Andreas Wagnerund Hans Aierstok

In der dritten Runde des württembergischen WFV-Pokalwettbewerbs treffen am Mittwoch, 28. August, 19 Uhr, der Bezirksligist Schwarz Weiß Donau und der Verbandsligist SSV Ehingen-Süd in Rottenacker aufeinander. Die Vorzeichen sprechen für die Gäste: Nicht nur trennen beide Vereine zwei Spielklassen, auch muss der Gastgeber auf viele Leistungsträger verzichten, während Süd genug Möglichkeiten zum Rotieren hat.

Timm Walter, Trainer der Spielgemeinschaft der TSG Rottenacker und des VfL Munderkingen, ist Realist: „Die Gäste sind klarer Favorit.“ Dies ergibt sich für ihn allein schon aufgrund der vielen Ausfälle, die Schwarz Weiß Donau zu verzeichnen hat. Die vielen Spieler, die am vergangenen Sonntag fehlten, stehen auch am Mittwoch nicht zur Verfügung – und dazu kommen weitere Ausfälle wie der von Jochen Leichtle, der sich krankheitsbedingt abmeldete. Verletzt sind Abwehrchef Mathias Burgmaier (Kniebeschwerden), Christian Zittrell (Kahnbeinbruch), Jannik Sachpazidis (Rückenprobleme) und Tim Sachpazidis; wegen eines berufsbedingten Auslandsaufenthalts fehlt Michael Lämmle, im Urlaub weilen Lukas Ottenbreit, Torschütze im Zweitrundenspiel gegen Ravensburg II, Markus Ottenbreit und Nihat Yigit. Es ist eine deutliche Schwächung des Teams, das hat bereits das Bezirksliga-Auftaktspiel am Sonntag gegen Aufsteiger Langenenslingen (1:2) gezeigt. „Die Spieler, die gefehlt haben, sind schwer zu ersetzen“, so der Trainer von Schwarz Weiß Donau, der schon im ersten Liga-Spiel (ab Minute 63) selbst mitmischte und mit Blick auf die weiter verschärfte Personallage wohl auch gegen Ehingen-Süd nicht um einen Einsatz herumkommen wird.

„Vor zwei Wochen hatten wir uns noch so dermaßen auf das Pokalspiel gefreut und jetzt kommt es für uns zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt“, sagt Trainer Walter angesichts seines arg geschrumpften Kaders. „Die Vorfreude ist gedämpft.“ Auf Spieler der „Zweiten“ kann und will Timm Walter nicht zurückgreifen, da diese Mannschaft am Donnerstagabend im Bezirkspokal gefordert ist. Die Chance, ähnlich wie in der zweiten Runde gegen Ravensburg II erneut dem Favoriten ein Bein zu stellen, schätzt Walter gering ein. „Wir müssen versuchen, das Beste draus zu machen, Ehingen-Süd so wenige Räume wie möglich zu geben und die zu erwartende Niederlage in Grenzen halten“, sagt Timm Walter, der den in Pflichtspielen (viermal Liga, zweimal Pokal) in dieser Saison noch ungeschlagenen Verbandsligisten hoch einschätzt. „Ehingen-Süd ist das Maß der Dinge.“

Die Freude beim Bezirksligisten und Bezirkspokalsieger auf den Pokal-Hit mag gedämpft sein, aber sie ist dennoch vorhanden. Timm Walter verweist darauf, dass sich die Mannschaft diese Begegnung durch couragierte Auftritte in den ersten beiden Pokalrunden gegen Eschach (6:1) und Ravensburg II (2:1) das Drittrundenspiel verdient hat. Und das Erreichen der dritten WFV-Runde sei für einen Bezirksligisten schon ein großer Erfolg, sagt Timm Walter, der sich persönlich besonders auch auf Gästespieler Aaron Akhabue freut, der in Rottenacker sein Wohnnachbar ist.

„Für mich ist es ein Pokalspiel, das wir gewinnen wollen“, sagt Michael Bochtler, Trainer des SSV Ehingen-Süd. Er weiß aber sehr wohl, dass das Derby für einige seiner Spieler eine zusätzliche Bedeutung hat und der Trainer trägt dem Rechnung. In der Verbandsliga-Partie gegen Normannia Gmünd am vergangenen Samstag wurden Hannes Pöschl und Aaron Akhabue im Laufe der zweiten Halbzeit eingewechselt, Timo Kästle blieb auf der Bank. Nur Semir Telalovic stand über 90 Minuten auf dem Feld. „Die Spieler, die einen Bezug zu Rottenacker haben, sollen sich im Pokalspiel auch zeigen können“, so Bochtler. „Darauf nimmt man als Trainer eine gewisse Rücksicht und das ist auch gut, weil diese Spieler besonders motiviert sind.“

Der Trainer kündigt auch darüber hinaus Veränderungen gegenüber dem Gmünd-Spiel an, zumal bereits am Freitag, 30. August, 19 Uhr, die nächste Verbandsliga-Begegnung in Pfullingen ansteht. „Wir werden in Rottenacker rotieren, um auch am Freitag frische Leute auf den Platz zu kriegen“, sagt Bochtler, der die drei Spiele innerhalb von sechs Tagen im Block betrachtet. „Veränderungen wir es geben – wie stark, werden wir sehen.“

Der SSV Ehingen-Süd hatte vor der Saison ein Vorbereitungsspiel gegen Schwarz Weiß Donau austragen wollen, doch das kam aus Termingründen nicht zustande. Trainer Bochtler sah den Gegner dann im Zweitrunden-Pokalspiel gegen Ravensburg, bei dem er unter den Zuschauern war. Zunächst hatte er den Fokus auf die Ravensburger gelegt, von deren Weiterkommen er ausgegangen war, doch zunehmend geriet der Bezirksligist in den Blick. eine Mannschaft mit „zwei kompakten Viererketten, Zweikampfstärke und immer gefährlich bei Kontern“, so nahm Bochtler die Spielgemeinschaft wahr. Darüber hinaus sah er „einen hervorragenden Torhüter, der Rottenacker im Spiel gehalten hat“.

Gegen einen solchen Gegner „muss man erst einmal Mittel finden“, sagt Bochtler. Als Verbandsligist sei seine Mannschaft fraglos Favorit, aber „es ist ein Derby und wir müssen es hochkonzentriert angehen und das Spiel ernst nehmen“. Von Anpfiff an, denn: „Während eines Spiels die Einstellung zu korrigieren, ist schwierig.“

Das Ziel des SSV Ehingen-Süd ist klar der Einzug in die vierte Runde, das der Verein vor drei Jahren schon einmal erreicht hatte und dann auf die damals noch in der Regionalliga spielenden Stuttgarter Kickers traf. Auf ein ähnlich attraktives Los hofft man in Kirchbierlingen auch jetzt oder auf ein Duell mit einem der verbliebenen Verbands- oder Landesligisten, um vielleicht sogar ins Viertelfinale einzuziehen – was die Chance auf einen namhaften Gegner weiter erhöht und dem Verein auch ein Prämie bescheren würde. Aber Achtel- oder gar Viertelfinale sind augenblicklich nicht mehr als Gedankenspiele. Bochtler: „Zunächst müssen wir am Mittwoch die Aufgabe in Rottenacker erfolgreich gestalten.“

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