TSV Rißtissen feiert 100-Jähriges

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Jörg Spaniel (v.l.) händigte Hans Glöggler, Siegfried Roggenstein und Erwin Gabler die Urkunde aus: Sie sind nun Ehrenmitglieder
Jörg Spaniel (v.l.) händigte Hans Glöggler, Siegfried Roggenstein und Erwin Gabler die Urkunde aus: Sie sind nun Ehrenmitglieder. (Foto: SZ-Fotos: hog)
Friedrich Hog

Einen mit mehr als 300 Gästen sehr gut besuchten Jubiläumsabend hat der Turn- und Sportverein Rißtissen am Sonntagabend in der Römerhalle ausgerichtet. Im Stil der 1920er-Jahre dekoriert, entfaltete das Ambiente das Flair aus der Gründerzeit. 150 Fotos aus 100 Jahren zeigten die Entwicklung des Vereins. Fünf Mitglieder wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt.

Auf einem roten Teppich betraten die Gäste die Römerhalle. Nach einem Prosecco-Empfang konnten sie sich anhand der Dekoration in die Zeit vor 100 Jahren zurückfühlen. Das Duo „Unisono-Music“ begleitete mit Live-Musik. Der Vorsitzende Jörg Spaniel begrüßte die Anwesenden und holte sich mit Moderator Stephan Föhr Verstärkung auf die Bühne. Sie hießen neben einigen Festrednern auch den Ehrenvorsitzenden Siegfried Hummel willkommen, der dem Verein von 1973 bis 2002 vorstand.

730 Mitglieder insgesamt

Der 730 Mitglieder umfassende Verein hat aktuell fünf Abteilungen, Fußball, Turnen, Prellball, Tischtennis und Freizeitsport „Fit und Fun“. Dazu kommt eine aktive Jugendarbeit. Die Fußballabteilung feiert heuer ihr 90-jähriges Bestehen, die Abteilung Freizeitsport gibt es seit 40 Jahren. Besonders gefreut hat sich Spaniel über das Jubiläumsbier der Rösslebrauerei, das neben Bergbier beim Jubiläumsabend ausgeschenkt wurde und noch etliche Monate zu haben sein soll. Der Vorsitzende richtete an Föhr einen besonderen Dank, denn Föhr hatte aus 150 Fotos aus Fotoalben und Festschriften einen ansprechenden Film in zwei Teilen gefertigt. Im März sollen diese und weitere Fotos im Rahmen einer Ausstellung im Sportheim gezeigt werden.

Der Ehinger Bürgermeister Sebastian Wolf sagte: „Wir feiern heute ein Generationenwerk.“ Wolf ging auf die Lebensfreude, den Gründergeist und die Schaffenskraft ein, die ab 1923 in Deutschland Einzug hielten. Der TSV habe diesen Geist bewahrt. „Wir feiern den Verein und vor allem die Personen im Ehrenamt. Hier wird Gemeinschaft gelebt.“ Dem Verein übergab er zum 100-jährigen Jubiläum einen Scheck und freute sich, dass der TSV so jung, dynamisch und lebendig geblieben ist.

Die Gründerväter

Ortsvorsteher Markus Stirmlinger wies auf die Schlagzeilen im Jahr 1920 hin, die im Nachgang zum Ersten Weltkrieg noch von dessen Themen bestimmt waren. 60 Gründerväter hätten dem die Gründung des Vereins entgegengesetzt. Der aktive Fußballer Stirmlinger erinnerte an Momente des Vereinssports und an die Sanierungsbedürftigkeit der 1974 errichteten Römerhalle. Das 2009 eingeweihte Vereinsheim sei auch für private Feiern nutzbar. Dem Vorstand überreichte er einen Geschenkkorb.

Der erste Bilderrückblick ging auf die Jahre 1920 bis 1970 ein. Föhr erläuterte die wichtigsten Ereignisse. Anfangs habe es keinen Sportplatz gegeben, Baron von Stauffenberg habe im Schloss einen Platz für den Sport zur Verfügung gestellt. Es habe ein Fest mit Schauturnen stattgefunden, im Adler gab es Bier und Essen. Theaterstücke und Kameradschaftsabende seien die Einnahmequellen gewesen. Nach der Inflation nahmen die Aktivitäten 1924 einen Aufschwung. Es folgte die Überlassung des Sportplatzes an den Verein durch Bürgermeister Staudacher.

