Tennisspieler Windisch: „Ich investiere eine Menge, um mein Niveau zu halten“

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Schwäbische Zeitung

In Kürze beginnen die Tennis-Seniorenweltmeisterschaften der Altersklassen Herren und Damen 50, 55 und 60 in Ulm und Neu-Ulm. Einer der Teilnehmer ist der Ehinger Alexander Windisch, der früher für den TC Ehingen, den Zweitligisten TC Blau-Weiß Neu-Ulm und den MTTC Iphitos München gespielt hat, mit dem er deutscher Mannschaftsmeister war. Im Einzel einer DM wurde er 1992 Zweiter. Nach seiner aktiven Zeit bremsten ihn gesundheitliche Probleme, Windisch musste länger pausieren. Doch nach zwei Operationen ist er zurückgekehrt auf den Tennisplatz und erzielte in den vergangenen Jahren bei den Senioren etliche Erfolge. Pit Meier sprach mit dem 50-Jährigen über die bevorstehende WM.

Hallo Herr Windisch, wir erreichen Sie in Helsinki. Was machen Sie in Finnland?

Ich spiele hier noch ein Turnier, um ein paar Punkte zu holen. Ich würde gerne meinen zweiten Weltranglistenplatz in der Altersklasse Herren 50 bis zur Senioren-Weltmeisterschaft in Ulm und Neu-Ulm verteidigen.

Mit welchem Ziel starten Sie bei der Weltmeisterschaft?

Na ja, ich war dreimal Europameister bei den Herren 45 und vor ein paar Wochen bin ich in der Türkei zum ersten Mal Europameister bei den Herren 50 geworden. Ich bin, wie gesagt, die Nummer zwei der Weltrangliste. In meiner alten Heimat würde ich natürlich gerne Weltmeister werden.

Das ist ein ehrgeiziges Ziel. In Ihrer Altersklasse spielt unter anderem auch der Schwede Anders Jarryd und der war mal unter den besten fünf in der Welt.

Na und? Den habe ich in meiner aktiven Zeit trotzdem mal geschlagen. Ich habe auch gegen Karsten Braasch und Jewgeni Kafelnikow gewonnen und der war immerhin mal die Nummer vier in der Welt.

Was ist mit anderen Weltstars Ihrer Altersklasse wie Andre Agassi, Boris Becker und Michael Stich?

Mit Michael Stich habe ich für Iphitos München in der Bundesliga gespielt, Boris Becker hat damals in München gewohnt und wir haben ein paarmal zusammen trainiert. Agassi ist ein wenig jünger, aber der spielt nicht mehr und der Boris hat auch aufgehört.

Sie selbst haben auch eine lange Pause eingelegt. Was war der Grund dafür?

So etwa zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr habe ich in der Tat höchstens mit meinen Töchtern Emily und Zoe ein bisschen gespielt. Ich hatte damals große gesundheitliche Probleme. Ein befreundeter Arzt hat mir dann vor sechs Jahren das erste künstliche Hüftgelenk eingesetzt und vor vier Jahren das zweite. Seitdem habe ich keinerlei Beschwerden mehr. Dass ich wieder zum Tennis gefunden habe, habe ich auch meinem alten Ulmer Kumpel Florian Ebner zu verdanken. Er spielt ja schon seit vielen Jahren auf Weltklasse-Niveau bei den Senioren und hat mich mehr oder weniger dazu überredet, wieder einzusteigen.

Wissen Ihre Gegner, dass sie mit zwei künstlichen Hüftgelenken spielen?

Das spricht sich schon rum in der Szene. Wenn es ein Spieler tatsächlich nicht weiß und gegen mich verloren hat, dann sage ich es ihm hinterher. Das verstärkt den Frust noch ein bisschen.

Ein aktiver Weltklassespieler kann sehr gut von seinem Sport leben. Wie ist das bei den Senioren?

Die besten Seniorenspieler kriegen manchmal ihre Spesen ersetzt und auch mal ein kleines Preisgeld. Aber davon kann man nicht leben. Tennis ist meine Passion und ich investiere eine Menge, um mein Niveau zu halten. Ich verbringe jeden Tag ein paar Stunden auf dem Platz oder im Fitnessstudio. Mein Geld verdiene ich aber als Chef der Werbeagentur Capeeshee, meine Frau Gabi hat mit ihrer Freundin Nadine Lux das Label Sportkind gegründet und produziert Sportkleidung. Wir sind beide selbstständig und deswegen zum Glück zeitlich flexibel.

Teilt Ihre Familie Ihre Begeisterung für den Tennissport?

Meine Frau ist Hobbyspielerin, meine Töchter spielen auch Tennis und das ist gut so. Ich bin schließlich viel unterwegs bei Turnieren. Wenn meine Familie sich für diesen Sport nicht interessieren würde, müsste ich wahrscheinlich froh sein, wenn mir die Haustür noch aufgemacht wird.

Die Europameisterschaft der Herren 50 hat er 2018 bereits gewonnen, mit den Herren 40 des TC Augsburg Siebentisch spielt er demn
Die Europameisterschaft der Herren 50 hat er 2018 bereits gewonnen, mit den Herren 40 des TC Augsburg Siebentisch spielt er demnächst um die deutsche Meisterschaft, doch davor kämpft er um den WM-Titel: Der Ehinger Alexander Windisch ist bei den Senioren-Weltmeisterschaften in Ulm/Neu-Ulm aber nicht nur als Spieler gefordert, sondern auch an der Organisation beteiligt. (Foto: Privat)
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