Beim Kriegerjahrtag in Emerkingen fallen bewegende Worte

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Friedrich Hog

Der seit 1845 bestehende Kriegerjahrtag in Emerkingen jährt sich heuer zum 175. Mal. Gemäß der ursprünglichen Widmung aus der Stifterzeit wurde am Sonntag im Rahmen der Messe ein Gedenkteil abgehalten. Bürgermeister Paul Burger schilderte mit bewegenden Worten das Schicksal der Familie Roth, die im Zweiten Weltkrieg zwei ihrer Söhne verloren hat. Nach der Messe wurde das Kriegerdenkmal besucht.

Feuerwehr, Bürgerwehr und die örtlichen Vereine mit Fahnenabordnungen haben sich beim Rathaus zum gemeinsamen Kirchgang getroffen. Die Musikkapelle begleitete den Einzug in die Pfarrkirche und die Gedenkfeier. In dem von Pfarrer Thomas Pitour gehaltenen Gottesdienst verlas Bürgermeister Paul Burger die Namen der 22 im Ersten Weltkrieg und 36 im Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten aus Emerkingen, insgesamt 58 Namen. Die Gottesdienstbesucher erhielten 58 Kerzen. Pfarrer Pitour verband das Fest der Taufe des Herrn als Abschluss der Weihnachtszeit mit dem Kriegerjahrtag und machte deutlich, dass die Geburt Jesu Frieden verheißt. „Für uns bedeutet dies die Verpflichtung zur Bewahrung des Friedens“, so Pfarrer Pitour.

Blick zurück ins Jahr 1843

Bürgermeister Burger blickte zurück auf den 1. Januar 1843, als Veteranen aus Emerkingen, Oggelsbeuren und Unterwachingen sich in Emerkingen getroffen und einen Bruderschaftsverein gegründet haben. Damals gedachten die vom Schultes namentlich genannten Gründer der Toten der Kriege von 1809 und 1813 bis 1815.

1845 verfügte Sebastian Härle als Hauptmann des Veteranenvereins in einer Niederschrift, dass jedes Jahr die Namen der Gefallenen vorgelesen werden sollen. Damit war der Kriegerjahrtag entstanden, den Burger zum Anlass nahm, das Schicksal der Familie Roth nachzuvollziehen. Er brachte den Schmerz zum Ausdruck, der in einer Familie entsteht, wenn der Vater, der Sohn oder der Bruder gefallen ist und nicht wiederkehren. Er sprach von der übermächtigen Herausforderung für die Familie: „Wer soll den Hof oder das Handwerk fortführen?“

Beispiel der Familie Roth

Die Familie Roth war 1918 nach Emerkingen gekommen, und hatte zehn Söhne. Zwei von ihnen haben sie im Zweiten Weltkrieg verloren. Aus einem Brief von 1944, in dem die Familie vom Tod des Sohns Alois in Lettland informiert wurde, las Paul Burger vor „Liebe Frau Roth, mit tiefem Bedauern will ich die Nachricht ...“; Dokumente und Fotos wurden auf eine Leinwand geworfen. Gezeigt wurde auch der Koffer von Alois Roth, der erst zehn Jahre nach dem Krieg geöffnet wurde und zu einem gemeinsamen Leben im Frieden motiviert. Alois Roth war der Bruder von Fritz Roth, nach dem die Sportanlage benannt ist. Der Bruder Fridolin ist in Italien gefallen.

Pfarrer Pitour sprach von einem wirklichen und herzerweichenden Lebenszeugnis einer Familie aus Emerkingen und von einem Herz, das seine Verantwortung für die Lebenden erkennt. In den Fürbitten wurde um Frieden weltweit gebetet, um ein Europa der Freundschaft, um Freundlichkeit in der Gemeinde, Frieden im Herzen, die Weitergabe des Gedenkens an künftige Generationen und für den gemeinsamen Einsatz der Religionen für den Frieden.

Nach dem Gottesdienst wurden die brennenden Kerzen vor dem Kriegerdenkmal abgestellt. Es fand eine Gedenkminute für die Gefallenen statt, deren Namen auf der Gedenktafel des Denkmals festgehalten sind. Nach der dritten Strophe des Lieds der Deutschen traf sich die Gemeinde im Hirsch zum Frühschoppen.

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