Zwei bisher Unbesiegte hat’s erwischt

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Während sich die Tübinger über ihren Sieg gegen Ehingen-Süd freuten, war die Enttäuschung bei den erstmals in dieser Saison gesc
Während sich die Tübinger über ihren Sieg gegen Ehingen-Süd freuten, war die Enttäuschung bei den erstmals in dieser Saison geschlagenen Kirchbierlingern (links Ilir Tupella) groß. (Foto: SZ- aw)
Schwäbische Zeitung

Der verflixte fünfte Spieltag. In der Saison 2019/20 hatte es den SSV Ehingen-Süd nach zehn Punkten aus vier Spielen in der Fußball-Verbandsliga erstmals erwischt, 2020/21 wiederholte sich die Geschichte: Am fünften Spieltag am vergangenen Samstag setzte es bei der TSG Tübingen (0:2) genauso die erste Niederlage wie vor einem Jahr beim rund 20 Kilometer östlich von Tübingen beheimateten VfL Pfullingen (1:2). Damals wie diesmal überholte der erfolgreiche Gegner in der Tabelle die Kirchbierlinger, die vor einem Jahr Rang vier und nun Rang sechs belegen.

In beiden Spiele, 2019 und 2020, war mehr drin für Ehingen-Süd. Am Samstag in Pfullingen hatte Süd in der ersten Halbzeit mehr Tormöglichkeiten als der Gegner, traf zweimal den Pfosten und war weitere Mal aussichtsreich im gegnerischen Strafraum. „Wir brauchen einfach zu viele Chancen“, sagte SSV-Trainer Michael Bochtler, der dies schon nach den vorangegangenen Spielen bemängelt hatte. „Das war in den letzten Wochen unser Manko: Wir lassen zu viel aus.“ Doch bis Samstag hatte es sich nicht negativ ausgewirkt, mit Ausnahme von der Partie in Friedrichshafen, wo die Mannschaft aber immerhin ein Punkt holte. Gegen Tübingen blieb aber jeglicher Ertrag aus – auch weil sich Süd in der zweiten Halbzeit keine klaren Möglichkeiten mehr erspielte.

In den zweiten 45 Minuten lief das Spiel ganz nach Gusto der TSG. Lars Lack brachte die Tübinger wenige Minuten nach Wiederanpfiff in Führung, nach nicht einmal einer Stunde erhöhte Jonas Frey auf 2:0 – was dem Gastgeber zupass kam. „Die Tübinger haben dann auf 4:5:1 umgestellt und sich nach der Führung zurückgezogen“, so Bochtler. Aber nur, um die Gäste mit ihren schnellen Offensivleuten auszukontern. Und Gelegenheiten dazu ergaben sich immer wieder, weil Süd wiederholt den Ball im Spielaufbau verlor. Mehrmals hatte Tübingen die Gelegenheit zum 3:0, doch der Heimelf fehlte nun das Glück im Abschluss oder sie war nicht mehr so konsequent. „Wir müssen unsere Chancen nutzen“, sagte TSG-Trainer Michael Frick. Sogar einen Strafstoß vergab Tübingen, Lars Lack chipte den Ball in lässiger Panenka-Manier – anders als beim Tschechen im EM-Finale 1976 verfehlte Lacks Versuch das Tor. Frick nahm’s seinem Spieler nicht krumm. „Lars hat so viel für unser Spiel getan und auch den Elfmeter herausgeholt“, sagte der Tübinger Trainer. „Er darf weiter Elfmeter schießen.“

Der Fehlschuss ließ Süd in der Hoffnung, das Spiel noch zu drehen – und die Gäste bemühten sich auch darum. Doch waren sie seit der Elfmeter-Situation in Unterzahl, der neue Kapitän Kevin Ruiz hatte die Gelb-Rote Karte gesehen. Und so wurde es nichts mit dem Umschwung. „Wir konnten an dem Tag nicht“, sagte Trainer Bochtler, den das Spiel auch nach Abpfiff auch noch auf eine unerwünschte Art beschäftigte: Bochtler fuhr mit Innenverteidiger Jan-Luca Daur, der sich in der zweiten Halbzeit bei einem Zusammenprall in der Luft mit seinem Teamkollegen und Torhüter Fabian Heiland sowie TSG-Stürmer Tim Steinhilber eine Platzwunde zugezogen hatte, ins Tübinger Klinikum. Dort wurde die Wunde mit etlichen Stichen genäht. Es war ein unerwünschter Ausklang eines für Süd unglücklichen Gastspiels.

