Auf Erbach kommen große Investitionen zu

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Bürgermeister Achim Gaus spricht beim Erbacher Neujahrsempfang über die Zukunft.
Bürgermeister Achim Gaus spricht beim Erbacher Neujahrsempfang über die Zukunft. (Foto: SZ- hog)
Friedrich Hog

Beim Neujahrsempfang in der Erlenbachhalle am Donnerstag freute sich Bürgermeister Achim Gaus über die Nullverschuldung der Stadt. Geplante Investitionen könne die Gemeinde nun leichter stemmen. Diese würden allerdings 2022 eine neue Kreditaufnahme notwendig machen. 300 Gäste waren zum Empfang mit Sekt, Bier und allerlei Gebäck gekommen. Der Musikverein Ringingen mit Dirigent Matthias Hirling sorgte für die musikalische Untermalung.

Die Möglichkeit des persönlichen Begegnens und in entspannter Atmosphäre auf das neue Jahr anzustoßen, haben rund 300 Erbacher Bürger wahrgenommen. Nach der Rede von Bürgermeister Gaus nutzten sie die Gelegenheit zur lockeren Diskussion an Stehtischen bei Sekt und Bier. Unter den Gästen waren die Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis sowie die Landtagsabgeordneten Jürgen Filius und Martin Rivoir, ebenso Pfarrer Otto Mack. Eine Gedenkminute wurde für den verstorbenen langjährigen Leiter der Musikschule, Martin Vogel, eingelegt.

„Beim Rückblick auf das Jahr 2019 kommt man zwangsläufig auf ein Megathema zu sprechen, das im vergangenen Jahr die täglichen Nachrichten und Diskussionen geprägt hat, ich spreche vom Klimawandel“, sagte Bürgermeister Gaus zu Beginn seiner Rede. Er nannte den Schutz der Umwelt und den Klimaschutz ein Thema, „das von höchster Bedeutung ist, das uns alle angeht und das uns allen am Herzen liegt, die wir ein Verantwortungsbewusstsein für unsere Erde und die nachfolgenden Generationen haben“. Dazu hat Gaus eine Folie an die Leinwand geworfen, die die „Warming Stripes“ von Ed Hawkins zeigte, aus denen anhand roter Farbe die Erderwärmung der vergangenen Jahre deutlich zu ersehen ist. Gaus forderte dazu auf, nicht schwarz-weiß zu denken, sondern vernünftige Maßnahmen gezielt umzusetzen, „Maßnahmen, die unsere Wirtschaft stärken mit der Chance, über unser Umfeld hinaus Wirkung zu entfalten“. In weiteren Folien zeigte Bürgermeister Gaus, dass Erbach seit vielen Jahren intensiv am Umwelt- und Klimaschutz arbeitet. Er verwies darauf, dass die Stadt seit 2011 einen Schwerpunkt auf energetische Verbesserungen in ihren Gebäuden legt, auf Maßnahmen wie Dämmung von Gebäuden, Austausch von Steuerungen und Heizungen sowie die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED. „Allein bei der Straßenbeleuchtung konnten wir damit unseren jährlichen Stromverbrauch bezogen auf 2010 um 260 000 Kilowattstunden senken.“

Gaus verwies auf weitere Maßnahmen der vergangenen Jahre, wie den Bau der Kindertagesstätte Brühlwiese als Null-Energie-Haus, die Anbindung der Kindergärten Brühlwiese und Merzenbeund an die Nahwärmeversorgung einer Biogasanlage sowie die Installation von Photovoltaikanlagen auf städtischen Gebäuden. Zudem erwähnte er den Bau der Hochlastfaulung auf der Kläranlage, mit der jährlich 240 000 kWh Strom und 500 000 kWh Wärme erzeugt werden. Weiter nannte er die kostenlose Energieberatung im Rathaus, die eingesetzten Elektrofahrzeuge und die kostenlose E-Tankstelle vor dem Rathaus. In die Finanzen führte Gaus mit der Botschaft der kompletten Nullverschuldung ein, welcher allerdings im Jahr 2020 ein Rekordinvestitionsvolumen von 12,1 Mio Euro gegenübersteht, gefolgt von weiteren 23,1 Millionen Euro in den folgenden drei Jahren – wobei Erschließungsmaßnahmen und Investitionen bei der Wasserversorgung noch nicht enthalten sind. Zurückzuführen seien die Summen auf notwendige Großinvestitionen, die ab 2022 eine neue Kreditaufnahme erfordern. Gaus verwies auf die damit verbundene Verbesserung der Angebote für die Bürger und den Status Erbachs als junge, lebenswerte Stadt. Konkret nannte er den Neubau einer Sporthalle am Schulzentrum für 15 Millionen Euro, die Generalsanierung eines Gebäudes der Realschule mit einem Kostenaufwand von 2,8 Millionen Euro, die anstehende Sanierung der Schillerschule sowie den voraussichtlichen Bau einer neuen Grundschule mit einem Investitionsvolumen von 15 Millionen Euro zur Anpassung des Raumbedarfs, auch im Hinblick auf den steigenden Bedarf an Ganztagsbetreuung.

Mit mehr als 600 Kindergartenplätzen und 100 Krippenplätzen sei ein hervorragendes Angebot für Kinder bis sechs Jahre eingerichtet. „Zwischen 2010 und 2018 ist die Zahl der Kinder bis sechs Jahre in Erbach um 24 Prozent gestiegen“, so Gaus. 2019 sei in Erbach der Spitzenwert von 151 Geburten erreicht worden. Die Betreuungsquote bei Kindern bis drei Jahren läge mit 33 Prozent deutlich über jener im Landkreis mit 22 Prozent.

Für die Innenstadt verwies Gaus auf den Bau von vier neuen Wohn- und Geschäftshäusern und die Planung der Neugestaltung der Erlenbachstraße mit Verbesserungen für Fußgänger, Radfahrer und die Parkplatzsituation, sowie auf die Planung des Hochwasserschutzes am Erlenbach. Im Hinblick auf das Rathaus müsse eine Sanierung oder ein Neubau geprüft werden. Gaus sprach den digitalen Wandel und Investitionen in die Wasserversorgung an, welche von drei gemeindeeigenen Tiefbrunnen getragen wird, ebenso die Umsetzung des Regio-S-Bahn-Konzepts mit einem regelmäßigen, mindestens halbstündigen Takt und den Wunsch, dass in Erbach künftig die schnellen Züge halten. Der barrierefreie Ausbau von mindestens 36 Bushaltestellen werde mindestens eine Million Euro kosten. Beim Dauerbrenner Querspange befinde sich das erste Brückenbauwerk im Bau, auch sei ein Flurbereinigungsverfahren im Gang und es sei die Ausweisung eines Gewerbegebiets an der Auffahrt zur B-30 geplant. In Ringingen, Donaurieden, Ersingen und Bach sei der Grunderwerb für neue Wohngebiete erfolgt, die Bebauungsplanverfahren seien beziehungsweise würden begonnen.

Für die Feuerwehr habe die Gemeinde die Beschaffung von drei mittleren Löschfahrzeugen im Wert von 700 000 Euro gefasst. Es stünden Erweiterungen der Feuerwehrhäuser Erbach und Bach an mit einem Volumen von über vier Millionen Euro. Mit dem Dank an die ehrenamtlichen Feuerwehrkameraden verband Bürgermeister Gaus seinen Dank an alle ehrenamtlich Tätigen.

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