 Beschäftigte) sowie Baltic Metall GmbH, Grevesmühlen (115 Beschäftigte).

Die Bader-Gruppe mit Stammsitz in Senden bietet innovative Produktlösungen aus Blech, Stahl und Edelstahl, darunter Maschinenverkleidungen, Kompaktkabinen, Sondertanks, Schaltschränke, Bedienpulte und Klemmenkästen sowie Sondergehäuse und Speziallösungen von der Entwicklung bis zur Installation.

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