Viele Zuhörer bei der Lesung im Ehinger Buchladen

Lesedauer: 3 Min
Mariana Leky las aus ihrem neuen Roman.
Mariana Leky las aus ihrem neuen Roman. (Foto: SZ- kurt Efinger)

Aus ihrem neuen Roman „Was man von hier aus sehen kann“ hat die Schriftstellerin Mariana Leky am Freitagabend im Ehinger Buchladen gelesen. Mehrere Wochen stand das Buch auf der Spiegel-Bestsellerliste und wurde zum „Lieblingsbuch der Unabhängigen Buchhändler“ gekürt.

Dies verwundert nicht angesichts einer in betörendem Rhythmus fließenden Sprache von starker Eindringlichkeit. Ihre lückenlose Fortsetzung findet sie in der äußerst angenehm akzentuierten Lesung der Autorin. Was dabei besonders beeindruckt, ist der Vortrag in einem geschliffenen Tonfall, der jedem Schauspieler zur Ehre gereichen würde. Die von Literatur in Fülle gerahmte Lesestube in der oberen Etage des Ehinger Buchladens bot den angemessenen Rahmen für einen ungetrübten Hörgenuss.

Hier Menschen gegenüber zu sitzen, finde sie spektakulär, befand Mariana Leky beim Anblick des den Raum füllenden Publikums. Drei Wochen habe sie in einem Kloster gelebt und nur drei Eselchen gesehen, erklärte sie die gewöhnungsbedürftige Situation, in der sie sich umgehend zurechtfand und ihr „Porträt eines Dorfes“ präsentierte.

Das Dorf liegt im Westerwald, dem mittleren Teil des rechtsrheinischen Schiefergebirges. Warum die Buchautorin die alte Selma immer von einem Okapi träumen lässt, wenn tags darauf jemand stirbt, hat ihrer Aussage nach seinen Grund in dem, dass Okapis die zuletzt entdeckten großen Säugetiere sind. Das Okapi , manchmal auch Waldgiraffe genannt, ist näher mit den Giraffen als mit anderen Paarhufern verwandt und ähnelt in seinen Proportionen eher typischen Huftieren als den Giraffen. Sollte sich eine solche etwa einmal folgenreich mit einem Zebra gepaart haben?

„Ihr müsst mehr Welt hereinlassen“, lautet eine Mahnung einer der Romanfiguren, in deren beschränkten ländlichen Raum irgendwann drei buddhistische Mönche bisher unbekannte Aspekte von Lebenswirklichkeit eröffnen. Frederik heißt einer von ihnen, hat blaue Augen und schaut Selmas Enkelin Luise, wie auch die Landschaft an. Sein Freund ist gestorben, weil er sich an eine nicht ordentlich geschlossene Regionalzugtüre gelehnt hat. „Das ist in etwa dasselbe“ ebnet Frederik den Unterschied der Herkunft aus Hessen oder aus dem Nichts ein. Das hat durchaus etwas für sich.

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