„Wir werden ein paar Zeichen setzen“

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„Wir hatten nie an Domenik gezweifelt“: Steeples-Teammanager Nico Drmota (links) im Gespräch mit Trainer Reinboth.
„Wir hatten nie an Domenik gezweifelt“: Steeples-Teammanager Nico Drmota (links) im Gespräch mit Trainer Reinboth. (Foto: SZ-Archiv: mas)
Schwäbische Zeitung

Der Basketball-Zweitligist Team Ehingen Urspring hat ein bewegtes Jahr hinter sich. Nach der Saison 2017/18 standen die Steeples als Absteiger aus der ProA fest und blieben nur in der Liga, weil Köln freiwillig ausstieg. Die Mannschaft wurde im Sommer stark verändert und spielt in der laufenden Runde eine ganz andere Rolle. Nach 16 Spieltagen hat das Team von Trainer Domenik Reinboth schon so viele Siege wie in der gesamten Vorsaison, mit Platz neun bewegt man sich im gesicherten Tabellenmittelfeld. Mit dem Steeples-Teammanager Nico Drmota sprach SZ-Redakteur Andreas Wagner über das Auf und Ab im Basketballjahr 2018, Gründe für Erfolg und Misserfolg, die Entscheidung für die ProA und eine mögliche Erweiterung des Sponsorenpools.

Wenn Sie spontan zurückblicken auf das Steeples-Jahr 2018: Was bleibt hängen?

Ich ziehe den Vergleich zwischen dem ersten und dem zweiten Halbjahr. Mit den gleichen Mitteln, aber aufgrund von ein paar Kleinigkeiten ist es zum Positiven umgeschwenkt. So schlecht die vergangene Saison war – im März standen war da und waren abgestiegen – so schön ist zu sehen, wie wir in der laufenden Saison spielen. So hat ein tubulentes Jahr ein besinnliches Ende gefunden.

Wie sehr genießt man es, auf Rang neun zu sehen – nach den vergangenen zwei Jahren mit Abstiegskampf von Saisonbeginn bis -ende?

Abstiegskampf hatten wir in der ProA fast immer, bis auf ein Jahr mit Ralph Junge und Virgil Matthews, als wir die Play-offs erreicht haben. In der Saison 2012/13 war das, glaube ich, auf jeden Fall ist es schon eine Weile her. Aber acht Siege an Weihnachten zu haben, ist natürlich ein gutes Gefühl.

Warum lief es in der vergangenen Saison nicht rund? Lag es am Verletzungspech, von dem der Verein gebeutelt wurde?

Da kam vieles zusammen. Ein wichtiger Punkt ist aber, dass Domenik jetzt Luft hat, sich rein um das Sportliche zu kümmern, weil mit Johannes Hübner für das Außersportliche und mit Merlin Opitz als Nachwuchstrainer zwei hauptamtliche Kräfte dazugekommen sind. Das erscheint als Kleinigkeit, aber es macht sehr viel aus, denn jeder kann sich jetzt auf das konzentrieren, wofür er da ist.

Das heißt, diesmal war mehr Zeit für die Kaderplanung?

Es gab viel Zeit für Gespräche mit möglichen neuen Spielern und man hatte auch mehr Gelegenheit, in die Jungs reinzuhören. Es ist viel Zeit dafür aufgebracht worden, um die Mannschaft zu formen und um bestens vorbereitet in die Saison zu gehen. Im Jahr davor war der Trainer auch noch stark involviert in die Sache mit der neuen Halle, jetzt konnte er sich zu 100 Prozent auf seinen wirklichen Aufgabenbereich konzentrieren.

Die Kaderzusammenstellung erscheint angesichts der vorhandenen Mittel perfekt zu sein. Als einer von ganz wenigen Klubs in dieser ProA-Saison und anders als in den vergangenen Jahren haben die Steeples bisher keinen Spieler ausgetauscht oder nachverpflichtet. Es stimmt also in der Mannschaft.

Unsere jetzige Mannschaft ist eine, die um jeden Preis gewinnen will. Die Spieler gehen mit viel Intensität zu Werke, jeder will besser werden. Das ist schön zu sehen. Es ist eine Gruppe, die gut zusammenpasst, insofern hatten wir ein glückliches Händchen.

Auffällig ist, dass die neu verpflichteten deutschen Spieler alle von US-Colleges kamen; in den vergangenen Jahren hatte man noch Spieler geholt, die bei BBL- oder anderen Zweitliga-Vereinen nicht so zum Zug kamen. Standen dahinter finanzielle Erwägungen, da die aus den USA zurückgeholten Spieler keine BBL- oder ProA-Erfahrung hatten und somit günstiger waren?

Die Jungs sind gut, deshalb haben wir sie geholt und deshalb waren sie auch auf dem College. Allerdings haben einem Gianni Otto, einem Tim Hasbargen oder Dominique Uhl nicht viele in Deutschland die ProA-Tauglichkeit bescheinigt. Aber genau das beweisen sie gerade und sie genießen bei uns auch das Vertrauen.

Finanzielle Gründe hatten diese Verpflichtungen aber auch.

Ja. Aber entscheidend bei diesen Jungs ist, dass wir sie aufs nächste Level bringen und zusammen eine erfolgreiche Saison spielen wollen. Gerade die Spieler vom College wollen sich beweisen.

Noch einmal zurück ins Frühjahr. Wie schnell war klar, nachdem man sportlich als Tabellenvorletzter abgestiegen war, dass sich mit Köln ein Verein freiwillig aus der ProA verabschieden und Ehingen Urspring in der zweithöchsten Spielklasse bleiben würde?

Anfangs hatten wir uns mit der ProB auseinandergesetzt, mit den Vorschriften und Regularien, die in dieser Liga gelten. Knapp vier Wochen lang haben wir nur in Richtung ProB gedacht, bis die ersten Rufe kamen und schließlich ein Anruf von Daniel Müller (Geschäftsführer der Zweiten Basketball-Bundesliga; Anm. d. Red.), der wissen wollte, ob wir bereit wären, weiter in der ProA zu spielen.

Wie intensiv waren die Diskussionen, ob man in der ProA bleiben sollte oder ob nicht ein Neuanfang in der ProB besser wäre?

Domenik und ich riefen unsere Vereinsmitglieder zu einer Versammlung zusammen und klärten darüber auf, was beide Szenarien bedeuten würden. Der Grundton bei den Mitgliedern war zunächst, in der ProB zu spielen mit den Argumenten, wieder mehr Siege zu erzielen, vorne mitzuspielen und aufzusteigen. Doch mit unserem Etat hätten wir in der ProB nicht sofort um den Wiederaufstieg gespielt. Es wäre definitiv kein Selbstläufer geworden. Aber wir wären nicht mit weniger Infrastruktur ausgekommen, alles hätte so weiterlaufen müssen. Es ist einfacher, in der ProA zwei Mannschaften hinter sich zu lassen als in der ProB aufzusteigen. Das haben wir versucht klarzumachen und am Ende gab es eine einheitliche Meinung für den Verbleib in der ProA.

Hinter den Überlegungen der Verantwortlichen stand also die Sorge, auf absehbare Zeit nicht wieder hochzukommen in die ProA?

Das wäre ein realistisches Szenario gewesen. Und für Spieler wie Hasbargen oder Uhl ist die ProA einfach attraktiver. Außerdem hatte Kevin Yebo nur einen Vertrag für die ProA und mit Seger Bonifant hätten wir über die ProB gar nicht erst reden müssen.

Nachdem der Verbleib in der ProA klar war: Gab es Überlegungen, den Etat für 2018/19 aufzustocken?

Wir haben eine ganz gute und stabile Basis an Sponsoren, darunter die AOK, die ihr Engagement erhöht hat, gerade mit Blick auf unsere Nachwuchsarbeit. Der Etat ist nicht mal eben explodiert, aber aufgrund dessen, dass wir mit Hübner und Optiz zwei weitere hauptamtliche Mitarbeiter haben, wurde er angepasst.

Finanziell zu Buche schlagen auch immer wieder die Auflagen von der Liga. Was ist da in naher Zukunft zu erwarten?

Zur nächsten Saison werden LED-Banden in der Halle Pflicht. Die haben wir noch nicht. Andererseits erfüllen andere Vereine schon jetzt Auflagen nicht, in einzelnen Hallen wird noch mit Hängekörben gespielt statt mit Standkörben. Dafür zahlen die Vereine enorme Strafen.

Besser also, die Auflagen zu erfüllen. Wie teuer kämen LED-Banden?

Die Anschaffungskosten betragen einmalig knapp 50 000 Euro.

LED-Banden bieten doch weitere Vermarktungsmöglichkeiten. Lassen sich daraus nicht zusätzliche Einnahmen erzielen?

Ich sage nicht, dass eine LED-Bande nicht einträglich ist. Aber viele unserer Sponsoren sind schon seit Jahren dabei und haben ihr Budget fürs Basketball.

Erhöhen die guten Leistungen der Mannschaft in dieser Saison und die Erfolge nicht die Attraktivität für Geldgeber?

Wir zeigen in dieser Saison gute Spiele, sind eine Heimmacht. Die Spiele sind gut besucht, es herrscht eine gute Stimmung. Auch die Kooperation mit den TTF (der Tischtennis-Bundesligist aus Ochsenhausen trägt seine Heimspiele in dieser Saison in Ehingen aus; Anm. d. Red.) ist lebendig, da findet ein großer Austausch statt. Was die Ausweitung des Sponsorings angeht, stellt sich aber die Frage, wie viel Ehingen noch hergibt. Wir haben bereits jetzt ein großes Netzwerk.