Aktivitäten kommen zum Erliegen

Im Zweiten Weltkrieg kamen die Aktivitäten zum Erliegen. Die Sportfreunde Rißtissen haben 1946 mit Erlaubnis der französischen Besatzungsmacht die Fortsetzung betrieben. 1960 wurde dann das erste Sportheim mit Duschen und Umkleidekabinen gebaut, 1962 gewannen die Fußballer den Bezirkspokal, 1964 stiegen sie in die Zweite Amateurliga auf, begleitet von einem Triumphzug durch das Dorf. 1970 wurde das Jubiläum zum 50-jährigen Bestehen mit einem Feuerwerk begangen.

Wolfgang Haas, Vorsitzender des Musikvereins, sprach im Namen aller Rißtisser Vereine. Er erinnerte an die Schrecken des Ersten Weltkriegs und die hungernden Menschen im Jahr 1920 ohne Zukunftsperspektive. Die Idee des gemeinsamen Sports habe die Kameradschaft gefördert. Viel Applaus erhielt er für die Terminierung der 200-Jahrfeier auf den 5. Januar 2120 in der dann frisch renovierten Römerhalle. Er überreichte dem TSV einen Umschlag aus einer Sammlung der anderen Vereine. Jörg Spaniel erhielt eine TSV-Krawatte mit dem Zusatz „Chef“, Siegfried Hummel wurde mit einer „Ehrenchef“-Krawatte bedacht.

Als Präsident des Sportkreises Ulm /Alb-Donau zollte Georg Steinle den 60 Gründervätern Respekt, da 1920 Vereinsgründungen in der Bevölkerung kritisch gesehen worden seien. „Diese Visionäre erkannten die Lebensfreude, die im Sport steckt“, sagte Steinle. Besonderes Lob hatte er für Siegfried Hummel im Gepäck, der 1981 zum Maifest sogar die Flippers nach Rißtissen geholt hatte. Hervorgehoben hat Steinle, dass sich der TSV einst sieben Jahre in der Zweiten Fußball-Amateurliga hielt. Der von ihm überreichte Scheck sei vierstellig, so Steinle.

Fotos erläutert

Auch die Fotos von 1970 bis 2020 wurden von Föhr erläutert. 1971 hat das Gaukinderturnfest in Rißtissen stattgefunden, 1974 wurde die Tischtennisabteilung ins Leben gerufen, 1976 die Prellballabteilung, die 1990/91 in der Ersten Bundesliga Süd gespielt hat. 1993 wurde der jetzige Sportplatz eingeweiht. 2009 hat Jörg Spaniel den Vorsitz übernommen.

Am Ende des offiziellen Teils erfolgte die Ernennung von fünf Ehrenmitgliedern. Nicht anwesend waren Rudolf Rieger und Rudolf Schwarz. Rudolf Rieger, 1957 beigetreten, hat für den TSV über 650 Fußballspiele absolviert, Rudolf Schwarz trat 1952 bei und steht für über 300 Fußballspiele und über 350 Spiele im Tischtennis. Erwin Gabel, seit 1953 im Verein, kann auf über 600 Fußballspiele zurückblicken, er war der Torschütze vom Dienst in der Kreisliga B und Kreisliga A. Hans Glöggler, 1957 dazugekommen, war von 1973 bis 1983 stellvertretender Vorsitzender und hat über 600 Fußballspiel absolviert. Siegfried Roggenstein, 1961 eingetreten, ist seit 1976 als Schiedsrichter aktiv und war mit Einsätzen in der Verbandsliga der höchste Schiedsrichter aus dem TSV, außerdem war er 1983 bis 1999 Schriftführer.

Nach einem Dreigängemenü wurden Lose für 60 hochwertige Tombolapreise verkauft, die mehr als ansprechend präsentiert wurden. Für Unisono-Music und später DJ Max wurde die Bühne zugunsten einer Tanzfläche abgebaut, eröffnet wurde dann auch eine Cocktailbar.

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