Heimatverein richtet sich zum Jubiläum neu aus

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Der Heimat- und Kulturvereinsvorsitzende Uli Häußler (links) mit Geehrten des Jubiläumsfestnachmittages.
Der Heimat- und Kulturvereinsvorsitzende Uli Häußler (links) mit Geehrten des Jubiläumsfestnachmittages. (Foto: Elisabeth Sommer)
Freie Mitarbeiterin

Der Heimat- und Kulturverein in Erbach läutet eine neue Zeit ein. Mit dem Jubiläum zum 50-jährigen Bestehen gab der Vorsitzende Uli Häußler die Ziele der Neuausrichtung bekannt, die sich schon in der Erweiterung des Namens um das Wort Kultur zeigt. Einst war der Heimatverein zur Schaffung eines Freibades gegründet worden und wurde zur Finanzierung das Heimatfest auf die Beine gestellt.

Mit der neuen Bühne im Vereinsheim möchte der mehr als 120 Mitglieder umfassende Verein musikalischen Neueinsteigern, lokalen Künstlern und Kulturschaffenden eine Plattform geben. Hier könnten Jam-Sessions, Musikpartys für verschiedene Altersgruppen, auch volkstümliche Musik stattfinden. Der Vereinsvorsitzende sieht die Möglichkeit, Lesungen, Theater, Ausstellungen, Märkte zu veranstalten oder auch den Raum für Geburtstagsfeiern zu mieten.

Junge Erbacher für sich gewinnen

Mit dem Eröffnungsabend des Jubiläumsfestes am Freitag wurde die Betonung auf die moderne Musikkultur schon bewiesen: Die Band „Different Soul“ mit Frank Staudacher und drei Erbacher Diskjockeys traten auf. Ausschussmitglied Tom Schmitt ist selbst DJ, und so holte „Select.A.Tom“ die Kollegen „King Kalle“ (Markus König) und „Irie Futz“ (Andreas Ochs) auf die Bühne. Sie waren einst im „Naomi“ auf dem ehemaligen und inzwischen abgerissenen Hammerareal (heute Müllerareal) daheim gewesen. Der Vereinsvorsitzende Uli Häußler sieht darin ein Stück verlorene Heimat- und Kulturgeschichte seiner Generation. Ziel ist es, jetzt auch jüngere Erbacher für den Heimat- und Kulturverein zu gewinnen.

Im Vereinsheim ist mächtig aufgeräumt und Platz geschaffen worden. Eine Zwischendecke wurde entfernt und die Bühne eingebaut. Das Erbacher Musikerduo Junginger umrahmte den Festnachmittag am Samstag. Gründungsmitglied Anton Graf steuerte schwäbische Gedichte bei: „I mag mei Erbach, so wia’s ischt, mit Schloss ond Kircha ond seiner Erber Geschicht“ oder auch „Eiser Erlabach, der macht sei Sach, sait vill Grüass von eis, ganz ohne Geld, en ganz vill Länder eisrer Welt“. Die Jungingers intonierten eigens kreierte Musikstücke mit Namen „50 Jahre jung, 50 Jahre Schwung“ und „Ein beschwingter Tag am Badesee“. Der ist gleich beim Vereinsheim, das die Bundestagsabgeordnete Ronja Kemmer noch zurecht Stadel nannte. Der Stadel wurde von Utensilien aus Jahrzehnten befreit. Ein Flohmarkt, Entsorgung, aber auch die Auslagerung halfen, Platz für Biertischgarnituren für die Besucher zum Jubiläum zu schaffen. „Hier kann man viel machen“, wünschte auch Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis.

Rund 150 Besucher kommen

Etwa 150 Personen haben den Eröffnungsabend mit Musik besucht und abermals so viele den Festnachmittag mit Ehrungen am Samstagnachmittag. Walter Schwer ist bereits Ehrenvorsitzender, sonst hätte ihn der Vorstand spätestens jetzt dazu erklärt, sagte Eva Ernst-Jahn, die mit Schwer die Ehrungen vornahm. Zum Abschluss wurde auch der Vorsitzende Uli Häußler mit einer Ehrenurkunde überrascht. Häußler übernahm 2017 die Leitung des Vereins, dessen Totenglocke in den Jahren davor bereits mehrfach drohte endgültig geläutet zu werden. Jetzt werden schon Kindergartenkinder in der Stadt auf das Thema „Heimat“ aufmerksam gemacht, sagte Bürgermeister Achim Gaus in seinem Grußwort. Der Heimatverein habe mit dem Badeseeprojekt und Heimatfest stets zur aktiven Gestaltung der Gesellschaft in Erbach beigetragen, lobte Gaus. „Das Vereinsheim mit der Bühne macht Lust auf mehr“, motivierte das Stadtoberhaupt die Schaffer im Verein. Er will sich weiterhin der Traditions- und Heimatpflege widmen, teilte Häußler mit, womit primär die Geschichtsdokumentation gemeint ist, die Dietrich Zieher leitet und dafür Unterstützer sucht. Dietrich Zieher erinnerte beim Ehrungsnachmittag an die Details der Vereinsgeschichte und händigte jedem Gast eine Broschüre mit Jahreszahlen und Fotos aus. Dem Vorsitzenden ließ er ein besonderes Lob zukommen: „Mit nahezu unmenschlichem Einsatz und Engagement hat Uli Häußler beinahe ein Denkmal gesetzt“, schrieb Zieher in die Festschrift.

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