TSG-Vorsprung wächst – auch weil Süd Chancen auslässt

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 Dreimal hatten die Spieler des SSV Ehingen-Süd gegen Leinfelden-Echterdingen Grund zum Torjubel. Trainer Michael Bochtler hätte
Dreimal hatten die Spieler des SSV Ehingen-Süd gegen Leinfelden-Echterdingen Grund zum Torjubel. Trainer Michael Bochtler hätte gern mehr davon gesehen, Chancen dazu waren da. (Foto: SZ- mas)
Schwäbische Zeitung

Am Ende von 95 temporeichen Verbandsliga-Minuten mit sechs Toren und mindestens ebenso vielen vergebenen Großchancen in Kirchbierlingen schienen beide Trainer nicht sicher zu sein, ob sie sich über das 3:3 freuen oder zwei verlorenen Punkten nachtrauern sollten. Sowohl Michael Bochtler (SSV Ehingen-Süd) als auch Francesco Guerra (Calcio Leinfelden-Echterdingen) gaben an, mit dem einen Punkt leben zu können, aber sie führten auch an, warum auch drei Punkte hätten herausspringen können. Im Falle der Gastgeber sogar müssen.

Eine Woche zuvor schon hatte Bochtler bemängelt, dass sein Team derzeit zu viele Gelegenheiten auslässt – zehn Tore mehr hätte man in den vergangenen Spielen erzielen müssen. Nun, nach dem Duell mit Leinfelden-Echterdingen, erhöhte er die Zahl der vergebenen Großchancen auf 15. Teils hatte es dennoch zum Sieg gereicht, nicht aber gegen das aufstrebende Calcio Leinfelden-Echterdingen (3:3). Dessen Trainer Guerra haderte am Sonntag mit dem verschossenen Elfmeter von Josip Pranjic – es wäre in der zweiten Halbzeit das 3:2 für die Gäste gewesen. Pranjic betrieb erneut keine Eigenwerbung in Sachen Strafstoß. Dies sei der zweite Elfmeter in dieser Saison für sein Team gewesen, sagte Guerra.

Francesco Guerra hatte seine Startelf gegenüber dem Pokalspiel am Donnerstag gegen den VfB Stuttgart II stärker verändert als ursprünglich geplant. Zum einen seien die Torhüter „Nummer eins und zwei“ ausgefallen und der aufgebotene Melvin Tullo vereitelte zwar einige Chancen des SSV, doch sein Trainer kreidete ihm das 1:0 für Süd durch die Kopfball-Bogenlampe von Filip Sapina an. „Da stand er falsch.“ Schmerzlich für Calcio war aus Sicht von Guerra auch der krankheitsbedingte Ausfall von Gökhan Gümüssü, dem „besten Spieler“ drei Tage zuvor gegen den VfB II. Auf Gümüssü hatte der Calcio-Coach die Taktik gegen Süd zugeschnitten und musste sie kurzerhand ändern.

Letztlich war Francesco Guerra froh über den einen Punkt in Kirchbierlingen – damit verlängerte sich die Serie von Calcio in der Liga auf sechs Spiele ohne Niederlage. Aber auch Süds letzte Niederlage liegt eine Weile zurück, fünf Punktspiele in Folge hat der SSV nun nicht mehr verloren. Seit Wochen verteidigt Süd den zweiten Tabellenplatz, wobei der Rückstand auf Spitzenreiter Backnang auf fünf Punkte anwuchs; außerdem hat Backnang die deutlich bessere Tordifferenz (plus 22 gegenüber sieben von Ehingen-Süd).

Der Oberliga-Absteiger, der Anfang September beim 1:1 in Kirchbierlingen an einer Niederlage vorbeigeschrammt war, gewann seither alle Spiele und musste nur noch einen Gegentreffer hinnehmen. Am Donnerstag, in der vorgezogenen Partie des zehnten Spieltags, siegte Backnang beim FC Wangen 2:0. Spät sorgten die Gäste für die Entscheidung, der zum insgesamt elften Mal erfolgreiche Mario Marinic in der 82. Minute und Niklas Kalafatis in der Nachspielzeit trafen – es war der achte in dieser Saison, nur zweimal, gegen Ehingen-Süd und Leinfelden-Echterdingen (ebenfalls 1:1), gab Backnang Punkte ab. „Läuferisch und kämpferisch war das Note eins“, war Wangens Trainer Adrian Philipp trotz Niederlage mit seiner Mannschaft zufrieden. Er räumte aber ein, dass die Gäste zurecht die Punkte für sich verbuchten. „Ein verdienter Sieg.“ Backnang feierte auf der Rückfahrt vom Spiel den Erfolg überschwänglich, wie der Verein auf seiner Internetseite bekanntgab: Von „sangesfreudigen Kickern, Remmidemmi und leicht verstörten Autofahrern an der Raststätte Illertal“ ist die Rede.

Trübsal blasen war dagegen beim TSV Berg angesagt, der in Heiningen sein viertes von bisher fünf Auswärtsspielen in dieser Saison verlor. Vor heimischen Publikum dagegen ist der Aufsteiger eine Macht (zweitbeste Bilanz nach Backnang), was Trainer Oliver Ofentausek rätseln lässt. „Zu Hause spielen wir hui, auswärts ist das leider echt pfui“, so Ofentausek. „Keine Ahnung, woran das liegt.“ 3:0 führte Heiningen schon nach 55 Minuten, knapp eine Viertelstunde später erzielte Can Bezoglu das einzige Tor für Berg. Dessen Trainer denkt über eine neue Taktik für die Auftritte in der Fremde nach. „Auswärts rühren wir vielleicht einfach mal Beton an“.

Auch ohne angerührten Beton zeigte sich Olympia Laupheim in der Landesliga beim Spitzenreiter FC 07 Albstadt stabil und ergatterte sich nach etlichen Rückschlägen überraschend einen Punkt. Der Ex-Ehinger Mathias Brinsa hatte Laupheim kurz nach der Pause in Führung gebracht, Albstadt glich eine Viertelstunde vor Schluss aus. „Das war ein Schritt in die richtige Richtung“, war Olympia-Trainer Hubertus Fundel mit dem 1:1 zufrieden, obwohl aus seiner Sicht in dem Duell der Verbandsliga-Absteiger mehr drin war für seine Mannschaft. „Wir haben die Konter nicht sauber ausgespielt und den Deckel nicht draufgemacht – wir wissen aber natürlich, dass Albstadt keine Laufkundschaft ist.“

Der FV Bad Schussenried dagegen muss aufpassen, dass er nicht zur Laufkundschaft wird. Eine Woche nach dem 0:3 gegen Weingarten verlor Schussenried 0:4 beim SV Kehlen. Laut FVS-Trainer Daniel Amann hatte sein Team gut angefangen und Chancen zur Führung, kam aber nach dem Elfmetertor durch David Bernhard zum 1:0 für Kehlen nach 20 Minuten aus dem Tritt. Schussenried fing sich wieder und hatte Ausgleichsmöglichkeiten, doch Mitte der zweiten Halbzeit erzielte Kehlens Jonas Klawitter das 2:0. Kurz darauf fiel das 3:0 und bei Bad Schussenried ging nichts mehr. Damit fiel der Aufsteiger nach gutem Saisonstart weiter zurück. (aw)

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