Beim Emerkinger Mundartabend tönt Schwäbisch bestens

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 Im Himmel trifft Höllenheizer Luzifer auf den seiner ursprünglichen Funktion entsprechend gekleideten Wettermacher Petrus.
Im Himmel trifft Höllenheizer Luzifer auf den seiner ursprünglichen Funktion entsprechend gekleideten Wettermacher Petrus. (Foto: Efinger)
Kurt Efinger

Einen Mundartabend unter dem Motto „Von ällem äbbes, rond om da Bussa“ haben die Gemeinden Hausen am Bussen und Unterwachingen sowie der Förderverein Schwäbischer Dialekt am Dienstag in der Emerkinger Römerhalle veranstaltet. Da wurde schwäbisch weniger drum herum als munter drauf los geschwätzt.

Schwäbisch hat sich ab 1200 nach Christus in 30 Aussprachevariationen aus dem Alemannischen entwickelt, gab Hermann Wax aus Ehingen die für das Verständnis des Dialekts unverzichtbare Einleitung. Der Kenner der Materie verdeutlichte die Herkunft mancher Wörter bis teilweise aus dem Altgriechischen. Erst nach den von Wax in dialektgefärbtem Schriftdeutsch formulierten Erläuterungen war Schwäbisch in Reinkultur angesagt.

Für puren Dialektgenuss sorgten Hillu’s Herzdropfa als „Schuehdones Lena und ihra Maddheis von Juschdenga auf dr Alb“. „Mier send kaddolisch ond wähled schwaaz“ lautete das Bekenntnis zu unverbrüchlichen Werten eines in sich geschlossenen Weltbildes. An Szenen von Karl Valentin und Liesl Karlstatt erinnerten Hillu Stoll und Franz Auber als Meister und Lehrbub. Dieser belehrt den Chef unter anderem so: „Personalführung ist die Kunst, die Mitarbeiter so schnell über den Tisch zu ziehen, dass sie die Reibungshitze für Nestwärme halten.“ „I fiehl me heidd Obed bei dem Schwäbisch sauwohl“, befand Hugo Breitschmid aus Dürnau am Federsee und beheimatete die biblische Schöpfungsgeschichte à la Sebastian Sailer: „Do isch dr Adam pudlnagged auf dr Wies em Gras dren gschdragged.“ Einen Pfarrer „vo dr Alb ra“ lässt er in Afrika auf Löwen treffen. Fromm hört er sie beten: „Komm, Herr Jesus, sei unser Gast, und sieh, was du uns da bescheret hast.“

Der Höhepunkt des Abends stellte sich bei der Wiedergabe des zweiten Akts der Komödie „Der Tod im Birnbaum“ des Emerkinger Theaters ein.. Im Himmel, wie man sich ihn nach katholischer Tradition vorstellt, verortete Autor Manfred Eichhorn die Zerbröselung mythologischer Jenseitsvorstellungen von der Antike bis zur Neuzeit. Da kommt der Teufel Luzifer (Martin Baumann) auf Besuch, um sich zu erkundigen, ob auch hier die Kundschaft wegbleibe. Derweilen hockt der Tod (Albert Rieger) schwach beleuchtet mit grünem Gesicht links von der Bühne hilflos im Geäst und sieht dem Boandlkramer aus dem "Brandner Kaspar" von Franz von Kobells zum Verwechseln ähnlich. Wettermacher Petrus (Klaus Weiher) ist seiner Funktion als erster Vorsteher seiner Glaubensgemeinschaft in Rom entsprechend im Kardinalskostüm gekleidet und droht an: „I lass Grotta hagla, bis wiedr gschdorba werd do ondda.“. An der Kathedra des Gelehrten hat Goethes Dr. Faustus (Christoph Morgenstern) die für das Begreifen alles Geschehens benötigten Erklärungen bereit. Lüstern greift der junge Teufel der römischen Justitia (Yvonne Kopp) an den ihn reizenden Hintern und hinterlässt darauf die Spur seiner rußgeschwärzten Hand. Vergeblich hatte ihn seine Domina Frau Hölle (Ilona Röller) davon abzuhalten versucht.

„Gries eich Godd älle middanandr“, singt der weibliche Allerschaffer und Weltenherrscher (Carmen Roth) bei seinem Erscheinen als „Herrgöttle von Biberach“ im Rokokokostüm mit Perücke.

„I hauna gfonda, der hogged auf ema Birabaum“, verkündet der als heiliger Antonius von Padua verehrte „Schlamperdone“ (Charly Gretzinger) das Ergebnis seiner Suche nach dem Grund des Ausbleibens der Toten in Himmel und Hölle.

Jeder in der mit mehr als 400 Zuschauern rappelvollen Römerhalle hatte begriffen, warum der Staatspreis für Amateurtheater in der Kategorie Mundarttheater bei 19 Bewerbungen dem unter der Regie von Roland Röller agierenden Theater Emerkingen zufallen musste.

Den „Goldschätzla“ Susi Halder und Rosi Maurer mit Gitarre und Ziehharmonika aus Bogenweiler bei Saulgau war es vorbehalten, nach mehreren ,Zwischenaktmusiken“ einen glänzenden Abend mit dem Kanon „Karle trag du da Schirm““ und dem stimmungsgeladenen „Schiddschdoi-Liad“ bravourös zu beschließen.

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