Trainingsfrei für Ehingen-Süd – Laupheims Abstieg besiegelt

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 Jubel über den Sieg und gestrichene Übungseinheiten: Süd-Trainer Michael Bochtler (rechts) belohnte seine Mannschaft für deren
Jubel über den Sieg und gestrichene Übungseinheiten: Süd-Trainer Michael Bochtler (rechts) belohnte seine Mannschaft für deren engagierte Leistung beim 2:0-Sieg in Dorfmerkingen mit einigen freien Abenden. Erst am Freitag wird beim SSV Ehingen-Süd wieder trainiert. (Foto: SZ- aw)
Schwäbische Zeitung

Fast mit dem letzten Aufgebot war der SSV Ehingen-Süd zu seinem letzten Auswärtsspiel der Verbandsliga-Saison 2018/19 nach Dorfmerkingen gereist. Ausgerechnet vor der Begegnung mit den um die Meisterschaft und den Oberliga-Aufstieg kämpfenden Sportfreunden gingen den Kirchbierlingern die Spieler aus. Lukas Schick, der studienbedingt unter der Woche nicht mit der Mannschaft trainieren kann, sprang als Linksverteidiger ein und um überhaupt Wechselalternativen zu haben, fuhren drei Spieler der „Zweiten“ mit. Jonas Striebel, Simon Schick und Martin Pfänder wurden in der Schlussphase eingewechselt und halfen mit, den 2:0-Vorsprung über die Zeit zu bringen.

Angesichts der personellen Lage war der Sieg des SSV beim Tabellenführer bemerkenswert. Die Dorfmerkinger waren feldüberlegen, hatten auch mehr Chancen, aber sie trafen auf eine Kirchbierlinger Mannschaft, für die es weder um Auf- noch Abstieg ging, die sich aber von der ersten bis zur letzten Minute wehrte und dem Titelanwärter nichts schenkte. Bis zum Schluss der siebenminütigen Nachspielzeit, als sich das Geschehen längst fast nur noch in der Hälfte von Süd abspielte, scheuten die Gäste keinen Zweikampf und verdienten sich so den 2:0-Erfolg, den der junge Aaron Akhabue in der zweiten Halbzeit nach zwei der wenigen Konter der Gäste herausgeschossen hatte.

Erschöpft, aber mit einem breiten Grinsen schlichen die Spieler des SSV nach der aufreibenden Partie vom Feld. In einer kurzen Rede hob Trainer Michael Bochtler die große Leistung des Teams hervor und verkündete dann, was er bereits vor der Begegnung in Aussicht gestellt hatte: trainingsfrei bis Freitag. Der Jubel der Spieler darüber war genauso groß wie über den bereits siebten Auswärtssieg in dieser Saison. Mit 25 Punkten aus den 15 Spielen auf fremden Plätzen ist Ehingen-Süd die zweitbeste Auswärtsmannschaft der Verbandsliga – punktgleich mit den SF Dorfmerkingen.

Während Ehingen-Süd am letzten Spieltag zu Hause gegen den FC Heiningen antritt, der wie der SSV im gesicherten Tabellenmittelfeld steht, geht das Rennen um die Meisterschaft für Dorfmerkingen weiter. Die Sportfreunde verpassten gegen Ehingen-Süd eine Vorentscheidung, denn keine der Spitzenmannschaften gewann am vorletzten Spieltag. Der mit Dorfmerkingen punktgleiche Tabellenzweite Rutesheim verlor sogar mit 1:4 beim bereits abgestiegenen FV Löchgau, womit bei den Sportfreunden keiner gerechnet hatte. Aber auch Hollenbach und Essingen auf den Rängen drei und vier mussten sich mit jeweils einem Unentschieden begnügen.

