Baum-DNA führt beim Angelsee-Mord zum möglichen Tatort

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Der dritte Verhandlungstag des Angelsee-Mords von Erbach ist am Ulmer Landgericht zu Ende gegangen.
Der dritte Verhandlungstag des Angelsee-Mords von Erbach ist am Ulmer Landgericht zu Ende gegangen. (Foto: dpa)

Der Prozess um die verschnürte Leiche, die aus einem bei Erbach gelegenen Angelsee gezogen wurde, ist fortgesetzt worden. Die Spezialisten der Kriminaltechnik erläuterten, wie sie mit Hilfe von Baum-DNA den mutmaßlichen Tatort entdeckt hatten, in dessen Nähe auch die mögliche Mordwaffe und weitere Indizien gefunden wurden. Zudem trat erstmals der Rechtsanwalt der Nebenkläger im Verfahren auf.

Der Prozess vor dem Ulmer Landgericht startete erneut mit zahlreichen Einzelheit über die Örtlichkeiten der Erbacher Baggerseen. Die Zeugen der Spurensicherung erläuterten Zufahrtswege, wo die unterschiedlichen Seen mit Zäunen abgegrenzt sind und wo sich Durchgänge befinden. Zudem zeigte die Kammer eine Bilddokumentation von der Öffnung des Leichenpakets und den darin enthaltenen Spuren. Der Angeklagte, der ihm Prozess weiterhin keine Aussagen macht und die Verhandlung ohne große Regungen verfolgt, wirkte eine Spur nervöser als sonst und wandte sich teilweise von den doch sehr expliziten Darstellungen der aufgequollenen Leiche auf den Bildschirmen ab.

Es war ein grausamer Fund: In einem See bei Erbach findet ein Angler eine in Plastikplane gewickelte Leiche. Die Polizei ermittelt, gründet eigens dafür eine Soko See. Die Ermittlungen erstrecken sich bis nach Südosteuropa. Anscheinend mit Erfolg. Jetzt steht der mutmaßliche Mörder in Ulm vor Gericht.

Als besonders wichtiges Indiz stellte sich im Paket gefundenes Eichenlaub heraus. Anhand einer DNA-Analyse der in dem Bereich gewachsenen Eichen ermittelten die Beamten den möglichen „Verpackungsort“, welcher auch gleichzeitig der Tatort sein könnte. Eine Überprüfung mit einem Leichenhund, der sich in unmittelbarer Nähe der Eiche ablegte und damit den ehemaligen Standort einer Leiche anzeigte, bekräftigt diese Annahme. Bei näherer Untersuchung der Umgebung fanden die Ermittler außerdem Teile des Armbands einer Herrenuhr einer Edelmarke.

Taucher bergen Hammer als mögliche Mordwaffe

Der mutmaßliche Tatort liegt am sogenannten „Rösslesee“, rund 30 Meter hinter einem kleinen Metaltor, welches zum Leichenfundsee führt. Zu dem mit einem Vorhängeschloss gesicherten Tor besitzt der Angeklagte, als Mitglied des pachtenden Angelvereins, einen Schlüssel. Diesen stellte die Polizei bei einer Hausdurchsuchung sicher. Drei Tauchgänge von Polizeitauchern im Rösslesee förderten in diesem Bereich zudem ein versenktes Handtuch, einen Maurerhammer, der die Mordwaffe sein könnte, ein Springmesser und die beschädigte Herrenuhr zu Tage. Aufgrund der langen Liegezeit im See, konnte die Kriminaltechnik an diesen Objekten jedoch keine DNA-Spuren sichern.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Opfer am Rösslesee ermordet, dann verpackt, zum Fundsee geschafft und dort versenkt wurde. Die Kriminalpolizei hat diesen Ablauf mit einem Dummy, der genau wie das Leichenpaket zusammengestellt war, nachgestellt. Bei einem Wurfversuch ermittelten die Beamten, dass das Leichenpaket von zwei Männern knappe zwei Meter weit in den See geworfen werden könne und das Paket ab einer Tiefe von einem Meter in dem trüben See nicht mehr sichtbar war.

Zeugen wollen unter Ausschluss der Öffentlichkeit aussagen

Da der Gerichtsmediziner fälschlicherweise auf einen späteren Verhandlungstag geladen wurde, unterbrach Richter Gerd Gugenhan die Hauptverhandlung. Erstmalig trat am dritten Verhandlungstag auch der Anwalt der Nebenkläger (Mutter und Bruder des Opfers) auf. Dieser schilderte, dass seine beiden Mandanten tief traumatisiert seien. Alleine die Ladung als Zeugen für die Gerichtsverhandlung habe Panik ausgelöst. Die brisante Vorgeschichte verängstige die Mandanten, schließlich wisse man nie, wer einer öffentlichen Hauptverhandlung beiwohne. Zudem könnten sie es nicht ertragen, mit dem Angeklagten in einem Raum zu sein. Der Anwalt schlug deshalb eine Videovernehmung seiner Mandanten oder eine Vernehmung unter Ausschluss von Öffentlichkeit und Angeklagten vor.

Ob die Kammer dies zulässt, soll bis zum nächsten Verhandlungstermin geklärt werden. Dann sollen auch die albanischen Akten zur Vorgeschichte übersetzt sein. Zudem soll geklärt werden ob ein in Albanien in Haft Sitzender per Videobefragung aussagen soll.

64-Jähriger wurde getötet

Am Montag entdecken Spaziergänger eine Leiche in einem Erbacher Anglersee. Am Dienstagabend finden Feuerwehrleute bei einem Wohnungsbrand in Ulm die Leiche eines 64-Jährigen. In beiden Fällen geht die Polizei von einem Gewaltverbrechen aus. Die jeweiligen Ermittlungen der Kriminalpolizei laufen auf Hochtouren - Wir haben den aktuellen Ermittlungsstand der beiden Fälle zusammengefasst.

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