Unfälle, Fahrpläne, Weiterentwicklung: Neues Buch gibt Einblick in 150 Jahre Eisenbahngeschichte

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Ulrich Holtz sprach vor vielen Gästen im Ehinger Museum.
Ulrich Holtz sprach vor vielen Gästen im Ehinger Museum. (Foto: SZ- Hog)
Friedrich Hog

Die Vorstellung des 335 Seiten umfassenden Buchs „150 Jahre Eisenbahn in Ehingen“ von Ulrich Holtz hat am Sonntag rund 100 Interessenten ins Ehinger Museum gelockt. Das Buch illustriert in Wort, Bild und anhand zahlreicher Abbildungen von Fahrplänen, Zeitungsausschnitten oder Betriebsanweisungen die Eisenbahngeschichte in Ehingen und Umgebung. In dem Band werden Aufbau und Entwicklung der Donautalbahn lebendig. Die Buchvorstellung gab instruktive Einblicke in die Inhalte und zeigte mittels Beamer eine Vielzahl seltener Fotos.

Erinnerungen an die Anfänge

Der Vorsitzende der Museumsgesellschaft Ehingen, Franz Romer, der auch das Vorwort des Buchs verfasst hat, begrüßte im Foyer die zahlreich erschienenen Gäste. Oberbürgermeister Alexander Baumann freute sich über den „großen Bahnhof“ im Museum und sagte: „Der große Zuspruch zeigt, dass wir den Nerv getroffen haben.“ Dem Autor Ulrich Holtz, der auch dem Schwäbischen Albverein angehört, bescheinigte Romer eine große Leidenschaft. Er bezeichnete ihn als jemanden, „der unserer Stadt mehr als gut tut“. Als zeitgemäße Entwicklung auf der Bahnstrecke wünschte er sich die Einrichtung eines regelmäßigen S-Bahn-Verkehrs, nachdem am Mittag des 13. Juni 1869 und damit vor gut 150 Jahren die Eisenbahn von Ulm über Blaubeuren kommend in Form eines dampfenden Zuges die Oberamtsstadt und ihren festlich geschmückten Bahnhof erreicht hat. Diese und viele weitere Informationen finden sich im Buch, das Ulrich Holtz vorstellte.

Holtz bediente sich bei der Recherche verschiedener Quellen. Er nannte neben drei Ehinger Privatarchiven das Ehinger Stadtarchiv, das Landesarchiv in Ludwigsburg und den Archivverband Allmendingen, Blaubeuren, Munderkingen, Schelklingen. Außerdem hat er sich bei Menschen informiert, die eigene Erlebnisse aus der spannenden Welt der Eisenbahn beisteuern konnten. Das eigene Archiv der Bahn sei 1994 aufgegeben worden. Ingenieursbegriffe, die ihm als Bauingenieur geläufig seien, habe das Lektorat zur besseren Verständlichkeit entschärft.

Auch Kurioses ist dabei

Das Buch ist einschließlich des Anhangs in zehn Kapitel unterteilt. Anschaulich werden anhand von Landkarten die geschichtliche Entwicklung und ihre politischen und technischen Hintergründe erläutert. Der Bahnhof in Ehingen wird durch Fotos und Pläne illustriert, im textlichen Teil erfahren die Leser sogar Details zur Gliederung der Bahnhofsanlage. Der Autor referierte über verwirklichte Projekte und solche, die wieder in der Schublade verschwunden sind, wie der angedachte Anschluss des Liebherr-Werks oder der Ziegelei Rimmele. Originalzitate von Zeitzeugen und Beteiligten machen das Lesen zum Vergnügen und erleichtern den Zugang zur Materie. Weitere Kapitel widmen sich unter anderem anderen Bahnhöfen im Altkreis Ehingen, der militärischen Nutzung der Donautalbahn und dem zivilen Betrieb auf der Donautalbahn. Alte Fahrpläne geben Einblicke in frühere Taktungen, zum Beispiel auf der Strecke Ulm-Sigmaringen-Tuttlingen-Immendingen. Auch die Weiterentwicklung zur Regio-S-Bahn wird thematisiert, Zeitungsausschnitte und Plakate verdeutlichen die Entwicklungen. Im Kapitel „Besonderheiten und Kurioses“ werden unter anderem Fotos von Unfällen gezeigt. Zeitzeugenberichte, die in den ersten Kapiteln zu einzelnen Themen eingeflossen sind, werden in Kapitel neun im Zusammenhang wiedergegeben. Im Anhang erläutert der Autor Fachbegriffe und Abkürzungen.

In seinem spannenden Vortrag, der vom Lokomotivenrennen 1825 in England über die Diskussion im Stuttgarter Königshaus – „brauchen wir das, was kostet es“ – bis zur Privatisierung der Bahn im Jahr 1994 reichte, weckte Ulrich Holtz die Vorfreude auf die Lektüre des Buches, das bei der Museumsgesellschaft und beim Autor für 20 Euro zu haben ist.

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