Wenn Hörerlebnisse zu Skulpturen werden

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Künstlerin Mirja Wellmann mit einer Skulptur.
Künstlerin Mirja Wellmann mit einer Skulptur. (Foto: SZ- kö)

Die Ausstellung der Skulpturen von Mirja Wellmann wird am Sonntag in der Städtischen Galerie im Speth’schen Hof eröffnet. In riesigen Umzugskartons sind ihre Werke dort angekommen, die Künstlerin selbst, Volker Sonntag und Anne Linder suchen den richtigen Platz.

Das Besondere an den Werken der Mirja Wellmann ist, dass sie zuvor Gehörtes zu einem Kunstwerk zusammenfügt, so entstehen skulpturale Geflechte, Hörnester und Hörwolken.

Stundenlang nimmt die Künstlerin die Geräusche eines Ortes in sich auf, protokolliert sie sorgfältig und sägt dann aus, was sie gehört hat. An ihrem Wohnort Mehrstetten hat sie das Schnauben von Pferden, Hahnenschreie, Kirchenglocken, einen Traktor, den Lärm eines Sägewerkes und einer Schreinerei sowie das Summen einer Fliege in einer Skulptur vereinigt. „Ich schreibe zuerst die Geräusche auf, dann stelle sie dar, man soll es wie ein Notenblatt lesen können“, erklärte Mirja Wellmann ihre Arbeitsweise. Und damit der Betrachter weiß, welche Geräusche von welchem Ort er hört, hat sie die GPS Daten der Skulptur als Titel gegeben.

Seit 2002 arbeitet die Künstlerin so, nimmt immer wieder andere Orte als Motiv. Unendlich viele Geräusche hat sie in München eingefangen, neben den Geräuschen einer Stadt mit viel Verkehr aber auch Vögel und Blätterrauschen.

Einmal hat Mirja Wellmann 16 Stunden mit nur einer kurzen Pause gelauscht, Papier und Stift als Begleiter. „Das Schreiben hält die Aufmerksamkeit hoch. Das Manuskript nehme ich dann als Basis und säge aus“, sagte sie.

Eine Woche war sie in der Galerie und hat die unterschiedlichen Geräusche eines jeden Tages aufgezeichnet und umgesetzt, am Montag war es sehr windig, die Jalousien klapperten, am Dienstag waren die Tauben sehr aktiv, der Mittwoch bot keine speziellen Geräusche, am Donnerstag waren es die im Haus selbst. Freitag trafen sich Jugendliche vor dem Fenster. Am Samstag hörte sie vom Sportplatz des Konvikts Trillerpfeifen, Klatschen und Schreien, am Sonntag die vorbeifahrenden Züge. „Für mich wird das alles zu einer Art Musik“, sagte Mirja Wellmann. In einem Raum können die Besucher eine Platte hören, auf der ihre Protokolle von fünf Orten vertont sind.

Körpergeräusche hat sie in eine Art Alphabet-System transponiert. Ein Porträt der Künstlerin zeigt auch der SWR am Donnerstag, 7. November, in seiner Reihe „Kunscht“ um 22.45 Uhr.

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