Warum der ständige Optimismus auf den Geist geht

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Patrizia Moresco hat in Ehingen ihre Welt erklärt.
Patrizia Moresco hat in Ehingen ihre Welt erklärt. (Foto: SZ- kö)

Die Kabarettistin Patrizia Moresco und die Mentaltrainerin Hedwig Mohl haben mit den Frauen und ein paar versprengten Männern im Franziskanerkloster einen unterhaltsamen Weltfrauentag gefeiert.

„Die Hölle des positiven Denkens“ hat Patrizia Moresco, gebürtige Stuttgarterin mit italienischen Wurzeln in Berlin lebend, ihr aktuelles Programm betitelt. „Wie soll man Gelassenheit zelebrieren, wenn man sieht, wer heute die Welt regiert. Das Rad dreht sich, aber der Hamster ist tot. Wir werden von Politkern mit einem Rückgrat wie eine Nachtschnecke durchregiert“, begann Moresco ihr Programm. Die gesamte Literatur über positives Denken geht ihr mit dem gebetsmühlenartig vorgegebenen Optimismus gehörig auf den Geist. „Egal wie zynisch man wird, heute muss man aus jeder Erfahrung etwas lernen. Auch wenn man mit verrecktem Motor an der Spitze eines Staus steht, sollte der erste Gedanke sein, Klasse zum ersten Mal Pole Position“, riet Moresco ihrem Publikum.

Selfies beim Bügeln

Dass die Menschheit zu Smartphone-Zombies mutiert ist, ist nicht neu, aber ein bei Kabarettisten sehr beliebtes Thema. „Wie einsam muss man sein, beim Bügeln Selfies zu machen. Likes bestimmen heute unseren Wert. Like mich doch am Arsch“, so die Kabarettsitin und fuhr fort mit weiteren Gags über den Smartphone-Gebrauch.

Die Essensgewohnheiten ihrer Mitmenschen war ein anderes Thema. „Schokolade auf der Zunge zergehen zu lassen, Mädels, gönnt euch diese Momente, denkt an die Frauen, die auf der Titanic das Dessert abgelehnt haben“, rief Morseco ihren Mitschwestern zu. Kalorienzählen sei traurig, fand sie, ihre gute Figur wird sie selbst fast im Seniorenalter auch nicht nur so halten können. Essen war überhaupt so ein unerschöpfliches Thema, Laktose-, Gluten- und weitere Intoleranzen machen das Kochen für eine große Runde zur Gratwanderung und ist so neu auch nicht. Von Smoothies, die aussehen wie früher der Froschteich, von Frauen mit aufgespritzten Lippen, die nur noch ungespritztes Gemüse essen, hatte sie es. Am besten war Patrizia Moresco, wenn sie ihre Chansons sang.

Den ersten Teil des Abends hatte Hedwig Mohl bestimmt mit ihrem Vortrag über die Achtsamkeit gegen sich selbst. „Alles wird gut – ja wann den endlich“ war ihr Thema. „Was mache ich, bis es soweit ist“, stellte Mohl in den Raum. Enkelkinder, nett sein, schön sein, bescheiden sein, für Andere denken, für Andere voraus denken, immer lächeln, immer zuvorkommend sein – so sieht Frau sich meistens. „Rufen Sie einen angemessenen Preis für ihre Leistung auf“, ermunterte Hohl ihre Zuhörerinnen und zitierte Marie Curie: „Man merkt nie, was schon getan wurde, sieht nur, was noch zu tun ist.“

Ein Zielbild nötig

Für Frauen würde es leicht, wenn sie ihr Ziel und ihre Koordinaten kennen, wissen, wo sie ankommen wollen, so Mohl. „Motivation hat zwei Richtungen, hin zu etwas, weg von etwas. Auf der Flucht trifft man keine guten Entscheidungen, entwickeln Sie hin zu ihrem Zielbild, das bringt Fülle“, riet die Mentaltrainerin. Ein Zielbild, so wussten ihre Zuhörerinnen, könnte ein neuer Mann, eine neue Arbeitsstelle, das Leben als Rentnerin sein.

Das seien radikale Gedanken, aber so begegne man Veränderungen aktiv, riet Mohl, „riskieren Sie es, es nicht allen recht zu machen. Der Sinn des Lebens kann es nicht sein, eine aufgeräumte Wohnung zu hinterlassen“.

Weiter fragte sie sich und ihr Publikum, „wie fühle ich mich am Ziel, woran erkenne ich meinen Erfolg, erfüllt mich die Freude, angekommen zu sein, fühle ich Dankbarkeit für das Erreichte“. Mit einem Zitat von Marie Curie beendete Mohl ihren Vortrag: „Sei weniger ängstlich vor Menschen, sei mutiger bei Ideen.“

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