Franz von Ulm-Erbach spricht über die Anfänge der Stadt

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Franz von Ulm-Erbach spricht über die Anfänge der Stadt (Foto: Efinger)
Schwäbische Zeitung
Kurt Efinger

Seit zehn Jahren besitzt Erbach nun Stadtrechte. Aber schon zur Zeit der Kelten war die am Rand des Donautals aufragende Ortslage besiedelt. Dies belegte Franz Freiherr von Ulm-Erbach, der 72-jährige Vater des jetzigen Schlossherrn, als Montagsgast des 50plus-Treffs in der Jahnschule mit der Klinge eines 1972 beim Kiesbaggern gefundenen Bronzeschwerts.

Dicht gedrängt saßen rund 80 Zuhörer im Raum und lauschten den Ausführungen des Kenners der Heimatgeschichte. Jeder Anwesende durfte die laut Auskunft des Landesmuseums um 600 vor Christus geschmiedete und von Grünspan überzogene Waffe einmal in die Hand nehmen. Anschließend nahm sie Franz von Ulm-Erbachs Enkel Philipp in Begleitung seines Vaters Constantin wieder in Verwahrung. Die keltische Besiedlung der Gegend ist auch durch eine sogenannte Viereckschanze belegt. Fürstengräber beweisen, dass sich die damaligen Landherren edlen Schmuck aus Gold, Silber und Edelstein aus dem Mittelmeerraum leisteten. Die Römer drangen erst verhältnismäßig spät in das waldreiche und unerschlossene Gebiet vor. Das heutige Oberschwaben mieden sie.

Aus politischen Gründen heiratete Karl der Große neben anderen Frauen die Schwabenfürstin Hildegard vom Bussen. In Erbach befand sich damals eine dem gallischen Heiligen Martin von Tours geweihte Urpfarrei. Diese betreute das Umland mit 14 Kaplaneien. Wie andernorts vereinigten sich weltliche und kirchliche Macht auf dem Burgberg.

Zur Wiederbelebung der Landwirtschaft bemühte sich die Ortsherrschaft nach Pest- und Kriegszeiten für die vielen Witwen in Vorarlberg um junge und kräftige Männer. Die Familiennamen Blanker, Durmer und Walser führte Franz von Ulm-Erbach als Beleg dafür an.

Buch über Erbacher Urkunden

In Erbach, so der Referent, wurde 1887 an der unteren Halde ein römisches Gebäude ausgegraben. Die dort gefundenen Gegenstände wurden während des Zweiten Weltkriegs, in Kisten verpackt, nach Ludwigsburg verfrachtet. „Wenn Sie etwas finden, lassen Sie es in Erbach“, forderte der frühere Schlossherr und Gemeinderat die Bürger auf, ortsgeschichtliche Funde nicht dem Land zu überlassen. „Was hier gefunden wird, gehört hierher“, gab sich der Adlige heimatverbunden. Er kündigte für den 4. Juli die Publikation eines 800 Seiten starken Werkes mit Urkunden aus dem Archiv des Schlosses an.

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