Nicht nur Ehingen-Süd musste am Samstag die erste Punktspielniederlage der neuen Saison hinnehmen, sondern auch der TSV Berg, der bereits am Mittwoch in Kirchbierlingen antreten muss. Berg hatte bis dahin alle möglichen Punkte geholt, ehe es nun gegen den bisher durch schwankende Leistungen aufgefallenen Aufsteiger Türk Spor Neu-Ulm zu Hause ein 0:2 gab. TSV-Trainer Oliver Ofentausek schrieb das Ergebnis weniger dem Gegner als seinem Team zu. „Das war ein Desaster heute“, sagte ein „komplett enttäuschter“ Ofentausek, der es dabei nicht beließ. „Man hat heute keinen Tabellenführer gesehen, sondern man hat Überheblichkeit gesehen. Wir hatten in den Zweikämpfen keine Präsenz. Wahnsinn.“ Die angesprochene Überheblichkeit machte der Trainer auch an dem verschossenen Strafstoß von Kapitän Moritz Fäßler nach 20 Minuten fest. „Einen Elfmeter muss man mit voller Überzeugung schießen. Aber das war eine Rückgabe“, so Ofentausek.

Bei Türk Spor, das derzeit mit personellen Problemen kämpft, freute man sich über den unerwarteten Coup – eine Woche nach der 0:5-Schlappe gegen Tübingen. „Es war schon etwas kurios“, sagte Neu-Ulms Trainer Ünal Demirkiran. Seine Mannschaft hatte einige Zeit gebraucht, um mit der Spielweise von Berg, lange Bälle und frühes Pressing, zurechtzukommen. „Wir hatten aber eine Idee und setzte Nadelstiche“, so Demirkiran. Mit Erfolg: Nach etwas mehr als einer halben Stunde setzte Alper Begceci, Ex-Profi des FC Heidenheim und der Ulmer Spatzen, den Ball in den Torwinkel. Türk Spor verteidigte das 1:0 in der zweiten Halbzeit bis in die Schlussminuten, dann sorgte Serdar Özkaya nach einem Konter für das 2:0 der Neu-Ulmer, die am Mittwoch ungeplant einen freien Abend haben. Während die Konkurrenz den sechsten Verbandsliga-Spieltag absolviert, muss die Partie gegen Calcio Leinfelden-Echterdingen verlegt werden. In Bayern, also auch Neu-Ulm, dürfen erst am Wochenende wieder Spiele stattfinden und der geplante Tausch des Heimrechts kam nicht zustande.

Die Corona-Pandemie ist weiter ein Thema und verändert auch bei den Fußballern Pläne. In der Landesliga wurde am Freitag wenige Stunden vor dem vorgesehenen Anpfiff die Partie des SV Kehlen gegen Eschach abgesetzt. Der Grund war ein Corona-Fall im Umfeld des SVK. „Wir hatten am Montag einen Trainingsgast, der am Mittwoch dann positiv getestet wurde“, sagte Vorstandsmitglied Josef Kesenheimer. Am Donnerstag wurde der SV Kehlen über den Positivbescheid informiert und erhielten tags drauf die Nachricht, dass eine Ansteckung innerhalb der Mannschaft nicht auszuschließen sei. Nach Rücksprache mit dem örtlichen Gesundheitsamt und dem Württembergischen Fußballverband wurden das Landesliga-Spiel des SVK sowie die Partie von Kehlen II in der Kreisliga abgesagt. Kesenheimer: „Es wurde uns gesagt, dass wir im Fall einer weiteren Infektion haften. Da war für uns sofort klar, dass wir nicht spielen werden.“ (aw)

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