VdK feiert in Schaiblishausen Jubiläum

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Der VdK ehrte in Schaiblishausen zahlreiche Mitglieder.
Der VdK ehrte in Schaiblishausen zahlreiche Mitglieder. (Foto: SZ- kurt efinger)
Kurt Efinger

Sein 70-jähriges Bestehen hat der VdK-Ortsverband Kirchbierlingen/Griesingen/Rißtissen am Freitag in der Schaiblishausener Gemeindehalle gefeiert. Ehrenvorsitzender Paul Engst erinnerte an den Beginn. Kreisverbandsvorsitzender Siegfried Ritscher stellte die Bedeutung des heutigen Sozialverbands in den Vordergrund.

Statt Endsieg und Weltherrschaft Kriegsgeschädigte und Kriegshinterbliebene. So sah, was sich Deutschland nennt, im sonnigen Frühjahr 1945 aus. Statt Auferstehung im Lichterglanz feierte man stromsparend ein mühsames Weiterleben.

Wo der Funke des Lebensfeuers nicht ganz erloschen war, begann in tiefer Trübsal alsbald wieder Glut zu leuchten, Trost verdrängte Trauer, wo in zertrümmerten Städten und politische Gestalt annehmenden Gemeinden sich Menschen zusammenfanden, um die ärgste Not von Kriegsgeschädigten, Witwen und Waisen gemeinsam anzugehen. Das war der Anfang des Bundes der Kriegs- und Zivilbeschädigten, Sozialrentner und Hinterbliebenen-Verbände Deutschlands Wobei das letzte Wort auszusprechen, man sich damals fast noch schämte. Im Kirchbierlinger Gasthaus Krone fanden sich sieben Betroffene 1949 zusammen. Bald wurden es mehr, und in der sogenannten Pfarrei stieg die Zahl auf mehr als 50 Mitglieder.

Bei der Jubiläumsfeier erinnerte der heutige Ehrenvorsitzende Paul Engst an den Beginn und das, was daraus wurde: der VdK-Ortsverband Kirchbierlingen/Griesingen/Rißtissen mit 124 Mitgliedern. Im Jahr 2000 erfolgte der Zusammenschluss. Einarmige und einbeinige Männer sind nicht mehr darunter, aber viele, die dankbar sind für das, was sachkundige Führungskräfte für benachteiligte Menschen zu erreichen versuchen.

Kreisverbandsvorsitzender Siegfried Ritscher nannte den VdK eine Schicksalsgemeinschaft, die nach dem Krieg aus der Not der Betroffenen entstand. Mit annähernd zwei Millionen Mitgliedern ist der Sozialverband VdK Deutschland der größte seiner Art und tritt für die sozialpolitischen Interessen aller Bürgerinnen und Bürger ein. Sein Ziel ist ein starker Sozialstaat ein, eine tragfähige gesetzliche Sozialversicherung, soziale Gerechtigkeit und Solidarität. Gegründet wurde der Verband im Jahr 1950 unter dem Namen Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands. Aus dem ehemaligen Kriegsopferverband wurde der große, moderne Sozialverband, der für soziale Gerechtigkeit und Gleichstellung kämpft und sich gegen Sozialabbau stark macht.

Nach 70 Jahren sei der Auftrag des VdK noch nicht beendet, sagte Siegfried Ritscher. Im Jahr 2018 habe er mehr als zehn Millionen Euro an Nachzahlungen erstritten. Der Kampf für soziale Gerechtigkeit sei das Ziel angesichts von 1,6 Millionen Kindern aus Familien, deren einziges Einkommen Zuwendungen aus Hartz IV seien, niedriger Zeitarbeitslöhne und steigender Unternehmergewinne. Als Beispiel dafür nannte Siegfried Ritscher eine Familie, die im Zweiten Weltkrieg vom Zwangsarbeitereinsatz in ihren Fabriken profitierte und nach Ritschers Aussage im Jahr 2017 einen Vermögenszuwachs von 1,126 Milliarden Euro verzeichnete. Das Versprechen „Aufstieg durch Bildung“ werde Immer weniger eingelöst. „Armut muss aktiv bekämpft und Vermögen gerechter verteilt werden“, brachte Siegfried Ritscher die Herausforderung auf den Punkt.

Die Unterstützung von Bedürftigen und die soziale Gerechtigkeit nannte Diakon Uli Körner das gemeinsame Anliegen von Sozialverband und Kirche. „Was ist Heimat?“ war Thema von Körners Vortrag zur gesellschaftlichen Einbindung der von Ortswechseln betroffenen Menschen.

Ehrungen beim Ortsverband

Mit dem goldenen Treueabzeichen für 25 Jahre Zugehörigkeit zum VdK zeichnete Ortsverbandsvorsitzender Siegfried Hummel den Ehrenvorsitzenden Paul Engst und Eugen Karle aus. Paul Schick bekam die goldene und Hans Hepp die silberne Ehrennadel. Mit der goldenen Verdienstnadel würdigte der Verband die langjährige Tätigkeit von Norbert Strehl, Hildegund Waschlewski und Isolde Hummel.

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