Wommy Wonder und die Ehinger Wurzeln

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Wommy Wonder erinnerte an die Zeit in Ehingen.
Wommy Wonder erinnerte an die Zeit in Ehingen. (Foto: SZ- khb)

Vor rund 500 Besuchern hat „Fräulein Wommy Wonder“, Baden-Württembergs wohlbekanntester Travestie-Künstler, am Sonntagabend mit seinem aktuellen Programm „Echt jetzt?!“ eine bunte Mischung aus Kabarett, Comedy und Chansons abgeliefert. „Schwaben ist Ekstase, das gibt’s nur in Ehingen“, freute sich „Fräulein Wommy Wonder“ über den stehenden Applaus der Zuschauer am Schluss der Show.

In Ehingen wolle er seine „35 Jahre Wommy-Jubelwochen“ starten, erzählte der Travestie-Künstler am Rand des Auftritts in der Lindenhalle. Als Schüler im „Ehinger Kasten“ habe er damals seine „ersten Schritte auf der Bühne“ gemacht, so Michael Panzer, der sich seitdem auf der Bühne in „Fräulein Wommy Wonder“ verwandelt. Im Federboa-Mantel, rotem Glitzer-Mini, auf hohen Stöckelschuhen und mit der bekannt-kultigen Wommy-Kunststoff-Frisur auf dem Kopf kam Wommy Wonder mit geschätzten 2,40 Metern Größe auf die Lindenhallen-Bühne. „Ich bin sicher doppelt so groß wie Norbert Blüm und will Sie mitnehmen auf eine Reise ans Ende des Verstandes“, sagte Wommy charmant, um sofort bissig nachzulegen: „Aber das wird für manche sicher nur ein Kurztrip.“ Travestie sei nichts Versautes, „es sei denn, man macht es richtig“, erklärte Wommy Wonder dem Ehinger Publikum zum Einstieg und erinnerte sich dann ironisch an die Zeit in Ehingen, in „der City, who never wakes up“. „Wenn Fremde hierher fahren und schon denken, dass da sicher nichts mehr kommt, dann kommt bald Nasgenstadt. Und dahinter liegt Ehingen“, verteilte Wommy Wonder, die sich gerne an die „Ehinger Kasten-Zeit“ erinnert, kleine Seitenhiebe, um kurz danach charmant festzustellen, dass „Ehingen eben das Epi-Zentrum des Schwäbischen“ sei. Während der knapp dreistündigen Show jagte ein flotter Spruch den nächsten. So bekamen „Macho-Männer auf Frauenparkplätzen“ genauso ihr Fett ab, wie die „strunz-sprudel-blöde Generation“ der Handygucker, die meinen, dass „Gugelhupf mit Doppel-O“ geschrieben werde.

„Moral des Wegsehens“

Immer wieder unterbrach Wommy Wonder ihre „Gag-Kanonade“ mit teils nachdenklichen Chansons, die von der „Moral des Wegsehens“, „fehlender Kultur in der bildungsfernen Gesellschaft“ oder netten Erinnerungen an die eigene Oma handelten. „So was hättet ihr von der großen Transe wohl gar nicht erwartet. Oder?“, fragte Wommy Wonder das Ehinger Publikum und legte mit Gedanken zur „Erotik des Schwaben“ nach: „Auch in höchster Ekstase ist der Schwabe immer kontrolliert“, so Fräulein Wommy Wonder. Und weil sich Wommy für das Ehinger Publikum in ihre zweite TV-bekannte Bühnenfigur der „Raumpflegerin Elfriede Schäufele“ verwandeln wollte, überbrückte der Chansonier Wolfgang Seljé die Umziehpause mit „Welthits auf Schwäbisch“. Da wurde Bob Marleys „No Woman, no Cry“ zu „Do num und do nei“, aus „Guantanamera“ wurde ein Friseur-Song mit der Frage „Kaa do no mehr ra“ und der Beatle-Hit „Let it be“ hieß in der Schwaben-Version „Dät I nie“. Dann stürmte Elfriede Schäufele in den Zuschauerraum, betonte dass sie esse wie ein Spat, „immer das doppelte des Körpergewichts“, freute sich über Männer mit Schnauzbart, weil die „beim Küssen gleich die Zähne reinigen“ und bekannte sich zu ihrer „Anti-Sport“-Neigung mit dem Reim: „Schwimmen und Turnen füllt Gräber und Urnen“. Am Schluss forderte der lange Applaus eine Zugabe, die Wommy Wonder und Wolfgang Seljé mit dem gemeinsamen Udo Jürgens-Song „Ich wünsch Dir Liebe ohne Leiden“ erfüllten. Und im Foyer der Lindenhalle stellte sich Wommy nach der Show für jede Menge Fotos und Autogramme zur Verfügung.

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