Viele Besucher bei der Ausstellungseröffnung

Lesedauer: 4 Min
Galerist Ewald Schrade (links) begrüßte viele Gäste zu seiner aktuellen Ausstellung.
Galerist Ewald Schrade (links) begrüßte viele Gäste zu seiner aktuellen Ausstellung. (Foto: SZ- hog)
Friedrich Hog

Wenn HAP Grieshaber ruft, kommen die Leute. Zunehmend mehr Leute, wie die Vernissage anlässlich des 110. Geburtstag des bedeutendsten deutschen Holzschneiders und Druckers am Sonntag im Schloss Mochental eindrücklich unter Beweis stellte. Unter den Gästen waren auch Landrat Heiner Scheffold und Ehingens Oberbürgermeister Alexander Baumann.

„Je länger die Person in der Vergangenheit liegt, desto gewichtiger wird ihr Werk“, sagte Galerist Ewald Schrade in seiner Begrüßung. Die Galerie Schrade wusste, dass eine „Hommage à Grieshaber“ viele Leute anlocken würde. Nachdem aber weit mehr Besucher die Ausstellungseröffnung im Schloss Mochental sehen wollten als erwartet, fand diese im St. Hubertussaal statt. Als Helmut Andreas Paul Grieshaber wurde der Meister am 15. Februar 1909 in Rot an der Rot geboren. Susanne Zuehlke verlas das Grußwort des kurzfristig erkrankten Stuttgarter Grieshaber-Experten Thomas Schaaf. So war zu erfahren, dass Grieshaber sich einer Biographie zeitlebens verweigert hat, genoss er doch lieber seine Versteckspiele und Eulenspiegeleien, in denen er dem Gegenüber oft mit einem Lachen einhergehend einen Spiegel vorhielt. Grieshaber absolvierte das Studium „Gebrauchsgraphik und Buchdruck“ sowie eine Schriftsetzerlehre. Das Hinzutreten des Bildes zum Text führte Grieshaber zur Xylographie, also zum Hirnholzschnitt, und letztlich zum freien Holzschnitt. Orientierung fand der ab 1933 mit Mal- und Ausstellungsverbot belegte Künstler im gotischen Linienschnitt der Ulmer und Uracher Drucke aus dem 15. Jahrhundert. Seine Meisterschaft erreichte er 1949 durch eine eigene Farb-Lyrik und Formsprache, die an Chagall erinnert. Der Holzschnitt avancierte zum autonomen Wandbild, gedruckt und vervielfältigt von Holz, Kork, Leder oder Metall. Grieshaber, gefragt wie lange ein Holzschnitt dauere, formulierte „30 Jahre und ein paar Stunden“.

Es ist viel Dynamik drin, eine angeborene Radikalität, die man den Drucken ansieht, Glück und Verzweiflung. Seine Holzschnitte galten den unterdrückten Menschen in Chile und Griechenland, und wandten sich gegen die Umweltzerstörung auf der Schwäbischen Alb, so zum Beispiel 1973 beim „Wacholderengel“. Dennoch sagte Grieshaber: „Ich halte nichts von engagierter Kunst.“ Eigentlich sei sein Werk eine Hommage an die Natur, den Menschen begriff er als Teil der Natur, nicht als Krone der Schöpfung, so das Resümee von Thomas Schaaf. Heinrich Böll schrieb ihm 1964 „Schreiberhände sind nicht so treu, nicht so geschickt, wie Ihre Schwabenhand“. Gestorben ist Grieshaber am 13. Mai 1981 auf der Achalm, wo er zuletzt gelebt hatte. In den Gängen und Räumen des Schlosses sind zahlreiche Werke von Grieshaber zu bewundern, im Prälatenzimmer sind Werke einiger seiner Schüler ausgestellt, darunter von Walter Stöhrer und Horst Antes, der nach Grieshabers Rückzug dessen Lehrstuhl an der Kunstakademie Karlsruhe übernommen hatte. Die Ausstellung ist jeweils Dienstag bis Samstag von 13 bis 17 Uhr, und an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen