Vor 70 Jahren beim Tanzkurs zueinander gefunden

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Oberbürgermeister Alexander Baumann (links) gratuliert Eleonora und Albert Dietz zur Gnadenhochzeit.
Oberbürgermeister Alexander Baumann (links) gratuliert Eleonora und Albert Dietz zur Gnadenhochzeit. (Foto: SZ- HOg)

Zwei Ehinger, die beim Tanzkurs zueinander fanden, begingen am Donnerstag ihren 70. Hochzeitstag. Oberbürgermeister Alexander Baumann brachte Eleonora und Albert Dietz zur Gnadenhochzeit einen Geschenkkorb der Stadt und verlas die Glückwünsche von Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte bereits schriftlich gratuliert.

„Bald heiraten, alt genug werden, und man darf nicht rosten“, so beschreibt der 90-jährige Albert Dietz das Geheimnis der langen Ehe. Seine 89-jährige Ehefrau Eleonora ergänzt „stets aufeinander zugehen ist das Rezept“. Aufeinander zugegangen sind beide 1947 mit 17, 18 Jahren beim Tanzkurs. „Wir kannten uns aus der Schule, beim Tanzkurs sind wir aneinander hängengeblieben“, beschreibt die Jubilarin den Beginn. „Ein Jahr nach der Währungsreform haben wir in der Liebfrauenkirche geheiratet, ich hatte mir ein weißes Hochzeitskleid geliehen.“

Geboren wurde Eleonora im Kino. Ihre Großmutter Maria Bührle war mit dem Leiterwagen von Wirtschaft zu Wirtschaft gefahren, und hat dort auf dem Klavier Stummfilme begleitet. Später war sie die Gründerin der Ehinger Lichtspiele und des Central Theaters. Ihre Tochter Martha Aich führte die Lichtspiele, sie war die Mutter von Eleonora, die eine Ausbildung zur Schneiderin absolvierte. Gearbeitet hat Eleonora als Hausschneiderin, und sie hat zwei Kinder großgezogen, den Sohn Wolfgang Dietz, und die Tochter Gabriela Kaissis-Dietz. Drei Enkel ergänzen die Familie, Urenkel gibt es noch keine.

Albert Dietz kam im Finanzamt zur Welt, wo sein Vater beschäftigt war, und begann 1943 eine Ausbildung zum Vermessungstechniker. Im Februar 1945 wurde er zum Reichsarbeitsdienst eingezogen. Gemeinsam mit dem späteren Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel diente er in Meßkirch, bis er die Entlassungspapiere erhielt, und für drei Tage in amerikanische Gefangenschaft geriet. Diese verbrachte er in der Geiselfabrik Isny. Am 7. Mai 1945 kehrte er unversehrt heim. Dazu durchschwamm er die Donau, da die Brücke bei Berg gesprengt war. Seine Ausbildung setzte er fort, machte zudem eine Ausbildung als Zimmermann und eine weitere Ausbildung zum Treppenbauer. 1953 fand er eine Anstellung beim Flurbereinigungsamt, wo er sich zum behördlich geprüften Vermessungstechniker und zum Ingenieur hocharbeitete, und bis 1989 tätig war. „1957 sind wir in unser jetziges Haus gezogen, das habe ich selbst geplant und vermaßt, und großteils in Eigenleistung errichtet. Als Zimmermann habe ich die Balken noch geschultert, was mir nichts ausmachte“, erinnert sich Albert Dietz, der 1960 den Führerschein erwarb.

Im Rentenalter ging das Ehepaar auf Reisen, mit Zelt und Wohnwagen. Bis Belgien und Holland sind sie gekommen, im Winter parkten sie den Wohnwagen in den Bergen und gingen Skifahren, im Sommer waren sie in Tirol zum Wandern. Heute dreht sich das Leben der Eheleute Dietz vornehmlich um ihren Haushalt. Sie kocht, er putzt und arbeitet im Garten. Tochter Gabriela schaut einmal pro Woche vorbei, so wie am Ehrentag, an dem sie auch den Kuchen gebacken hat. Fußball bis zur Landesliga, lange Jahre Jugendtrainer, Ehrenmitglied bei der TSG, Schachspiel, Malen und Musik sind die Hobbies von Albert Dietz, der berichtet: „Gestern haben wir André Rieu im Fernseher gesehen, und am Samstag feiern wir im Adler mit 90 Gästen unsere Gnadenhochzeit“. Eleonora Dietz ergänzt: „Wenn Fußball WM oder EM ist, dann schauen wir auch viel Fernsehen.“ So blicken Eleonora und Albert Dietz auf ein bewegtes und erfülltes Leben zurück, und ruhen sich nicht auf den Lorbeeren aus. „Die nächsten zen Jahre werden jetzt angegriffen“, verspricht der Jubilar, der sich zudem jeden Monat mit 15 Jahrgängern trifft.

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