Biberberater will Tierschutz und Bürgersorgen unter einen Hut bringen

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Jörg Trowitzsch ist neuer Erbacher Biberberater.
Jörg Trowitzsch ist neuer Erbacher Biberberater. (Foto: sz- dkd)

Jörg Trowitzsch ist Erbachs neuer Biberberater (die Schwäbische Zeitung berichtete). Der engagierte Naturfreund aus Öpfingen vereint damit eine Kombination, die in der Region noch eher selten ist. Im Verwaltungsbezirk des Regierungspräsidiums Tübingen ist er einer der ersten Biberberater, der gleichzeitig Jäger ist. Er sieht in seiner Tätigkeit die Aufgabe Tierschutz und die Bedürfnisse der Bürger unter einen Hut zu bekommen.

„In Bayern ist das eine sehr gängige Kombination, die sich bewährt hat“, sagt Jörg Trowitzsch, der sich seit dem Auftreten des Bibers in der Region mit den Tieren beschäftigt. Als Jäger verbringt er gerne viel Zeit in der Natur und hat speziell die Biber um seinen Wohnort Öpfingen und deren Lebensweise beobachtet - wo sie ihre Burgen und Dämme errichten, aber auch welche Bäume sie vermehrt annagen. Neben der einfachen Beobachtung hat Erbachs neuer Biberbeauftragter die Wanderwege der Öpfinger Biber genau dokumentiert und herausgefunden, woher sie eingewandert sind.

„Ich habe mein Augenmerk bisher natürlich hauptsächlich auf Öpfingen gerichtet. Die neue Region werde ich mir jetzt Stück für Stück erschließen“, sagt Trowitzsch, der seine erste offizielle Begehung mit einem Vertreter des Landratsamtes am Mittwoch hinter sich gebracht hat. Wieso das Landratsamt gerade auf ihn zukam, kann er nicht sagen. Dass er Jäger sei, wäre bekannt. „Ich sehe darin auch keinen Widerspruch. Als Jäger bin ich ebenfalls Naturschützer und eben sehr gut mit der Tierwelt vertraut“, so Trowitzsch. Was auch das Regierungspräsidium Tübingen (RP) auf Anfrage bestätigt. Es werde nicht erhoben, ob der jeweilige Biberberater einen Jagdschein hat. Grundsätzlich schließe sich Naturschutz und Jagd aber überhaupt nicht aus. Viele Naturschützer hätten auch einen Jagdschein, heißt es aus dem RP. Josef Grom, Biberbeauftragter der Regierungspräsidiums bestätigt, dass Trowitzsch einer der ersten im Verwaltungsbereich des RP sei.

Ansprechpartner für Anlieger und Kommunen

Trowitzsch freut sich über die Rückkehr der bedrohten Art nach Deutschland und die gute Entwicklung der Population. Allerdings argumentiert er gleichzeitig, dass die Bedürfnisse der Bürger nicht zu kurz kommen dürfen. „Teilweise sind die Frassschäden enorm, das habe ich schon in Öpfingen gesehen. Dort hat der Biber auch vor großen alten Bäumen nicht Halt gemacht“, berichtet der neue Biberberater.

Dass Bürger, deren mühsam großgezogene Obstbäume angenagt, oder Landwirte, deren Feldwege unterhöhlt werden, teilweise mit wenig Tierliebe reagieren, sei verständlich. Mit Anliegern und Kommunen will er deswegen so früh wie möglich das Gespräch suchen. „Man darf Geschädigten nicht zumuten, dass sie aus falsch verstandener Tierliebe auf dem Schaden sitzen bleiben“, sagt Trowitzsch, der Betroffene auch zur Selbsthilfe anleiten will. Manche Probleme könnten mit minimalem Aufwand, wie beispielsweise einem Stück Maschendrahtzaun, aus der Welt geschafft werden.

Größere Schäden müssten nüchtern und sachlich erörtert werden. „Wir leben in einer Kulturlandschaft, da reguliert sich ein Bestand nicht von selbst. Ich bin ein Freund der Tiere und sehe nicht ein, dass man den Biber ausrottet, aber man muss ihn sicherlich in die Schranken weisen.“

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