Familienfest mit Erbtante ist Höhepunkt eines Theaterstücks in Bach

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Um der Erbtante zu imponieren, feiert man bei Fetzers besonders vornehm Silberhochzeit.
Um der Erbtante zu imponieren, feiert man bei Fetzers besonders vornehm Silberhochzeit. (Foto: Efinger)
Kurt Efinger

Mit der bravourösen Beinahetragödie „Die Silberhochzeit oder Lieber einen Mann als gar keinen Ärger!“ belegt das Theater in Bach dieses Jahr sicher einen der vorderen Plätze in der regionalen Lustbarkeitsszene. Hin und weg war das Publikum am Freitag bei der Premiere in dem mit 90 Zuschauern randvoll besetzten Saal des Nikolaushauses.

„Das kann ja heiter werden“, ist der erste Eindruck, wenn sich zum ersten Akt des diesjährigen Theaterstücks der „Schlabbergoscha“ der Vorhang hebt. Ein bunt geschmückter Christbaum, der Farbe nach vom vorigen Jahr, ziert zu Beginn des Sommers ein kleinbürgerliches oder besser kleines bürgerliches Wohnzimmer einer auch mit Bildung sparsam ausgestatteten Familie. Fetzer ist ihr Name, und es fetzt gehörig, wenn die beiden Elternteile – zum Leidwesen des trotz widriger Umstände halbwegs geratenen Sohnes Stefan (Kevin Fink) – pure Wut als Gehirnverdauungsprodukt oral ausscheiden. Man feiert christlich Weihnachten – und wie! Bis in den Sommer hinein steht die Jahresendzeitdekoration im Raum, weil Emil Fetzer (Gerhard Rueß) und sein bester Freund Oswald Geiger (Herbert „Sepp“ Huber) auf die letzte Nadel setzen. Wessen Baum diese zuerst verliert, zahlt dem anderen 30 Liter Bier. Mit Lupe und Fernglas konstatiert Emil, dass in Baumabschnitt B4 nur noch 16 Nadeln hängen. Fernsehekel Alfred lässt von ferne grüßen, wenn Emil der einst geliebten Gattin Betty (Gabi Daiber) jegliche Erschütterung im Raum untersagt und sich weigert, das für die Fertigtapezierung der Stube und neue Fliesen im Bad benötigte Geld herauszurücken. Bei der Frage, wann denn wohl die Hochzeit stattgefunden habe, hilft der Hinweis auf das Jahr, als das beim Feuerwehrfest verzehrte Schaschlick Darmprobleme beschert hat, nicht viel. Aber die Innenseite von Oswalds Ehering verrät, dass die Silberhochzeit unmittelbar bevorsteht. Mit dem Problem der fälligen Geschenke ist die Katastrophe programmiert. Mit einer Kreuzfahrt nach Ringingen beschließen die beiden Geizhälse aus Bach ihre im gleichen Jahr geehelichten Frauen zur Feier von 25 Jahren Ehekrieg zu beglücken, als sich kurz vor Ende des ersten Akts Emils Erbtante Edith (Matha Braunsteffer) aus Amerika zum Festtagsbesuch ankündigt. Jetzt ist Vornehmheit angesagt. Oswald und sein benimmresistentes Weib Helga (Gabi Stetter) sollen als noble Bekannte ein Arztehepaar darstellen. Stefan wird zum Dentisten aufgemotzt, Nachbar Max Müller (Berthold Rmpf) als Butler engagiert und Susi Pfeiffer (Kathi Widawka) als Stefans Verlobte. „Ein Taxi in Bach? Eine Sensation!“, entfährt es einem aus der aufgetakelten Gesellschaft, als die reiche Erbtante vor dem Haus dem Kraftwagen entsteigt.

Den Verlauf des sich im kitschig aufgemotzten Wohnzimmer anschließenden Familienfestes hier zu erzählen, verbietet sich mit Rücksicht auf die vielen Theaterbesucher der weiteren und restlos ausgebuchten Vorstellungen am kommenden Wochenende.

Schließlich sollen sie nicht im Voraus wissen, welche Überraschungen sie beim turbulenten Spiel der hervorragend und in jeder Phase perfekt reagierenden Theatertruppe erwarten. Auf kleinstem Raum mimen alle acht Schlabbergoscha des Theaters in Bach mit ausgezeichneter Bühnenpräsenz. An Situationskomik ist die der Realität nahekommende Selbstdarstellung von Volksleben kaum zu überbieten.

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