Anglersee-Mord: Jugendfreund des Opfers bestätigt Blutrache-Gefahr

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 Der Prozess um den Mord in Erbach geht in die nächste Runde.
Der Prozess um den Mord in Erbach geht in die nächste Runde. (Foto: Stefan Puchner)

Weitere Erkenntnis im Erbacher Blutrache-Prozess hat es am ersten Verhandlungstag im neuen Jahr am Landgericht Ulm gegeben: Das 19-jährige Opfer wusste von der Gefahr einer möglichen Blutrache und flüchtete auch deshalb aus seinem Heimatland – das sagt ein Jugendfreund des Opfers aus. Allerdings erschien der Zeuge nicht selbst vor Gericht, denn sein Aufenthaltsort habe sich nicht bestimmen lassen, so die Richter.

Mysteriöser „Don“ noch auf der Flucht

Sicher aber ist, dass der Zeuge den 19-Jährigen nicht nur seit seinem vierten Lebensjahr kennt, weil beide in der gleichen Stadt aufgewachsen sind, sondern sie in Hannover wegen gemeinsamen Drogengeschäften verhaftet worden sind.

Angeklagter wird in den Gerichtssaal geführt
Der Angeklagte 46-Jährige wird am Montag in den Gerichtssaal geführt. Er soll einen 19-Jährigen aus Blutrache mit einem Hammer erschlagen haben. (Foto: David Drenovak)

Die Ursache für den späteren Mord aber, so die Aussage des Zeugens vor einem Gericht in Albanien, seien weniger die zwielichtigen Geschäfte („Wir sind nur kleine Fische“) gewesen. „Er wusste über die Blutrache Bescheid, hat oft davon gesprochen. Nur wusste er nicht, von wem die Gefahr ausgeht“, schildert der Jugendfreund laut Protokoll. Dieses nicht einzuschätzende Risiko sei für das spätere Opfer ein Grund gewesen, in Deutschland Asyl zu beantragen. Auch die Verbindung zu dem noch flüchtigen „Don“, der einen gehörigen Anteil des Mordes mitzuverantworten hat, bestätigte der Zeuge.

Videoverhör des Onkels

Mit Spannung wird nun dem 23. Januar entgegengefiebert: Dann soll der wegen Mordes in Albanien einsitzende Onkel des Opfers per Video am Ulmer Gericht verhört werden. Sollten danach keine Anträge mehr kommen, könnten bald die Plädoyers für den seit Mitte April des vergangenen Jahres laufenden Prozess anstehen.

Es war ein grausamer Fund: In einem See bei Erbach findet ein Angler eine in Plastikplane gewickelte Leiche. Die Polizei ermittelt, gründet eigens dafür eine Soko See. Die Ermittlungen erstrecken sich bis nach Südosteuropa. Anscheinend mit Erfolg. Jetzt steht der mutmaßliche Mörder in Ulm vor Gericht.
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