Umso größer war die Enttäuschung bei der Dorfmerkinger Mannschaft und ihren fast 600 Fans nach der 0:2-Niederlage gegen Ehingen-Süd. „Wir haben alles versucht, ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen“, sagte SFD-Trainer Helmut Dietterle. „Aber der Gegner war so massiv hinten gestanden und hat so diszipliniert gespielt, da war es schwierig für uns.“ Es war nicht der erste Patzer des Spitzenreiters in der entscheidenden Phase der Saison, aus den zuletzt vier Spielen – drei davon vor heimischem Publikum – holten die Sportfreunde gerade einmal einen Punkt; dreimal ging man leer aus, dreimal blieb man ohne Torerfolg. „Wenn man als Tabellenführer so agiert wie in den vergangenen Wochen, kann man nicht sagen, dass man nur Pech hatte“, so Dietterle. „Dann ist es auch dem geschuldet, dass man die Nerven nicht behält.“

Zum Abschluss der Runde hat Dorfmerkingen noch eine unangenehme Aufgabe vor sich: das Gastspiel beim FC Wangen. Die Allgäuer, die katastrophal in die Saison gestartet waren und lange am Tabellenende standen, sicherten sich am Wochenende mit dem 0:0 in Hollenbach den Verbleib in der Liga. „Hut ab vor meiner Mannschaft“, sagte FCW-Trainer Adrian Philipp, der vor allem von der Leistung in der ersten Halbzeit angetan war. „Da haben wir nichts zugelassen, sensationell verteidigt. Hollenbach hatte da gar keine Chance.“ Gegen diese Wangener muss Dorfmerkingen am letzten Spieltag ran. Leicht wird es nicht.

Der FV Olympia Laupheim wird sich aus der Verbandsliga verabschieden, dies steht seit Sonntag fest. Die Laupheimer hätten beim ebenfalls abstiegsgefährdeten VfL Nagold gewinnen müssen, um ihre Chance zu wahren, doch es setzte eine 1:2-Niederlage. „Dieses Spiel war symptomatisch für die zähe Rückrunde. Man probiert alles, tut alles und wird am Ende nicht belohnt“, sagte Olympia-Trainer Hubertus Fundel. Julian Haug hatte nach etwas mehr als einer Stunde Nagolds Halbzeitführung ausgeglichen, doch nur zwei Minuten später ging der VfL erneut in Führung. Nagold musste in der Schlussphase nach Gelb-Rot für Chris Wolfer mit einem Mann weniger auskommen, doch Laupheim gelang auch in Überzahl der Ausgleich nicht. Und so ist der letzte Auftritt gegen Neckarrems nicht mehr das Abstiegsendspiel, das sich die Laupheimer erhofft hatten. Anders als für den VfB Neckarrems geht es für den FV Olympia nur noch um einen ordentlichen Ausstand aus der Verbandsliga.

Bitter war das Wochenende für den FC 07 Albstadt, dessen vorgesehene Begegnung beim FC Heiningen am Samstag aufgrund eines traurigen Zwischenfall ausfiel. Kurz nach Ankunft des Albstädter Mannschaftsbusses in Heiningen brach ein mitgereister Fan des FC zusammen und war bewusstlos. Nach der ersten Hilfe durch einen anderen Fan und den Wirt der Gaststätte am Sportgelände und dem schnellen Eintreffen der Rettungskräfte reanimierte ein Notarzt den Mann, der dann in äußerst kritischem Zustand in ein Krankenhaus nach Göppingen transportiert wurde. Spieler und die Trainer beider Mannschaften waren geschockt und sahen sich unter diesen Umständen nicht in der Lage, an diesem Nachmittag noch ein Spiel auszutragen. „In so einem Fall ging ein Menschenleben vor. Da ist Fußball absolut zweitrangig“, sagte FCA-Sportvorstand Rolf Niggel.

Auch der Schiedsrichter zeigte Verständnis und die Partie sollte bereits am Mittwoch nachgeholt werden – doch dazu wird es nicht kommen. Durch den Sieg von Nagold gegen Laupheim und das Unentschieden von Neckarrems gegen Essingen stand der Abstieg des FC Albstadt in die Landesliga am Sonntagabend fest. Die Verantwortlichen des FCA beschlossen daher in Absprache mit Trainer Alexander Eberhart, das Spiel in Heiningen abzusagen. Es wurde mit 3:0 für den FC Heiningen gewertet. (aw)

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