Nach Fackel-Angriff auf Roma-Familie: Polizei nimmt acht Verdächtige fest

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 Unbekannte hatten bei Dellmensingen eine Fackel in Richtung eines Wohnwagens geworfen. Die Ermittler gegen von einer fremdenfei
Unbekannte hatten bei Dellmensingen eine Fackel in Richtung eines Wohnwagens geworfen. Die Ermittler gegen von einer fremdenfeindlichen Tat aus. (Foto: dpa / Guido Kirchner)
Digital-Redakteur Alb-Donau-Kreis/Ulm

Nach dem Fackel-Angriff auf eine Roma-Familie Ende Mai in Dellmensingen hat die Polizei am Dienstag bei Einsätzen in Erbach und Blaustein acht Verdächtige vorläufig festgenommen. Ihnen wird laut Staatsanwaltschaft versuchter Mord vorgeworfen. Die Beamten durchsuchten acht Wohnungen und ein Gartengrundstück. 

Vier von den insgesamt acht männlichen Beschuldigten im Alter zwischen 16 und 20 Jahren sollen am Mittwoch aufgrund des erhärteten Tatverdachts dem zuständigen Haftrichter beim Amtsgericht Stuttgart vorgeführt werden. 

Drei Verdächtige wieder entlassen

Drei weitere Verdächtige wurden nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen wieder entlassen.

Bei einem weiteren Beschuldigten wird nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft derzeit noch geprüft, ob auch dieser am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt werden soll.

Welche Rolle den Beschuldigten bei der ihnen vorgeworfenen Tat zukommt, sei derzeit noch Gegenstand der Ermittlungen, so Heiner Römhild, Sprecher der Staatsanwaltschaft Stuttgart im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“. Auch die weiteren Hintergründe, wie beispielsweise ein mögliches Motiv, könnten noch nicht kommuniziert werden. 

Brennende Fackel in Richtung Wohnwagen geworfen

Wie berichtet, hatte sich eine französische Roma-Familie mit ihrem Wohnwagen auf einer Wiese im Erbacher Ortsteil Dellmensingen niedergelassen. Am späten Abend des 24. Mai fuhr ein dunkler Kleinwagen an dem Wiesengelände vorbei.

Aus dem Fahrzeug wurde von den Insassen etwas gerufen und anschließend eine brennende Fackel aus dem Beifahrerfenster in Richtung der Wohnwagen geworfen. In einer ersten Mitteilung ging die Polizei von vier oder fünf Insassen aus. 

Welcher der Beschuldigten die Fackel geworfen haben soll, sei ebenfalls noch Gegenstand der Ermittlungen, so Römhild auf Nachfrage. Die Fackel landete unmittelbar neben einem Wohnwagen, in dem ein Ehepaar mit ihrem neun Monate alten Kind schlief. 

Die Polizei nahm direkt nach dem Vorfall die Ermittlungen auf. Kriminaltechniker sicherten die Spuren. Aufgrund des Verdachts, dass es sich um eine politisch motivierte Straftat handeln könnte, übernahm die Schwerpunktstaatsanwaltschaft Stuttgart. Die Kriminalpolizei bildete eine Ermittlungsgruppe. Ob es sich nun um eine fremdenfeindliche Tat handelte, ließ Römhild offen. Genauso, wie die Ermittler auf die Verdächtigen kamen. 

Die 16- bis 20-Jährigen sollen aber an der Tat beteiligt gewesen sein, woraufhin am Dienstagmorgen unter anderem im Erbacher Teilort Bach eine Person festgenommen wurde. Augenzeugen berichten von mehreren Einsatzfahrzeugen, die gegen 4 Uhr vorgefahren seien. Es sei laut gewesen.

Am Mittwoch will die Staatsanwaltschaft weitere Einzelheiten zum Fall sowie zur Entscheidung des Haftrichters bekannt geben. 

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