Wie modernes Juniorentraining aussieht

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Beim Kinder- und Jugendtraining hat sich der Fokus in den vergangenen Jahren verschoben.
(Foto: arc)
Dennis Rother

Rundenlaufen zum Warmwerden, lautstarke Anweisungen von der Seitenlinie, monotones Konditionbolzen ohne Ball: Wer als Nachwuchskicker in früheren Jahrzehnten Vereinsmitglied wurde, der musste oft ähnlich trainieren wie die Erwachsenen. Das Programm ist längst nicht mehr so, soll aber laut dem Deutschen Fußball-Bund noch viel mehr auf die Bedürfnisse der Kinder zugeschnitten werden. Das Motto: mehr Spaß und Spielfreude, weniger Druck und Drill.

Wie das in Theorie und Praxis genau aussieht, das haben jetzt Thomas Henes und Pascal Schoppenhauer aus dem Trainerstab des Württembergischen Fußballverbands (WFV) beim BSV Ennahofen gezeigt. Sie kamen mit dem „DFB-Mobil“ (siehe Infokasten). Rund 15 E- und F-Junioren waren auf dem Platz aktiv, während Nachwuchstrainer sich das neue Konzept vom Seitenrand aus angesehen haben.

Mehrere Dinge haben sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten beim kindgerechten Training grundlegend geändert: „Es gibt etwa mehr koordinative Übungen“, sagt Thomas Henes, 47, hauptberuflich Sportlehrer. Während Kinder früher einfach auf den Bolzplatz zum kicken gegangen sind, locken heute Computer und Fernseher. Die Folge: Bei manchen ist die Motorik etwas zurückgeblieben. Also müssen die Trainer erstmal am Fundament ansetzen. Ein Beispiel: „Kinder schmeißen einen Fußball in die Luft und klatschen so oft wie möglich in die Hände, bis der Ball wieder runterkommt und gefangen wird.“

Auch „optische Reizpunkte“ werden gesetzt, so könne die Reaktionsschnelligkeit gefördert werden. Dazu stellen sich die Kinder in einiger Entfernung vor dem Tor auf. Sofort lossprinten müssen dann nur diejenigen, deren Leibchen die gleiche Farbe wie das hat, das Henes am anderen Ende des Feldes hochhält.

Trainer, Motivator, Psychologe und Mutti

Wichtig sei mittlerweile für Trainer nicht nur, die Übungen kurzweilig zu halten, sondern auch kurzzeitig. Es geht um die Aufmerksamkeitsspanne. „Länger als 15 Minuten können sich Kinder nicht konstant konzentrieren“, sagt Thomas Henes. Also stand auch in Ennahofen viel Abwechslung auf dem Programm. Sprinten und schießen, passen und dribbeln – das Training im Jahr 2015 soll abwechslungsreich sein und gleichzeitig alle technischen Grundlagen vermitteln, also: Erlebnisfußball statt Ergebnisfußball.

„Kreativ entfalten“ sollen sich die Kinder, heißt es beim DFB – und das geht nur, wenn an der Seitenlinie nicht nur ein „Schleifer“ steht, der seine Trainingsmethoden von der Herrenmannschaft eins-zu-eins auf den Nachwuchsbereich überträgt, sondern der mehr darstellt. „Trainer, Motivator, Psychologe, Mutti“ – dieser Schriftzug prangt etwa auf dem DFB-Mobil. Leichter wird der Job im Nachwuchsbereich zukünftig also nicht, so viel ist klar. Thomas Henes und Pascal Schoppenhauer geben Anschauungsunterricht, sind quasi Vortänzer. Der DFB will so „Hilfe zur Selbsthilfe“ geben. Henes sagt: „Beim Mobil geht es um Weiterbildung und Motivation der Vereinstrainer.“ Deren Erfahrungen und Methoden seien ganz unterschiedlich. Bestenfalls führt der Besuch des DFB-Mobils schließlich dazu, dass die Trainer sich beim Verband weiterqualifizieren lassen. Henes und Schoppenhauer machen also Basisarbeit für Fußballdeutschland.

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