Über Ehingen hinaus kommt man schnell in den Einzugsbereich anderer Profivereine, beispielsweise Ulm, das in der BBL spielt und eine andere Anziehungskraft besitzt.

Spätestens bei Erbach hört es für uns auf, da orientiert man sich nach Ulm. Für uns geht es eher Richtung Riedlingen und Biberach. Die Frage ist, ob sich jemand dort auf Basketball einlässt und Emotionen damit verbindet.

Wie derzeit das Ehinger Publikum.

Wir haben Emotionen und Freude bei den Leuten entfacht. Man merkt: Die Ehinger haben wieder Spaß am Basketball, identifizieren sich mit der Mannschaft. Das bringt natürlich auch der Erfolg mit sich.

Dass die Steeples nach 16 von 30 Hauptrundenspieltagen acht Siege und damit 16 Punkte haben, dürfte eine gewisse Planungssicherheit bringen. Richtet sich der Blick der Verantwortlichen bereits auf eine weitere ProA-Saison?

Unserer Fokus liegt noch ganz auf der laufenden Saison. Wir hatten kürzlich vier Siege in Folge, da haben uns manche schon in den Play-offs gesehen, dann gab es drei Niederlagen nacheinander. Ich sehe mit Chemnitz und Hamburg zwei Teams, die vornweg marschieren, aber auch geschlagen werden können. Vielleicht reichen in dieser Saison zehn Siege nicht zum Klassenerhalt, vielleicht braucht man zwölf oder 13 und das wäre schon ein Batzen. Es wird auch noch viel investiert werden in dieser Liga, teils ist das schon jetzt der Fall.

Die Steeples profitieren bisher auch davon, dass sie von verletzungsbedingten Ausfällen dieser Saison verschont blieben.

Klar, das spielt eine Rolle. Wenn beispielsweise Ray Simmons oder Tanner Leissner ausfallen würden, dann ändern sich sicher ein paar Vorzeichen. Daher waren wir auch dankbar über die Pause über Weihnachten und Neujahr. Ray hat man in den Spielen davor schon angesehen, dass er eine Pause braucht. Ab März hatte er eine komplette Saison in Australien gespielt und wenige freie Tage, bevor er zu uns kam. Das hat man gemerkt.

Im Frühjahr war lange offen, ob Domenik Reinboth Trainer bleibt. Schließlich hat er verlängert – auch zu Ihrer Erleichterung. Hatten Sie nie Zweifel, dass er der richtige Mann für Ehingen Urspring ist?

Wir haben nie an Domenik gezweifelt und immer zu ihm gehalten. Er ist defnitiv für uns der richtige Trainer, die richtige Persönlichkeit. Domenik ist aus Ehingen und Urspring nicht wegzudenken. Auch seine Kinder und seine Frau fühlen sich hier wohl. Ihm ging es bei der Vertragsverlängerung um die weiteren Perspektive, wie wir uns aufstellen und ihn entlasten.

Für die kommende Saison wird man sicher versuchen, die aktuell erfolgreiche Mannschaft zusammenzuhalten. Wie stehen die Chancen?

Das wird die nächste Herausforderung. Wir wissen, dass manche Spieler Begehrlichkeiten geweckt haben. Aber wir werden ein paar Zeichen setzen.

Was die Weiterentwicklung angeht: Welcher Spieler hat Ihnen in der Vorrunde besonders gefallen, wer hat Sie am meisten überrascht?

Ich will das nicht an einzelnen Spielern festmachen. Schön ist, dass jeder seinen Part ausfüllt. Ein Kevin Strangmeyer macht keine 15 Punkte pro Spiel, aber er erfüllt seine Aufgaben. Oder ein Franklyn Aunitz, der dankbar dafür ist, dass er sich im Training gegen Ray Simmons und Gianni Otto beweisen kann. Als Gianni gegen Baunach nicht spielen konnte, war Franky 20 Minuten auf dem Feld und hat viel Energie reingebracht. Es wäre nicht fair, einzelne Spieler herauszuziehen. Es ist eine Mannschaft und vielleicht ist das auch der Unterschied zur vergangenen Saison.

Die Spieler hatten jetzt ein paar Tage Pause, die Verantwortlichen sicher auch. Oder drehten sich die Gedanken auch in den vergangenen knapp zwei Wochen verstärkt um Basketball?

Nein, man hat schon abgeschaltet. Ich haben mit den Jungs von der NBBL, als sie in den USA waren, telefoniert, aber ansonsten gab es wenig Basketball.

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