Wax: „Schwaben sprechen das wahre und richtige Deutsch“

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Hermann Wax (links) bei der Signierstunde im Ehinger Buchladen. (Foto: kö)
Schwäbische Zeitung
Barbara Körner

Hermann Wax ist der Sache auf den Grund gegangen und hat seine Erkenntnisse über die schwäbische Sprache und ihren Ursprung in seinem neuen Werk „ Heidablitz ond Wonderfitz“ humorvoll und wissenschaftlich fundiert beleuchtet.

Am Dienstagabend hat er es im Ehinger Buchladen vorgestellt. Danach hat der Schwabe gar keinen Grund, komplexbeladen und trotzig zu bekennen „wir können alles außer hochdeutsch“. Nein, nach Wax liegt das Schwäbische auf Augenhöhe mit sämtlichen europäischen Kultursprachen. Sein Beispiel: Butter - sagt der Schwabe „der Butter“, ziehen Nichtlandsleute die Augenbrauen in die Höhe – völlig ohne Grund. Im Griechischen und Lateinischen ist Butter – butyrum noch Neutrum, das in den meisten romanischen Sprachen – französisch le beurre, italienisch il burro – männlich wird. Ein Missverständnis bei der Übersetzung aus dem Lateinischen im Mittelalter machte Butter bei einer halben Nation Deutscher (dem nördlichen Teil) weiblich. Das Schwäbische dagegen entschied sich für das ursprüngliche korrekte „der Butter“.

Ähnliches geschah mit der Birne, in keiner europäischen Kultursprache enthält sie ein „n“, ebenso wenig im Schwäbischen, da heißt es „Bier“ oder bei mehreren „Biera“. „Das ist somit keine verkommene hochdeutsche Form“, sagt Wax in seinem Buch, sondern rühre von der Klosterlateinischen „pira“ her. Die Redensart, „das ist nicht mein Bier“ bezieht sich seiner Meinung nach nicht auf das Getränk, sondern die schwäbische „Bier“, die Frucht.

416 Wortgeschichten

Solcherlei amüsante sprachlich hochinteressante Geschichten hat Wax in seinem Buch zusammen getragen. Nicht trocken wie seine Etymologie der schwäbischen Sprache, sondern locker und heiter eher für den Alltagsgebrauch ist es gemacht. Schwäbisch für jeden Tag sollte es sein mit 365 Wortgeschichten hatte sich der Verlag gewünscht, 416 sind es geworden.

Das so gern gestohlene Ortsschild von Deppenhausen sagt überhaupt nichts über den Geisteszustand der Bewohner. Bei Wax ist zu lesen, der Name rührt von Tapo – einer Form des Dagobert her – und soll besagen, dass der kleine Ort an der B 311 einst zu dessen Herrschaft gehörte. 1375 hieß es noch Dappenhusen. „Es ist im schwäbischen Raum unheimlich viel Gruscht unterwegs“, sagte Wax zu den Versuchen, den heimatlichen Dialekt zu beleuchten. Bei ihm ist nachzulesen, dass das schöne Wort „Gruscht“, das kein hochdeutsches Gegenstück hat, einen militärischen Hintergrund hat. Im Althochdeutschen hieß alles, was einen Ritter kampffähig machte, „rust“, wurde im Mittelhochdeutschen zu „gerust“, schwäbisch gesprochen „gruuschd“. Und weil das Ganze bis zum nächsten Kriegseinsatz in der Gerust- oder schwäbisch „Gruschtkahmr“ in Friedenszeiten schon mal verstaubte, ist der Weg nachzuvollziehen zu unserem eigenen „Gruschd“ unterm Dach.

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