Warum bei Baumfällarbeiten ein Pferd im Einsatz ist – und keine Maschine

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Das Pferd Finn RN zieht einen Stamm durch den Wald und ist dabei im Zwiegespräch mit Christel Erz.
Das Pferd Finn RN zieht einen Stamm durch den Wald und ist dabei im Zwiegespräch mit Christel Erz. (Foto: SZ- dtp)

Bei Baumfällarbeiten zwischen Erbstetten und Unterwilzingen ist derzeit ein Pferd im Einsatz. „Es ist meines Wissens der erste Versuch im Kreis mit einem Harvester (einer großen Holzernte-Maschinen) und einem Pferd“, sagt Revierförster Daniel Kugler. „Früher war der Einsatz von Pferden Standard, es gab nichts anderes.“ Jetzt kämen Pferde zwar wieder öfter zum Einsatz, doch sei das noch eher selten.

Es ist neblig im Wald. Immer wieder heult eine Motorsäge auf. Rums – fällt ein Baum um. Dann taucht ein Pferd zwischen den Bäumen auf – dunkelbraun mit heller Mähne. Hinter ihm steht Christel Erz und hält die Zügel in den Händen. Das Pferd setzt sich in Bewegung und zieht einen Baumstamm hinter sich her.

Nicht nur Waldromantik

Die Idee für den Einsatz des Pferdes hatte Daniel Kugler. „Ich habe es mir selbst überlegt“, sagt er, „ich fand es schon immer spannend mit Pferden“. Doch was sich erstmal nur nach Waldromantik anhöre, müsse auch ökonomisch Sinn machen. Bei den Baumfällarbeiten bei Erbstetten eigne sich der Einsatz des Tieres, weil die Baumstämme hier nicht allzu dick sind, erklärt der Förster. Hier gebe es vor allem Buchen, aber auch Eiche, Kirsche, Mehlbeere und Ahorn seien vertreten.

Bis Ende der Woche werden hier etwa 150 Festmeter geschlagen – Brennholz zur Versteigerung durch die Stadt. Der Bestand sei 60 bis 70 Jahre alt. Die Maschine mit seinem langen Arm könne von den Wegen her nur zehn bis zwölf Meter weit in den Wald reingreifen. Doch zwischen den Wegen würden mindestens 40 Meter liegen. Im Kerngebiet dazwischen nun könnten die Bäume von Hand gefällt werden und das Pferd könne die gefällten Bäume dorthin ziehen, wo die Maschine ohne Probleme hinkomme.

 Das Pferd bringt ringt die Stämme in Reichweite der Maschine.
Das Pferd bringt ringt die Stämme in Reichweite der Maschine. (Foto: dtp)

Im Einsatz neben Christel Erz und dem Schwarwälder Kaltblut Finn RN sind Karl-Heinz Fiederer, der den Harvester fährt und Johannes Eisele, der die Bäume mit der Motorsäge fällt. „Wir sind ein eingespieltes Team“, sagt Christel Erz, die in Machtolsheim einen Pferdehof führt und sich auch um waldpädagogische Angebote kümmert.

Insgesamt besteht das Team aus fünf selbstständigen Einzelunternehmern, die die Forstarbeit überregional zusammen ausführen. Erz hat fünf, sechs Pferde in ihrem Stall, die bei den Forstarbeiten mithelfen können. Die müssten dafür entsprechend ausgebildet werden, erklärt sie. „Das ist für sie ein Lehrberuf wie für uns im Handwerk“, sagt sie. Die Ausbildung dauere drei, vier Jahre. „Bis zum Meister dauert es fünf Jahre.“

Die Pferde müssten ruhig und leistungsbereit sein und bräuchten gute Nerven. Außerdem müssten sie über eine gewisse Intelligenz verfügen, „damit es im Team funktioniert und ich nicht alles fünfmal, sondern nur einmal sagen muss. Wir sind den ganzen Tag im Zwiegespräch.“ Das Pferd gebe das Tempo vor, betont Erz. „Ein Pferd passt vom Gefühl her einfach in den Wald“, findet sie.

Weniger Schäden

Der Einsatz eines Rückepferdes habe noch weitere Vorteile, erklärt Förster Kugler: Ohne tierische Hilfe müsse man die Bäume genau so fällen, dass der Schlepper rankomme, ein Harvester könne auch nicht so einfach in eine Baumkrone fassen. Nun hingegen könne man frei fällen, ein Pferd sei beim Abtransport zudem flexibler und könne leichter einen Weg zwischen den Bäumen finden. Es käme dann auch zu weniger Schäden.

Nach dem Test-Einsatz des Pferdes auf der vier Hektar großen Fläche bei Erbstetten wird Kugler die Aktion auch ökonomisch auswerten. „Natürlich ist es etwas teurer mit einem Pferd“, erklärt er. Doch er hoffe, dass sich die vielen Vorteile des Tiereinsatzes auch in den Zahlen niederschlagen und manches kompensieren. Und dann könnten auch weiterhin Pferde bei der Forstarbeit mithelfen.

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