So wird in Emeringen Schnaps gebrannt

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 Elmar Mößlang (von links) mit Stefan Endlichhofer, seiner Frau Petra und deren Kinder Mia und Max beim Schaubrennen.
Elmar Mößlang (von links) mit Stefan Endlichhofer, seiner Frau Petra und deren Kinder Mia und Max beim Schaubrennen. (Foto: Friedrich Hog)
Friedrich Hog

Sichtlich wohl fühlt sich der Emeringer Elmar Mößlang in seiner Brennerei mit angeschlossenem Laden. Dort verkauft er selbstgemachte Brände, Geiste und Liköre. Am Sonntag öffnete er seine Räume, und führte vor, wie innerhalb von zwei Stunden aus 140 Litern vergorener Apfelmaische wenige Liter Apfelbrand entstehen.

Stoffbesitzer Stefan Endlichhofer aus Ulm hat in drei Fässern 140 Liter seiner Apfelmaische von der eigenen Streuobstwiese nach Emeringen gebracht. Diese hatte er rund zwei Monate zuvor mit einem großen Rührgerät aus fehlerfreien Äpfeln zubereitet, seither war durch Gärung Alkohol entstanden. Mit einer Saugpumpe zog Elmar Mößlang die Flüssigkeit in die Brennblase seiner seit Dezember 2017 betriebenen Brennanlage.

Alkoholdampf wird destilliert

Die Brennblase liegt direkt im heißen Wasserbad des Kessels, das nach 30 Minuten 100 Grad Celsius erreicht. Ab 76,3 Grad steigt der Alkoholdampf hoch, dieser wird in der Anlage destilliert, also gekühlt. Das ist der Vorgang des Herausbrennens des Alkohols aus der Maische.

Nun begann der Vorlauf in einen Edelstahleimer zu laufen, zum Einreiben oder Fensterputzen geeignet, aufgrund seines Methanolgehalts aber nicht zum Verzehr. Rasch ging das Destillat in das brauchbare Herzstück über, wobei Mößlang durch Probieren feststellt, ab wann keine nach Klebstoff oder Nagellackentferner schmeckenden Anteile mehr vorhanden sind. Am Ende des Brennvorgangs verliert das Destillat zunehmend an Geschmack, weshalb der Nachlauf wieder gesondert aufgefangen wird, geeignet für die Herstellung von Kosmetik.

Brand muss ruhen

Elmar Mößlang hat in einem einwöchigen Brennerkurs an der Uni Hohenheim die Kunst und die Tricks des Brennens erlernt. Den Apfelbrand vom Sonntag hat er zum Beruhigen gelegt, wird ihn in sechs Wochen mit weichem Schwarzwaldwasser verschneiden, dann nochmals zur Ruhe legen, und schließlich abfüllen.

Ich strebe nur sortenreine Brände und höchste Qualität an, und bin stolz auf meinen Zwetschgenbrand, den ich auch aus dem Eichenfass und sogar aus dem Maulbeerbaumfass anbiete.

Elmar Mößlang

Der Brand muss dann zwischen 37,5 und 42 Prozent Alkohol enthalten, was auf 0,3 Prozent genau auf dem Etikett anzugeben ist. Elmar Mößlang darf als Kleinbrenner im Jahr 300 Liter erzeugen, was er dokumentieren muss, da der Zoll jederzeit unangemeldet zur Kontrolle erscheinen kann. Am Ende des Brennvorgangs waren rund zwei Liter Vorlauf, vier Liter Herzstück mit 81 Prozent Alkohol, und zwei Liter Nachlauf entstanden.

Breite Auswahl

Stefan Endlichhofer war zum vierten Mal mit seiner Maische in Emeringen, und kannte sich bereits aus. Interessenten erklärte Elmar Mößlang laufend die Vorgänge in der Brennerei. Im Laden verkauft er neben Apfelbrand u.a. Himbeer-, Holunder-, Kräuter und Haselnussgeist, Bierbrand, und Birnen-Honig-Likör oder Johannisbeerlikör. „Eine gute Maische bringt beim Brennen einen guten Ertrag“, so Mößlang, der hauptsächlich von Dezember bis März brennt, und in der übrigen Zeit Liköre zaubert.

„Ich strebe nur sortenreine Brände und höchste Qualität an, und bin stolz auf meinen Zwetschgenbrand, den ich auch aus dem Eichenfass und sogar aus dem Maulbeerbaumfass anbiete.“ Und empfehlenswert ist auch der Apfelbrand aus Cox Orangenrenette.

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