Nach Fackel-Angriff auf Roma-Familie: Mahnwache gegen Fremdenhass in Ulm

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Schwäbische Zeitung
Digital-Redakteur Alb-Donau-Kreis/Ulm

Nach dem Angriff auf eine französische Sinti-Familie Ende Mai in Dellmensingen rufen verschiedenen Organisationen aus Ulm und Baden-Württemberg zu einer Mahnwache in der Ulmer Fußgängerzone auf. Sie wollen ein gemeinsames Zeichen gegen Antiziganismus, Fremdenhass und Rassismus setzen. Die Mahnwache findet am Samstag, 14. September, von 10 bis 12 Uhr statt. Treffpunkt ist am Brunnen.

Wie bereits berichtet, wurde Ende Mai eine brennende Fackel aus einem dunklen Kleinwagen heraus in Richtung eines Wohnwagens geworfen. Die Insassen des Fahrzeugs sollen dabei auch etwas gerufen haben.

Die Fackel blieb nur wenige Meter von dem Wohnwagen entfernt auf einer Wiese liegen. Darin schlief eine Roma-Familie mit einem neun Monate alten Kind. Die verängstigte Familie, die sich auf der Durchreise befand, rief daraufhin die Polizei.

Knapp sechs Wochen nach dem Vorfall gab es einen größeren Polizeieinsatz an gleich mehreren Orten. Dabei wurden insgesamt acht männliche Beschuldigte im Alter von 16 bis 20 Jahren vorläufig festgenommen.

Ich bin sehr bestürzt über den Anschlag. Wir werden alles dafür tun, die Familie zu unterstützen

Daniel Strauß, Landesverbands Deutscher Sinti und Roma Baden-Württemberg

Acht Wohnungen und ein Gartengrundstück wurden nach Angaben der Polizei durchsucht. Drei Verdächtige wurden nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen direkt wieder entlassen, die restlichen fünf kamen in Untersuchungshaft. Einer von ihnen, ein Jugendlicher, wurde zwischenzeitlich wieder auf freien Fuß gesetzt.

„Ich bin sehr bestürzt über den Anschlag. Wir werden alles dafür tun, die Familie zu unterstützen“, wird Daniel Strauß, Vorsitzender des Landesverbands Deutscher Sinti und Roma Baden-Württemberg, in einer Mitteilung zitiert.

Derartige gewalttätige Angriffe würden europaweit zunehmen ebenso wie die Abwertung von Sinti und Roma. Dies bestätige die aktuelle Leipziger Autoritarismus-Studie, wonach über 50 Prozent es ablehnen, Sinti und Roma als Nachbarn zu haben. Über 50 Prozent meinen demnach, alle Sinti und Roma seien kriminell.

Staatsanwaltschaft hält sich zum Motiv weiter bedeckt

Zum vermeintlich fremdenfeindlichen Motiv und weiteren Hintergründen machte die Staatsanwaltschaft am Freitag keine Angaben. Unklar ist immer noch, wie die Gruppe der Tatverdächtigen zusammengefunden hat. Mindestens zwei von ihnen sollen im Kreise der Ulmer Fußball-Fans verkehren.

In Ulm findet seit Freitag und noch bis Samstag, 21. September, die Sinti- und Roma Kulturwoche „Romno Power Festival“ statt. Mit Konzerten, Lesungen, Filmen und vielen Begegnungen soll die Vielfalt der Kultur und Lebenswelt der Sinti und Roma vermittelt werden. Die Kulturwoche wird von der Europäische Donau-Akademie in Zusammenarbeit mit dem baden-württembergischen Landesverband der Sinti und Roma veranstaltet und steht unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

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